Klage gegen den Deutschen Fußball-Bund Schiedsrichter: „Möchte nicht als Nestbeschmutzer wahrgenommen werden“

Vier Jahre war Patrick Schult als Schiedsrichter für den Deutschen Fußball-Bund aktiv und hat dabei einen jeweils für eine Saison befristeten Vertrag unterzeichnet. Nun klagt Schult auf Weiterbeschäftigung.
11.02.2020, 18:06
Lesedauer: 3 Min
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Schiedsrichter: „Möchte nicht als Nestbeschmutzer wahrgenommen werden“
Von Frank Büter

Herr Schult, was erhoffen Sie sich von der anstehenden Berufungsverhandlung vor dem Landesarbeitsgericht in Hannover?

Patrick Schult: Ich erhoffe mir, wieder Spiele im Profifußball zu pfeifen und den Beruf als Schiedsrichter beim DFB weiter ausüben zu können.

Warum glauben Sie, dass Sie die besseren Argumente haben und diesen Rechtsstreit gewinnen können?

Das Rechtsverhältnis zwischen dem DFB und mir wurde wie ein ganz normales Arbeitsverhältnis gelebt, so wie man es auch aus allen anderen Berufen kennt.

Warum ist dieser Rechtsstreit für Sie so wichtig, dass Sie gegebenenfalls bis zum Bundesarbeitsgericht nach Erfurt gehen würden?

Die Tätigkeit als Schiedsrichter im Profifußball ist meine große Leidenschaft, und diesen Beruf möchte ich gerne fortsetzen.

Haben Sie mitunter das Gefühl, dass der DFB vielleicht ein zu übermächtiger Gegner ist, dem gerade bei dieser Thematik womöglich nicht beizukommen ist?

Nein. Vor dem Gesetz sind alle gleich, und deshalb habe ich großes Vertrauen in die Gerichte und den Rechtsstaat.

Nehmen die Leute in Ihrem privaten Umfeld Anteil? Wie ist der Tenor?

Meine Familie und Freunde unterstützen mich, wünschen mir ein gerechtes Urteil und würden sich freuen, wenn ich als Schiedsrichter auf den Fußballplatz zurückkehren könnte.

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Gibt es Resonanz oder auch Zuspruch aus dem Kreis der früheren Schiedsrichterkollegen?

Resonanz oder gar Zuspruch gibt es nicht, zumindest nicht offen. Das ist aber auch nicht verwunderlich, denn man möchte nicht als Nestbeschmutzer wahrgenommen werden. Interesse daran, wie der Rechtsstreit ausgeht, haben sicherlich einige, denn es betrifft im erheblichen Maße die Belange der Schiedsrichter im Elitebereich des DFB.

Wünschen Sie sich mehr Öffentlichkeit?

Eine öffentliche Berichterstattung und Sensibilisierung der Leser ist mir wichtig, um aufzuzeigen, dass in diesem Elitebereich nicht immer der Fair-Play-Gedanke an oberster Stelle steht und es hier in meinen Augen einer Korrektur bedarf. Ob eine breitere Öffentlichkeit sich dafür interessieren sollte, vermag ich nicht zu beurteilen. Arbeitsrechtliche Streitfragen im Elite-Schiedsrichterwesen des DFB sind sicherlich für den Fußballfan kein großes Thema, wenngleich es ein interessantes und essenzielles ist.

Ist Ihre Zeit als Schiedsrichter aufgrund der unfreiwilligen Pause seit Sommer 2018 vorbei oder haben Sie noch ernsthafte Ambitionen, Ihre Laufbahn fortzusetzen?

Ob ich meine Ambitionen begraben kann, wird das Urteil zeigen. Ehrgeizig war ich schon immer und mein Gefühl sagt mir, dass es noch nicht vorbei ist.

Was hat Sie am Schiri-Job gereizt? Warum sind Sie zum ersten Lehrgang gegangen?

Mein damaliger Verein hatte zu wenig Schiedsrichter und es drohte eine Geldstrafe sowie Punktabzug für die erste Herrenmannschaft. Mein Vater war damals im Verein sehr aktiv, organisierte unter anderem diesen Bereich und bat mich darum, doch Schiedsrichter zu werden. Ich folgte seiner Bitte, und nach der Ausbildung und den ersten Spielen hatte ich doch sehr schnell Gefallen an dieser Tätigkeit gewonnen. Die Leidenschaft des Spiels, das Management verschiedener Spielertypen auf dem Platz und die Zusammenarbeit im Schiedsrichterteam haben mich dabei von Anfang an überzeugt und mir große Freude bereitet.

Das Gespräch führte Frank Büter.

Info

Zur Person

Patrick Schult (33)

war zwischen 2014 und 2018 als Schiedsrichter für den DFB in der 3. Liga im Einsatz. Der Familienvater lebt in Lauenbrück im Landkreis Rotenburg.

Info

Zur Sache

Sind Schiedsrichter Arbeitnehmer des DFB?

In erster Instanz ist Patrick Schult mit seiner Klage auf Weiterbeschäftigung gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gescheitert. Jetzt geht der Fall in die Berufung. An diesem Mittwoch befasst sich das Landesarbeitsgericht Niedersachsen in Hannover mit der Klage und der Frage, ob ein Schiedsrichter, der auf der Elite-Liste des DFB geführt wird, ein Arbeitnehmer ist. Patrick Schult, der in diesem Rechtsstreit vom Bremer Anwalt Malte Dittrich vertreten wird, war zwischen 2014 und 2018 vier Jahre lang für den DFB als Schiedsrichter im Einsatz. In dieser Zeit hat Schult unter anderem 39 Drittligapartien geleitet und war auch als Schiedsrichterassistent in der 2. Bundesliga tätig. Schiedsrichter, die auf der DFB-Liste geführt werden, erhalten einen Vertrag, der jeweils für eine Saison gilt. Weil er nach dem 30. Juni 2018 nicht mehr berücksichtigt wurde, hat Schult eine Entfristungsklage eingereicht.

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