Formel 1

Sebastian Vettels Triumph in Melbourne

Beim Saisonauftakt in Melbourne konnte Sebastian Vettel endlich wieder triumphieren. Damit weckt er die Hoffnung auf eine spannende Formel-1-Saison.
26.03.2017, 19:50
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Von Karin Sturm
Sebastian Vettels Triumph in Melbourne

So geht Duschen heute: Sebastian Vettel, Sieger in Melbourne.

AZUBEL/EPA/REX/Shutterstock

Beim Saisonauftakt in Melbourne konnte Sebastian Vettel endlich wieder triumphieren. Damit weckt er die Hoffnung auf eine spannende Formel-1-Saison.

Sebastian Vettel lief vor der Siegerehrung gleich zweimal zu seinem wartenden Team, um möglichst alle zu umarmen. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene weinte vor Freude. Szenen, die zeigten, welche Last an diesem Tag von der Ferrari-Mannschaft abfiel. Nach dem Katastrophenjahr 2016 ohne Sieg feierte sie den Triumph für Vettel beim Saisonauftakt in Melbourne wie eine Erlösung. Ferrari bestätigte die guten Testergebnisse, ließ Mercedes hinter sich, überzeugte mit einer optimalen Strategie – und wurde umjubelt von den Fans, die schon eine Runde vor Rennende im Gefühl des Sieges ihre Hymnen anstimmten.

„Das war unglaublich heute“, sagte Vettel. „Vor allem am Ende, als die Leute mit den Ferrari-Flaggen auf die Strecke kamen.“ Dass die Fans dahin kamen, überraschte den Sieger selbst, denn sie strömten schon auf den Kurs, als die Autos noch auf der Auslaufrunde waren. Da hatte wohl jemand im Bemühen um die neue Fannähe der Formel 1 die Tore ein bisschen zu früh geöffnet. Und das im Albert Park, wo die Ordner sonst fast schon hysterisch werden, wenn man auf dem Weg vom Fahrerlager zum Parkplatz an einer nicht dafür vorgesehenen Stelle ein Sträßchen überquert, auf dem vielleicht alle drei Minuten mal ein Pkw vorbeikommt.

Kein optimaler Start

Die Slalomfahrt durch die Menge ging aber für alle gut – und Vettel konnte sich unbeschwert freuen. „Das Auto läuft sehr gut. Es macht einfach richtig Spaß auf der Strecke”, sagte er. Vettel merkte allerdings an, es sei ein anstrengendes Rennen gewesen: „Mein Start war nicht ganz optimal, ich war ein bisschen nervös, und die Räder haben leicht durchgedreht. Ich musste mich sogar gegen Valtteri Bottas verteidigen.” Dann aber habe er gemerkt, dass er an Hamilton dranbleiben kann, so Vettel. Am Ende besiegte er ihn.

Hamilton zeigte sich als guter Verlierer und sagte: „Wir hatten leider massive Probleme mit den Reifen heute. Ich musste einfach früher reinkommen, weil ich keinen Grip mehr hatte. Es war etwas unglücklich, dass ich danach in den Verkehr geraten bin.” Vettels Sieg zeige, dass in dieser Saison ein enger Kampf um den Titel zu erwarten sei, prophezeite Hamilton: „Das wollten wir aber, und da freue ich mich schon drauf.“

Mercedes-Sportchef Toto Wolff hatte nach der entscheidenden Szene, als Vettel nach seinem Boxenstopp wieder vor Hamilton auf die Strecke gekommen war, in der Box zweimal enttäuscht mit der Faust auf den Tisch geschlagen. Er war sich im Nachhinein nicht so ganz sicher, ob der Stopp wirklich so früh notwendig gewesen war: „Aber Ferrari war heute einfach ein kleines bisschen schneller. Sie haben uns unter Druck gesetzt und uns am Ende auch gekriegt.“

Erster Triumph seit eineinhalb Jahren

Recht hatte aber auch Vettel, als er sagte: „Natürlich war es auch ein bisschen Glück für uns, dass Lewis nach seinem Stopp im Verkehr hinter Verstappen hängen geblieben ist.” Für dieses Glück, fügte Vettel an, habe Ferrari hart gearbeitet: „Denn wenn ich nicht so viel Druck auf Lewis gemacht hätte, dann hätte er nicht so früh reinkommen müssen, seinen Stopp noch ein paar Runden hinauszögern können. Und dann hätte sich diese Situation gar nicht erst ergeben.“ Dem viermaligen Weltmeister war anzumerken, wie viel Spaß ihm diese ersten knapp 20 Runden gemacht hatten, als er merkte, Hamilton und dem Silberpfeil Paroli bieten zu können: „Ich habe von Anfang an gemerkt, dass ich das Tempo mitgehen kann. Nach zehn Runden hat er dann noch einmal angezogen, da war es nicht einfach dranzubleiben. Da musste ich schon ganz schön beißen, aber ich habe es geschafft.“

Vettel hat mit dem 43. Sieg seiner Karriere erst zum zweiten Mal überhaupt ein WM-Auftaktrennen gewonnen – 2011 schaffte er das ebenfalls in Australien. Es war sein erster Triumph seit eineinhalb Jahren, seit Singapur 2015. Zum ersten Mal seit dem WM-Finale 2013 in Abu Dhabi führt er wieder die Fahrerwertung an, erstmals seit damals liegt außerdem kein Mercedes-Fahrer mehr ganz vorne. Für Ferrari ist es der erste Sieg in einem WM-Auftaktrennen seit Bahrain 2010, die erste WM-Führung seit Japan 2012 – damals durch Fernando Alonso.

Aber Mercedes wird sicherlich in der Lage sein zurückzuschlagen. Nicht nur, weil Niki Lauda sagte: „So ein Ergebnis gleich zu Saisonbeginn ist mir eigentlich sogar ganz recht. Denn dann wachen alle sofort endgültig auf, wissen, dass sie sich noch mehr ins Zeug legen müssen.“ Dazu kommt, dass Melbourne nicht die repräsentativste aller Strecken ist. Eine Garantie, dass Ferrari auch überall anders auf diesem Niveau fahren kann, gibt es noch nicht. Aber die Hoffnung, dass es tatsächlich eine spannende Saison mit einem WM-Duell zwischen Hamilton und Vettel wird, die ist da.

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