Tennis Serena triumphiert - Henin hat das Lachen gelernt

Melbourne. Es hat lange gedauert, bis Justine Henin das Lachen wieder gelernt hat. In ihrem Sport war sie die Nummer eins, doch als die Ehe zerbrach, kreisten ihre Gedanken nur noch um Tennis. Es war wie eine Flucht vor der Realität - und es wurde ihr mehr und mehr bewusst. «Ich musste Abstand gewinnen und wieder lernen, dass es ein Leben neben dem Tennis gibt», sagte die 27-Jährige in Melbourne bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier nach 20-monatiger Auszeit. Sie hat es geschafft und die Welt hat es gesehen, als sie mit 4:6, 6:3, 2:6 gegen Titelverteidigerin Serena Williams im Finale der Australian Open verlor - und trotzdem lachen konnte.
31.01.2010, 12:44
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Melbourne. Es hat lange gedauert, bis Justine Henin das Lachen wieder gelernt hat. In ihrem Sport war sie die Nummer eins, doch als die Ehe zerbrach, kreisten ihre Gedanken nur noch um Tennis. Es war wie eine Flucht vor der Realität - und es wurde ihr mehr und mehr bewusst. «Ich musste Abstand gewinnen und wieder lernen, dass es ein Leben neben dem Tennis gibt», sagte die 27-Jährige in Melbourne bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier nach 20-monatiger Auszeit. Sie hat es geschafft und die Welt hat es gesehen, als sie mit 4:6, 6:3, 2:6 gegen Titelverteidigerin Serena Williams im Finale der Australian Open verlor - und trotzdem lachen konnte.

«Natürlich ist es enttäuschend, wenn man ein Major-Finale verliert, zumal auf diese Weise. Aber das alles kann die großartigen Eindrücke der letzten zwei Wochen nicht trüben», sagte die zierliche Belgierin. Schon auf dem Weg durch die Katakomben der Rod-Laver-Arena war die neue Justine unverkennbar. «Sie war noch nie so relaxt; die Pause hat ihr gut getan», sagte die einstige Tennisgröße Tracy Austin. Statt mit versteinerter Miene wie früher betrat sie den Platz mit leuchtenden Augen, gelöst lächelnd. Den Balljungen, der ihr den üblichen Strauß Blumen übergab, herzte sie sogar.

«Ich habe in den letzten Tagen viel gelernt und jeden Moment genossen», sagte die Wallonin. Mit ihrer kämpferischen und beherzten Art hat sie sich sofort wieder in die Herzen der Zuschauer gespielt. «Es war sehr wichtig für mich, zu merken, dass die Fans es freut, dass ich zurück bin. Jetzt weiß ich, es war die genau richtige Entscheidung», sagte Henin und wieder lächelte sie.

Viel hat nicht gefehlt und ihr wäre ein Comeback gelungen wie Kim Clijsters, die im Sommer 2009 nach langer Pause zurückkam und sofort die US Open gewann. Henin stand in Melbourne die bärenstarke Serena Williams im Weg, die nicht gewillt war, ihren fünften Melbourne-Sieg herzugeben. Als erster Spielerin seit Jennifer Capriati 2002 ist es der 28-Jährigen gelungen, den Titel bei den Australian Open zu verteidigen. Danach sah es eine ganze Weile allerdings nicht aus. Nach einer 4:1-Führung gleich zu Beginn hielt der Schlendrian Einzug und sie gab 15 Punkte am Stück ab. «Waren es wirklich so viele?» fragte sie und gab sich gleich selbst die Antwort: «Cool.»

Die Antwort auf dem Platz war immer gleich: Wenn Justine Henin drohte, sie an die Wand zu spielen, packte die an Oberschenkel, Wade und Handgelenk bandagierte Amerikanerin ihre besten Schläge aus. Oder hämmerte ein Ass - zwölf waren es an der Zahl, Henin schlug vier. Wie Billie Jean King hat die jüngere der Williams-Schwestern nun zwölf Grand-Slam-Siege. «Es ist toll, mit ihr auf einer Stufe zu stehen», sagte Serena Williams, die in Melbourne Steffi Graf überholt hat, die wie Monica Seles und Evonne Goolagong Cawley viermal gewonnen hatte.

Zur Feier des Tages wolle sie sich einen Film anschauen mit Schwester Venus, mit der sie den Doppel-Titel geholt hat, sagte die mit mehr als 30 Millionen Dollar Preisgeld reichste Tennisspielerin. Dass sie erstaunt gewesen sei, wie stark Justine Henin schon wieder sei, wollte sie aber schnell noch sagen. «Als sie aufhörte, war sie schon exzellent. Aber jetzt kann sie noch mehr. Schon am Jahresende kann sie wieder ganz oben stehen», meinte die aktuelle Nummer eins.

«Nein, nein», meinte Henin. «Daran denke ich noch gar nicht. Ich muss noch sehr viel und sehr hart arbeiten. Aber das werde ich tun.» Die Rückkehr auf den Tennisplatz ist ihr schon jetzt mit Bravour gelungen. Zwei Turniere gespielt und zweimal im Finale gestanden - das spricht für sich. Das wichtigste aber sei nicht der sportliche Erfolg, der Ruhm und der Reichtum. «Ich bin wieder bereit zu leben», betonte Justine Henin, «an guten wie an schlechten Tagen.» (dpa)

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