Fußball-Kreisliga Seibel ist der Topstürmer in Harpstedt

Harpstedt. Roman Seibel vom Harpstedter TB hat in drei Kreisliga-Spielen schon sieben Treffer erzielt. Der Torjäger ist eigentlich "gelernter" Verteidiger und ist mit 22 Saisontoren letzte Saison entscheidend für den Aufstieg gewesen.
19.08.2011, 05:00
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Von Daniel Cottäus

Harpstedt. Es war schon ein komisches Bild, das sich Marc Wulferding vor einigen Jahren Tag für Tag bot. "Wann immer ich am Sportplatz vorbeigefahren bin, war da dieser Junge mit seinem Fußball und hat trainiert - alleine, wohlgemerkt", erinnert sich der Coach des Harpstedter TB - der damals freilich noch nicht ahnen konnte, dass er täglich an seinem künftigen Top-Torjäger vorbeifährt. Heute gehört Roman Seibel fest zur Stammformation der Harpstedter Kreisliga-Elf, hatte in der vergangenen Spielzeit mit 22 Saisontoren in der 1. Kreisklasse maßgeblichen Anteil am Aufstieg seines Teams - und macht nun da weiter, wo er vor der Sommerpause aufgehört hat: Nach nur drei Spielen kommt der 20-Jährige schon wieder auf sieben (!) Treffer, war zudem vier Mal im Pokal erfolgreich - und das, obwohl er eigentlich Verteidiger "gelernt" hat.

"Er spielt bei uns erst seit dem Herrenbereich im Sturm", schmunzelt Wulferding, der - wenn man so will - als Entdecker des Angreifers Seibel gilt. "Ich habe ihn einfach mal vorne eingesetzt und bin dafür anfangs noch belächelt worden", erinnert sich der Trainer, der sich heute wohl keine Sticheleien ob der taktischen Umstellung mehr anhören muss. Seibels beeindruckenden Zahlen sprechen schließlich für sich. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass im Laufe der Saison noch einige Tore dazu kommen, hoch. "Dabei darf man nicht vergessen: Roman spielt erst sein zweites Jahr im Herrenbereich", betont Wulferding nicht ohne Stolz.

Seibel selbst, der, wenn er nicht gerade gegnerische Abwehrreihen in Angst und Schrecken versetzt, eine Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker absolviert, hat keine wirkliche Erklärung für seine Qualitäten vor dem Tor: "Augen zu und durch", schmunzelt der Harpstedter - und ergänzt: "Ich weiß es auch nicht. Im Sturm habe ich einfach großen Spaß. Irgendwie funktioniert es dann ganz gut." Die Einschätzung seines Trainers klingt da schon analytischer: "Roman ist ein wahrer Torjäger. Er ist sehr agil, bewegt sich viel und hat einen großen Vorteil: seine Schnelligkeit. Auf diese Weise erarbeitet er sich sehr viele Chancen", erklärt Wulferding - will seinen Stürmer aber auch nicht völlig unkritisiert lassen: "Er braucht eben auch die ein oder andere Gelegenheit, bis er trifft. Wenn er daran arbeitet, jubeln wir bald vielleicht noch öfter."

Dass es für einen Stürmer auch Zeiten gibt, in denen der Ball partout nicht ins Tor will, hat Seibel in der vergangenen Saison in der 1. Kreisklasse am eigenen Leib erfahren. Von seinen 22 Toren erzielte er 18 in der Hinrunde und lediglich vier nach der Winterpause. "Da habe ich irgendwie den Kopf nicht mehr richtig frei gehabt. Vielleicht war ich auch etwas überspielt", sucht Seibel nach einer Begründung. Woran es auch immer gelegen haben mag - die Durststrecke hat der Torjäger in jedem Fall hinter sich gebracht und steht nach drei Siegen in den ersten drei Spielen mit seinem Team an der Tabellenspitze.

Dafür, dass Seibel damals überhaupt beim Harpstedter TB gelandet ist, ist laut Wulferding Dieter Bunzel verantwortlich. Der damalige C-Jugendtrainer des Vereins habe den "einsamen Fußball-Jungen" auf dem Sportplatz eines Tages angesprochen und gefragt, ob dieser sich nicht dem Verein anschließen wolle. Seibel wollte - und lief ab der C-Jugend vornehmlich als Innenverteidiger für den HTB auf. "Ich war nie Stürmer, sondern Abwehrspieler. Das hat mir auch Spaß gemacht", betont Seibel, der den Eindruck macht, als würde er jede Position spielen - Hauptsache: Fußball. "Ein Tag ohne Ball? Das geht wirklich überhaupt nicht", betont der Stürmer, der in Zukunft auch das Interesse des ein oder anderen höherklassigen Clubs wecken könnte.

"Ich denke, Roman ist sehr bodenständig und fühlt sich wohl bei uns. Aber klar, es kann sein, dass er irgendwann mal höher spielen möchte - das Potenzial dazu hat er jedenfalls", weiß Wulferding, hofft aber natürlich, dass ihm sein Stürmer noch möglichst lange erhalten bleibt. Seibel selbst denkt derzeit auch überhaupt gar nicht daran, "seinen" Verein zu verlassen. "Ich möchte zwar schon später mal höher spielen als in der Kreisliga - aber zusammen mit meiner Mannschaft. Über einen Wechsel habe ich mir noch nie Gedanken gemacht", lautet sein Bekenntnis zum Harpstedter TB. Eine Treue, die sicherlich auch daher rührt, dass der Angreifer im Spiel seines Teams eine zentrale Rolle einnimmt, viele Aktionen auf ihn zugeschnitten ablaufen. "Meine Mitspieler setzen mich immer gut in Szene, sodass ich glänzen kann", will Seibel nicht als Alleinverantwortlicher für den aktuellen Harpstedter Höhenflug herhalten.

Alles dafür tun, dass es mit der Siegesserie des Aufsteigers möglichst lange weitergeht, will der Erste der Torjägerliste natürlich schon - und hat schon heute Abend dazu Gelegenheit. Ab 19.30 Uhr ist der Tabellenzweite - die Reserve des TuS Heidkrug - zum Kreisliga-Spitzenspiel an der Schulstraße in Harpstedt zu Gast. Auch die Delmenhorster haben nach drei Spielen die Maximalausbeute von neun Punkten auf dem Konto. "Das wird für uns eine ganz schwere Aufgabe", ist sich Seibel sicher. Allzu viel Respekt vor dem Gegner hat der Stürmer, dessen Selbstvertrauen derzeit verständlicherweise groß ist, allerdings nicht: "Okay, schwer wird es - aber auch machbar. Ob wir gewinnen oder nicht, liegt am Ende ja nicht nur an mir - aber eben auch."

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