Nach 43 Jahren Schiedsrichter Heinrich Osmers in den Ruhestand verabschiedet

Achim. Als er seine Schiedsrichter-Laufbahn begann, gehörte die Rote Karte noch nicht zum Arsenal der regelhütenden Instanz. 43 Jahre lang fungierte Heinrich ('Heini') Osmers als Unparteiischer im Landkreis Verden und erwarb in dieser Zeit neben einem hohen Bekanntheitsgrad auch noch jede Menge Sympathien.
03.06.2010, 04:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Schön

Achim. Als er seine Schiedsrichter-Laufbahn begann, gehörte die Rote Karte noch nicht zum Arsenal der regelhütenden Instanz. 43 Jahre lang fungierte Heinrich ('Heini') Osmers als Unparteiischer im Landkreis Verden und erwarb in dieser Zeit neben einem hohen Bekanntheitsgrad auch noch jede Menge Sympathien. Mit der Niedersachsenmeisterschaft im Altliga-Fußball fand der TSV Achim jetzt den passenden Rahmen, um sein vielleicht prominentestes Vereinsmitglied gebührend zu verabschieden.

Buchstäblich mit Pauken und Trompeten wurde der 71-jährige Rentner in den Schiri-Ruhestand entlassen. 'Mit dem Spielmannszug Uphusen hatte ich wirklich nicht gerechnet', versicherte Heinrich Osmers. Als die Musiker ihm ein Ständchen darbrachten, trieb es ihm Tränen der Rührung in die Augen.

Sein offiziell - und damit zumindest vorläufig - letztes Spiel leitete Heini Osmers während des Oldie-Championats beim Jubiläum feiernden TSV Achim mit der Begegnung TSV Achim - VSK Osterholz-Scharmbeck (1:1). Dass die Gäste aus dem Kreis Osterholz ihren Führungstreffer einem von Heini Osmers gegen seine eigenen Vereinskameraden verhängten Achtmeter verdankten, ist typisch für den unbestechlichen Spielleiter, dessen Gerechtigkeitssinn so ausgeprägt ist, dass er möglichen Interessenskonflikten stets mit größter Konsequenz aus dem Weg ging. 'Gleich nach dem Ablegen der Schiedsrichterprüfung habe ich meine aktive Laufbahn beendet', berichtet Osmers, der als gebürtiger Achim-Borsteler beim TSV Bassen mit dem Fußballspielen begann und sich dort als Linksaußen etablierte.

In der Landesliga an der Linie

Der Beruf - er arbeitete bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Bauhof der Stadt Achim - hinderte ihn daran, sich für höhere Schiedsrichter-Aufgaben zu bewerben. Er kam nur zu einem Einsatz in der Bezirksklasse und machte sich ansonsten als Assistent Ulrich Hamers vom TSV Uesen (bis zur Landesliga) verdient. Dafür war er innerhalb des Kreises Verden umso häufiger im Einsatz. 'Bis zu drei Mal wöchentlich', erinnert sich Osmers, dessen Ehefrau Ehefrau Christel bisweilen nachfragte, ob die anderen Schiedsrichter denn kein Telefon hätten. 'Sie ist aber selbst ehrenamtlich tätig und hat daher immer Verständnis für mein Hobby gehabt', betont Osmers, der von sich sagt, dass er Schiedsrichter aus Passion geworden ist. 'Man macht sich natürlich auch Feinde, vor allem aber gewinnt man Freunde.'

Dass man ihm an den Kragen wollte, kam nur ganz selten vor. Ein Mal hat er ein Handspiel übersehen, was für den Ausgang eines Pokalspiels in Posthausen nicht ganz unwichtig war. 'Im Benachbarten Hellwege fand eine Flugshow statt, und ich hatte mich durch einige Fallschirmspringer ablenken lassen.' Er suchte daher nach dem Abpfiff schleunigst das Weite. 'Ich hatte zum Glück mein Fahrrad dabei und habe mich nicht ein einziges Mal umgedreht, bis ich zu Hause war.'

Viel häufiger erntete der mit Strafen knausernde Achimer Komplimente, wobei er eine wichtige Unterscheidung vornimmt. 'Über Lob sollte sich ein Schiederichter nur dann freuen, wenn es von der unterlegenen Mannschaft kommt.'

43 Jahre Schiedsrichtertätigkeit machen Heinrich Osmers auch zu einem wertvollen Zeitzeugen. 'Doppelpässe gab es in meinen Anfangsjahren so gut wie nicht, und das Spiel ist schneller und athletischer geworden, aber sicherlich nicht unfairer.'

In der vergangenen Saison hat Osmers vor allem in den Seniorenklassen gepfiffen. Nicht weil die Aufgaben dort leichter sind. Er wollte vielmehr jüngere Kollegen vor unliebsamen Erlebnissen schützen. 'Dort ist es viel schwieriger, weil keine Gespanne da sind, und die Spieler sind meistens ziemlich ausgebufft.'

Für den Fußball ist Heinrich Osmers übrigens wohl nicht ganz verloren. 'Ich kann mir vorstellen als Platzwart oder als Kassierer weiterzumachen', so der rastlose Ruheständler, der Mitglied des Heimatvereins, des Schützenvereins und zweier Kegel-Klubs ist.

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