Schwimmen Schwimmtrainer Warnatzsch: Eine deutsche Karriere

Berlin. Der Weg von Norbert Warnatzsch zeigt viele Facetten nationaler Sportgeschichte. Der erfolgreiche deutsche Schwimmtrainer erlebte Höhen und Tiefen in gleich zwei Systemen.
16.01.2012, 09:31
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Berlin. Der Weg von Norbert Warnatzsch zeigt viele Facetten nationaler Sportgeschichte. Der erfolgreiche deutsche Schwimmtrainer erlebte Höhen und Tiefen in gleich zwei Systemen.

Jörg Woithe 1980 und Britta Steffen 28 Jahre später führte er zu Olympiasiegen, erlebte mit Franziska van Almsick Aufs und Abs. Deutschlands Wiedervereinigung bedeutete auch eine Zäsur in der Vita von Warnatzsch, der an diesem Montag seinen 65. Geburtstag feiert. "Ich habe die Wende so erlebt, dass man mich nicht wollte. Dass man gesagt hat: mit dir nicht. Und dann bin ich halt weggegangen", blickt er ohne große Emotion zurück. "Ich bin da nicht verbittert. Es war halt so", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Auch wenn es schwierig war. Denn nach der Wende leistete er von 1991 an anderthalb Jahre Aufbauarbeit als Cheftrainer in Indonesien - ohne ein Wort Englisch zu sprechen. "Es war eine harte Zeit für mich, weil ich allein hinging, aber ich möchte die Zeit nicht missen."

Zurück in Deutschland fand er dann bei der SG Neukölln eine sportliche Heimat. Die junge Franziska van Almsick ging durch seine Hände und kehrte 2001 für ihr großes Olympia-Ziel zurück. Mit ihr und Britta Steffen sind die absoluten Höhen und Tiefen im sportlichen Wirken von Warnatzsch verbunden. 2002 schwamm van Almsick bei der EM in Berlin Weltrekord, zwei Jahre später scheiterte sie einmal mehr an ihrem Olympia-Traum(a). Steffen hielt dem immensen Druck vier Jahre später stand und holte anders als "Franzi" die ersehnten Olympiasiege. Im Juli 2011 erlebte sie dann ihr WM-Debakel, reiste vorzeitig aus Shanghai ab.

Während beider Tiefpunkte stellte sich Warnatzsch vor seine Sportlerinnen und übernahm die Verantwortung. "Bei Misserfolgen frage ich zuerst: Was hätte der Trainer anders machen können?" Der "Perfektionist" (Warnatzsch) ist eine Vaterfigur für sein Team. "Man muss aufpassen, dass man wach bleibt, streng, aber gütig. Der Papa schimpft manchmal, aber das Kind schimpft manchmal auch", sagt der Coach, der mit 22 Jahren Nachwuchstrainer beim SC Dynamo Berlin wurde. Dort betreute er auch die spätere Olympiasiegerin Barbara Krause, von 1976 bis 1988 das Männer-Nationalteam.

Mit Steffen besteht eine harmonische, fast schon symbiotische Zusammenarbeit. "Wir haben uns jedoch geschworen, immer kritisch zu bleiben und alle eventuellen Probleme sachlich und kameradschaftlich zu behandeln", sagt Steffens wichtigste Bezugsperson neben Freund Paul Biedermann, ihrer Familie und Psychologin Friederike Janofske. In London soll Steffens olympische Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden, 2014 würde Warnatzsch gerne mit ihr noch die Heim-EM in Berlin erleben.

Nach außen hin gelassen nimmt er zurückliegende Doping-Vorwürfe - ein Verfahren wurde 1997 wegen Geringfügigkeit eingestellt - und Fragen zu einer Stasi-Historie hin. "Die Situation ist doch die, dass meine Vergangenheit offen liegt. Das ist doch bekannt. Ich habe nie irgendwas verheimlicht." Als angestellter Trainer beim Club Dynamo Berlin, der dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt war, wurde er automatisch in die Stasi-Hierarchie eingeordnet und hatte zuletzt den Rang eines Majors inne.

Er habe aber nie jemandem geschadet, sagt Warnatzsch, den am meisten Angriffe auf seine Athleten stören. "Das ist für meine Begriffe das Letzte. Wir haben ja nun alles gemacht, was nötig ist: Nachweise geführt, Blutprofile", sagt er und wird immer noch emotional, wenn er auf die Doping-Verdächtigungen gegenüber Britta Steffen bei der WM 2007 angesprochen wird.

Ernster wird seine Miene auch, wenn er zum Rentnerdasein gefragt wird. "Ich fühle mich nicht so, dass ich das herbeisehne. Ich genieße es, mit jungen, intelligenten Leuten zusammenzuarbeiten." Seinen 65. Geburtstag wird er im Höhentrainingslager in der spanischen Sierra Nevada feiern und dort Trainer und Athleten zum Essen einladen. (dpa)

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