Schießen Kurt Kastens ist ein Medaillensammler

Der Okeler Kurt Kastens hat sich als Schütze einen Namen gemacht, ist aber auch darüber hinaus sehr aktiv.
29.03.2021, 18:00
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Kurt Kastens ist ein Medaillensammler
Von Jürgen Juschkat

Gerne denkt der Okeler Kurt Kastens aus dem Schützen-Kreis Weser-Eyter an die Deutsche Meisterschaft 2006 zurück. Damals belegte er als Senioren-Einzelschütze auf der ehemaligen Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück bei München den fünften Rang. Bei Kastens kommt aber auch Wehmut auf: Denn der 71-Jährige darf seinen Sport nicht ausüben. Wie in so vielen Bereichen des Lebens ist die Corona-Pandemie dafür verantwortlich.

Damals – im August 2006 – wusste Kastens nicht so recht, ob er nun weinen oder lachen sollte. Der für den SV Etzhorn gestartete Kleinkaliberschütze hatte nämlich mit starken 561 Ringen nur um einen Zähler die Bronze- und um zwei die Silbermedaille verpasst. In der zweiten Stehend- (86 Ringe) und der ersten Knieendserie (93) hatte Kastens an Boden verloren. Er steigerte sich aber zur rechten Zeit auf 561 Ringe, nachdem er auf Landesebene lediglich 557 Ringe erzielt hatte.

Für Kastens hätte es leicht doch eine Medaille geben können – und zwar mit der Etzhorner Altersmannschaft. Der Teamverantwortliche Werner Fredehorst hatte aber ausgerechnet den Okeler aus dem Trio herausgenommen und Helmuth Block ins mannschaftliche Rennen geschickt. Dieser aber erfüllte mit 544 Ringen – immerhin 17 weniger als Kastens – nicht die Erwartungen. Andersherum hätte es die Bronzemedaille gegeben, denn zusammen mit Norbert Strauch und Rolf Beneke (beide 563) wären die Etzhorner mit dem Okeler auf 1687 Ringe gekommen und hätten den SV Wiefelstede (1685) vom Bronzerang gestoßen. So standen aber nur 1670 Zähler zu Buche, mit denen Rang acht belegt wurde. „Darüber ärgere ich mich natürlich maßlos“, haderte Kastens damals. Heute sagt er: „Da war ich am Höhepunkt meiner Leistung.“ Schießt Kastens, der nur als Jugendlicher einmal Schützenkönig war, Luftgewehr und KK 3x20 für Etzhorn, so holte er die Schützen für Liegend nach Okel. Zu seinen Mannschaftskameraden zählen beziehungsweise zählten unter anderem Uwe Kruse, Heinrich Landwehr, Rolf Beneke, Günther Langer und Jürgen Harzmeier.

Rang fünf bei der DM war aber nur einer von vielen Höhepunkten in der Sportler-Laufbahn des Okelers. Kurt Kastens, der als Junge beim SV Osterholz zum Schießen kam und 1964 auf Anhieb Luftgewehr-Kreismeister wurde, kann eine Maxi-Sammlung an Medaillen, Pokalen und Urkunden aufweisen. Auf Landesebene – hauptsächlich bei Starts für Etzhorn und Okel – errang er vier Gold- und zwei Silbermedaillen und kam in der Einzelwertung einmal auf Rang drei. Mit der Mannschaft schlagen je fünf Gold- und Silber- sowie elf Bronzeauszeichnungen zu Buche. Schachtelweise hat Kastens seine Medaillen – auch von Erfolgen auf Kreis- und Bezirksebene – in einem wohnlich eingerichteten Kellerraum verstaut. In Ordnern sammelt er Urkunden und Zeitungsartikel. Zwei Dokumente weisen den Okeler sogar als Landesrekord-Halter aus.

Seinen Feinschliff erhielt Kastens von 1967 bis 1969, als er dem Jugend-Kader des Nordwestdeutschen Schützenbundes (NWDSB) angehörte und von Peter Klingner – er ist der Bruder des Olympiasiegers Bernd Klingner – trainiert wurde. „Da habe ich auch Werner Fredehorst kennengelernt, doch mit der Etzhorner Altersmannschaft fing alles erst 2001 an“, berichtet der Okeler. In der Zeit danach kam Kastens auf 18 Starts in München und fünf in Dortmund, wo aufgelegt mit dem Luftgewehr der Meister ermittelt wird. In der Disziplin Kleinkaliber-Auflage 50 Meter qualifizierte er sich außerdem ein einziges Mal für die DM in Hannover. Das ist aber nicht alles, denn als Osterholzer Jugendlicher war er 1966 und zwei Jahre später auf Bundesebene gestartet. Dieser Wettbewerb fand damals noch in Wiesbaden statt.

Der Sportschütze Kastens findet die Tradition im Schützenwesen ebenso wichtig wie den Sport. „Tradition muss sein, sonst haben wir keine Mitglieder. Bei uns um Okeler Vereine mit rund 300 Mitgliedern nehmen etwa 60 die Gewehre in die Hand, die anderen sind dabei, weil sie dazugehören wollen“, erklärt er. Auflage-Schießen hat der vielseitige und bescheidene Sportler schon lange mitgemacht. „Anfangs als Beilage, aber in Zukunft könnte es zum Standard werden“, glaubt Kastens. Zurzeit ruht aber auch in Okel wie bundesweit der Amateursport. Und das bedauert der Okeler sehr: „Nach dem ersten Lockdown habe ich noch in Etzhorn und in Hoyerhagen, wo ich in der Bezirksligamannschaft schieße, trainiert.“ Doch das geht derzeit auch nicht. „Wenn man ewig so ein Hobby hat, dann vermisst man schon das Schießen“, fügt er an.

Aber nicht nur bei den Schützen, sondern auch im Turn- und Sportverein Okel hatte der vielseitige Kurt Kastens seine Finger im Spiel. Von 1993 war er zwei Jahre lang 2. Vorsitzender und rückte dann bis 2009 an die Spitze, weil der bisherige Vorsitzende aus beruflichen Gründen aufgehört hatte. „1993 bin ich da so reingerutscht,“ erinnert er sich.

„Der Zusammenhalt war damals sehr groß, weil es nicht so viele Auswärtige gegeben hat. Weil die Mitgliederzahlen stetig hoch waren – 2009 hatten wir bei 1200 Einwohnern 650 Mitglieder – wurde die Halle gebaut. Gerne erinnere ich mich an das 75-jährige Jubiläum, weil so viel Eingeladene gekommen sind“, sagt Kastens. „Bei unserer neuen Flutlichtanlage mussten wir pro Mast acht Kubikmeter Beton verwenden. Das war Wahnsinn“, erinnert er sich. Ein Negativerlebnis war die Planung zur Vergrößerung der Sporthalle. „Es gab vage Zusagen, die nicht gehalten wurden. Das war 2006/07“, erzählt der Ex-Vorsitzende. Doch es kam schließlich anders und so, wie die Halle heutzutage für den Sportbetrieb genutzt werden kann.

Hat Kastens schon Badminton versucht und mit der ehemaligen Wandergruppe des TSV zum Beispiel in der Schweiz den Aletschgletscher besucht, so gehört er jetzt immer noch zu den „Pedalpettern“. „Weil es Spaß in der Gruppe gibt und man sich auspowern kann“, sagt er. Im Sommer fahren die Radler immer donnerstags durch die Gegend. 25 bis 40 Kilometer lang sind die Touren – je nachdem wann es dunkel wird. Kastens unterstützt Hans-Heinrich Schröder bei der Leitung der Gruppe.

International unterwegs ist der Rentner aus Okel mit dem Lkw, denn bereits 18-mal hat er für den Freundeskreis Weyhe den Hilfs-Transport zur Partnerstadt in Madona in Lettland gefahren. „Das Wichtigste ist das Zusammenholen der Sachen mit Pkw-Anhängern“, weiß Kastens. Aber das geht aufgrund der Corona-Beschränkungen zurzeit auch nicht.

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