Fischereihafenrennen von Unfall überschattet

Schock und Trauer nach Massensturz in Bremerhaven

Ein tödlicher Rennunfall überschatte am Pfingstmontag das 59. Bremerhavener Fischereihafenrennen auf dem 2670 Meter langen Straßenkurs. Sechs Fahrer stürzten. Einer von ihnen starb.
18.05.2016, 00:00
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Schock und Trauer nach Massensturz in Bremerhaven

Rettungskräfte versorgen den Fahrer, der sich bei einem Massensturz so schwere Kopfverletzungen zugezogen hatte, dass er daran starb.

Volker Schmidt

Ein tödlicher Rennunfall überschatte am Pfingstmontag das 59. Bremerhavener Fischereihafenrennen auf dem 2670 Meter langen Straßenkurs. Sechs Fahrer stürzten. Einer von ihnen starb.

Während der Siegerehrung für die Gewinner der Klasse 2 (Fishtown Twins & Triples) um 11:15 Uhr ereignete sich Sekunden nach dem Start der Klasse 8 (Superbike Legends: Big Classics) der tragische Rennunfall, als ein langsames Motorrad von hinten angefahren wurde und es zu einem Massensturz mit sechs Maschinen kam. Dabei wurde ein 35-jähriger Pilot aus Bohmte bei Osnabrück von seiner Suzuki GSX-R 750 gerissen und von der nachfolgenden Maschine überrollt. Er zog sich dabei schwere Kopfverletzungen zu. Dem Fahrer, der minutenlang im Rettungswagen reanimiert und dann ins Klinikum Reinkenheide gefahren wurde, konnte nicht mehr geholfen werden.

Die Veranstaltung wurde nach einer fast zweistündigen Pause um kurz vor 13 Uhr mit den Klassen 3 (Fishtown Sidecars Classic) und 9 (Fishtown Sidecars / F2 + F3) fortgesetzt, da die Veranstalter, die German Road Race und die Motorsportgemeinschaft (MSG) Weserland, zunächst mitgeteilt hatten, dass alle Verletzten medizinisch versorgt seien.

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„Wir sind alle schockiert über das, was hier heute passiert ist und sprechen den Angehörigen und allen Beteiligten das Mitgefühl der Rennleitung und der MSG aus”, sagte MSG-Chef Hinrich Hinck, der die Strecke in den vergangenen Jahren immer sicherer gemacht hat. „Die Veranstaltung abzubrechen, obliegt ausschließlich der Rennleitung vom Deutschen Motor-Sport-Bund und nicht dem Veranstalter”, fügte Hinck hinzu. Erst nach dem letzten Rennen erfuhren die Zuschauer vom Tod des verunglückten Fahrers und waren bestürzt. Während viele Fans für einen Abbruch Verständnis gehabt hätten, waren andere Zuschauer der Meinung, dass der Unfall tragisch sei, aber zum Rennsport dazugehöre.

400 Rennfahrer aus mehreren Nationen zeigten den über 20 000 Zuschauern in elf Klassen Motorsport vom Feinsten. Das zweite Rennen der Königsklasse, (Fischtown Superbike Open, Klasse 1) gewann Thilo Günther (Bielefeld) auf seiner BMW S 1000 RR. Das erste Rennen musste nach dem tragischen Zwischenfall ebenso wie drei weitere Rennen aus Zeitgründen gestrichen werden.

Günther gewann auch das erste Rennen in der Klasse 2 vor Fritz Spenner aus Schwalmstadt und dem Midlumer Lukas Hansen, der ein glänzendes Debüt gab und Günther im zweiten Rennen auf seiner Honda VTR 1000 SP 2 besiegte. „Das war geil, hier zu gewinnen”, sagte Hansen, der in den vergangenen zwei Jahren aus Geldmangel pausieren musste, aber sich jetzt mit neuen Sponsoren auf die 60. Auflage dieser Veranstaltung in der Seestadt freut.

Der 33-jährige Stefan Merkens aus Düring stellte seine Vormachtstellung beim „Fischkisten-Rennen”, wie es liebevoll genannt wird, unter Beweis. Seit 2005 hat Merkens 29 Siege in verschiedenen Klassen eingefahren. Am Pfingstmontag gewann der Pilot beide Rennen in der Klasse 6 (Superbike Legends: The 80s) und das zweite Rennen in der Klasse 8.

Siegerehrung mit einer Motorsport-Legende: Egon Müller (rechts) ehrt Thilo Günther (Zweiter von links) und die Platzierten Fritz Spenner (links) und Lukas Hansen.

Siegerehrung mit einer Motorsport-Legende: Egon Müller (rechts) ehrt Thilo Günther (Zweiter von links) und die Platzierten Fritz Spenner (links) und Lukas Hansen.

Foto: Volker Schmidt

Über den Sieg in Klasse 9 freute sich das Gespann Ralf Ripken und Michael Glasser aus Bremen/Berne, das seit dem Jahr 2008 in Bremerhaven an den Start geht. „Wir waren heute besser aufgestellt als Otto Fischer und Martin Bier und haben verdient gewonnen. Die lange Unterbrechung hat an den Nerven gezerrt”, sagten beide unisono nach der Siegerehrung, die von Motorrad-Legende Egon Müller und Ulf Staschel aus Bremerhaven vorgenommen wurde. Das Duo hatte die Veranstaltung am Streckenrand kompetent moderiert und immer die richtigen Worte gefunden, auch in der langen Unfallpause.

„Das alte Kulturgut ist dank des Familienbetriebs Hinck noch am Leben. Das war heute ein tragischer Unfall, der im Rennsport jederzeit vorkommen kann”, sagte der 67-jährige Ex-Speedway-Weltmeister von 1983. Egon Müller, in seiner aktiven Zeit auch „Raketen-Müller” genannt, hatte in seiner außergewöhnlichen Karriere, in der er 785 Rennsiege gefeiert und 35 Bahnrekorde aufgestellt hat, in Folge von Stürzen etwa 70 Mal Knochenbrüche einstecken müssen.

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