Doping Schumacher will Justiz-Marathon beenden

Heidelberg. Radprofi Stefan Schumacher will den Justiz- Marathon hinter sich lassen und schnell wieder Fuß im alten Metier fassen. Deshalb könnte sich der 28 Jahre alte Schwabe aus Nürtingen dafür entscheiden, auf den angedachten Gang vor das Schweizer Bundesgericht zu verzichten.
26.01.2010, 12:22
Lesedauer: 2 Min
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Heidelberg. Radprofi Stefan Schumacher will den Justiz- Marathon hinter sich lassen und schnell wieder Fuß im alten Metier fassen. Deshalb könnte sich der 28 Jahre alte Schwabe aus Nürtingen dafür entscheiden, auf den angedachten Gang vor das Schweizer Bundesgericht zu verzichten.

«Stefan muss den Blick jetzt nach vorne richten - er ist ein Sportler mit Leidenschaft. Er ist in Top-Form und hat ein hartes Wintertraining absolviert», sagte Schumachers Anwalt Michael Lehner der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der ehemalige Profi dürfte nach der durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS um sechs Monate verkürzten Dopingsperre vom 28. August 2010 an wieder Rennen fahren.

Lehner will nach dem Studium der 39-seitigen Urteilsbegründung in «zwei, drei Wochen» entscheiden, ob er nach dem Vorbild der dort allerdings gescheiterten Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein vor das Schweizer Bundesgericht zieht. Neben möglichen Schadenersatz-Forderungen müsse man aber «vor allem die Fortsetzung der Karriere im Blick» haben, meinte der Heidelberger Sportrechtler, der «aus dem Fall Danilo Hondo weiß», wie lange sich ein weiteres Verfahren ziehen könnte. Ohne Team und mit erheblich angeschlagener Reputation steht Schumacher, der bei der Tour de France 2008 und bei den Olympischen Spielen in Peking positiv auf das Blutdopingmittel CERA getestet worden war, ohnehin ein steiniger Weg bevor.

«Der CAS war sich wohl über die Dünnheit seiner Argumentation im Klaren. Deshalb wollten sie Stefan durch die Verkürzung der Strafe etwas 'Gutes' tun», sagte Lehner, der den Spruch der höchsten Sportinstanz in Lausanne als Teilerfolg wertete. Sein Hauptargument in der Anhörung am 4. November 2009 war die fehlende Zulassung der Testverfahren, die zur positiven A-Probe geführt hatten.

Am 9. Oktober waren die Ergebnisse von Tour-Nachtests bekanntgeworden, die die Französische Anti-Doping-Agentur AFLD hatte vornehmen lassen. Bei Schumacher und seinem - geständigen - Teamkollegen Bernhard Kohl wurde dabei in der A-Probe CERA nachgewiesen. «Die hatten da einfach bei Gerolsteiner zwei Leute rausgepickt und die anderen liegen gelassen», meinte Lehner.

Die AFLD hatte Schumacher, der vor zwei Jahren in Frankreich überraschend beide Tour-Zeitfahren gewann und zwei Tage das Gelbe Trikot trug, am 19. Februar vergangenen Jahres gesperrt. Wenig später bestätigte der Weltverband UCI die Sperre aus Frankreich und verhängte ein weltweites Fahrverbot bis zum 21. Januar 2011. Mit dem unerwarteten CAS-Urteil machte die Kammer von seiner Möglichkeit Gebrauch, eine Sperre bis zum Zeitpunkt der Probenentnahme zurückzuverlegen.

Theoretisch könnte Schumacher bei der Straßen-WM im australischen Geelong (29. September bis 3. Oktober) starten. Die Chancen sind aber wohl sehr gering. Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), bezeichnete dies bei «Spiegel online» als «absurden Gedanken». (dpa)

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