Schützen

Schießsport legt Pause ein

Aufgrund der Corona-Pandemie fällt die Saison für die Teams der 1. und 2. Bundesliga Luftgewehr sowie Luftpistole aus.
29.09.2020, 15:02
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Schießsport legt Pause ein
Von Jürgen Juschkat

Bremen/Bassum. Bundesweite Enttäuschung bei den Sportschützen: Aufgrund der Corona-Pandemie setzen die 1. und 2. Bundesligen Luftgewehr (Start wäre am 11. Oktober gewesen) und Luftpistole (17. Oktober) in der kommenden Saison aus. Das hat der Liga-Ausschuss am Montag entschieden. Betroffen sind im Gewehrbereich aus unserer Region in der 1. LP-Bundesliga der SV Bassum von 1848 und in der 2. LP-Bundesliga der SV Haendorf sowie in der 2. LG-Bundesliga Nord der SV Bramstedt, SV Stuhr von 1912 und die Sportschützen (SpSch) Bremen.

Im Bereich des Nordwestdeutschen Schützenbundes (NWDSB) fragt man sich, was nunmehr mit den Verbandsligen passieren wird. Ligaleiter Jens Voß sagt dazu: „Wir wollen unseren Vereinen die Wettkämpfe bieten. Dabei wird es auch die Möglichkeit von Fernwettkämpfen geben.“

„Der Ligaausschuss des DSB hat die 1. und 2. Liga auch für mich überraschend abgesagt. Es war zwar eine kontroverse Diskussion, aber mit dem Ergebnis habe ich nicht wirklich gerechnet“, nahm Voß als Trainer des SV Bassum 1848 Stellung zum Aus. Bernd Cordes vom SV Haendorf hatte sich mit seinem Verein bei der Abfrage für eine Durchführung eingesetzt. „Mit dem vorliegenden Konzept hätten wir in Haendorf leben können“, sagte er.

Markus Schlenker, Mannschaftsführer des SV Möglingen aus der Luftgewehr-Südstaffel, hatte die Entscheidung via Facebook zeitnah veröffentlicht. Gegen 22 Uhr folgte am Montagabend die offizielle Nachricht des DSB über Facebook: „Der DSB-Ligaausschuss Luftgewehr/Luftpistole hat sich die entschieden, die Bundesliga-Saison 2020/21 abzusagen."

Das 15-köpfige DSB-Gremium votierte mit 10:5 für die Absage aufgrund der sich wieder zuspitzenden Corona-Lage. „Die 1. und 2. Bundesliga ist quasi eingefroren, das heißt, es gibt keinen Auf- und Abstieg. Und das wirkt sich natürlich auch auf die darunter liegenden Ligen aus, bei denen die Aufstiegsregelung ebenfalls ausgesetzt ist“, sagt Gerhard Furnier, DSB-Vizepräsident Sport und Ligaausschuss-Vorsitzender, zu den Auswirkungen.

Die Ausschuss-Sitzung verlief nach Aussagen Furniers sehr emotional und umkämpft. Das Votum war aber am Ende eindeutig und muss dann auch so akzeptiert werden. Vor allem folgende Aspekte rückten bei der Entscheidung in den Vordergrund: Die Vereine hatten Bedenken, dass ihre Schützen nach Auswärtsfahrten in eine längere Quarantäne müssten und dies negative Auswirkungen auf den beruflichen Alltag der Sportler hätte. Zudem wogen auch Reisebeschränkungen und Probleme von Unterbringungsmöglichkeiten schwer. Furniers Angebot und Idee, einen Fernwettkampf durchzuführen, wurde abgelehnt.

„Die Entscheidung ist ein herber Rückschlag für die Bundesliga und den Schießsport in Deutschland allgemein. Der DSB als basisdemokratischer Verband akzeptiert die Meinung der Vereine, die die Bundesliga am Leben erhalten. Es ist schade, dass mein Angebot zur Durchführung der Saison mit Fernwettkämpfen in begründeten Fällen keine Mehrheit gefunden hat. Ich bitte alle Vereine, die sich für die Durchführung vorbereitet hatten, um Verständnis“, fügte Furnier an.

Der Ligaausschuss ist aktuell mit 15 Personen besetzt und wird von Vizepräsident Gerhard Furnier geleitet. Dort sitzen fünf Ligaleiter (für die 1. Bundesliga sowie die fünf 2. Ligen), DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann sowie vier Vereins- und vier Aktiven-Vertreter für die Luftgewehr- und Luftpistolen-Bundesliga Nord und Süd in dem Gremium.

Nadine Riedemann, Sportleiterin beim SV Stuhr von 1912, sagt: „Wir haben für die Durchführung der Liga unter Einhaltung der vorhandenen Hygieneregeln plädiert. Für uns kommt die Absage überraschend. Wir finden das auch nicht gut. Persönlich hätte ich mir eine Durchführung der Liga gewünscht und sehe bis heute auch keine Schwierigkeiten darin, die vorhandenen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Andere Sportarten machen es uns sehr gut vor, wie es gehen kann.

Auch für das vom 5. bis 7. Februar 2021 geplante Bundesligafinale, das von Eichenlaub Saltendorf ausgerichtet werden sollte, gab es zwei Optionen: „Entweder wir schießen – wie geplant – in der Oberpfalzhalle Schwandorf oder wir wechseln in eine kostengünstigere Halle ohne Zuschauer“, so Gabelmann. Nunmehr musste der Sportdirektor von dieser Planung Abstand nehmen.

Seit der Saison 1997/98 wird alljährlich der Deutsche Mannschaftsmeister in der Luftgewehr- und Luftpistolen-Bundesliga ausgeschossen. Jeweils 24 Bundesligisten ermitteln mit dem Luftgewehr und mit der Luftpistole in einer Qualifikationsphase – in Nord- und Südstaffel getrennt – die besten acht Teams. Diese nehmen anschließend am großen Bundesligafinale teil und schießen in Viertel-, Halbfinals und Finals den Deutschen Mannschaftsmeister sowie die Medaillengewinner aus. An der Bundesliga haben immer die besten deutschen Sportschützen sowie einige der internationalen Weltstars teilgenommen. Das Publikumsinteresse war stets sehr groß, die Stimmung lautstark.

Unter der Bundesliga existieren in den Disziplinen Luftpistole und Luftgewehr jeweils fünf 2. Bundesligen, die im gleichen Modus ihre Wettbewerbe austragen wie die höchste deutsche Liga. Corona und der DSB haben das zur vorrübergehenden Makulatur werden lassen, denn die deutschen Bundesligen im Schießsport legen in der Saison 2020/21 eine Pause ein.

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