Vancouver Silber-Debüt von Neuner - Hoffen auf «Partner»

Whistler. Bei der Siegerehrung im Regen von Whistler hätte Magdalena Neuner beinahe geheult, später beim Essen erfüllte sich endlich auch noch der Wunsch nach einem Treffen mit den geliebten Eltern.
14.02.2010, 21:41
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Whistler. Bei der Siegerehrung im Regen von Whistler hätte Magdalena Neuner beinahe geheult, später beim Essen erfüllte sich endlich auch noch der Wunsch nach einem Treffen mit den geliebten Eltern.

«Wir haben Kaiserschmarrn gegessen. Außerdem gab es verspätete Geburtstagsgeschenke», sagte der mit Sprint-Silber dekorierte Biathlon-Star. Und als ihre fast perfekte Olympia-Premiere mit dem typischen Stress der ersten deutschen Medaillengewinnerin zu Ende war, hatte sie nur noch einen Wunsch: «Ab ins Bett. Dann kehrt Ruhe ein.»

Doch die Nacht war kurz, schon am Morgen standen die nächsten Interviews auf dem Programm. «Ich hätte gerne noch ein paar Stunden länger geschlafen», bekannte die 23-Jährige. Dennoch schlug Neuner nach wenigen Stunden Schlaf vergnügt die Augen auf. «Es ist ein schönes Gefühl, wenn man aufwacht und die Medaille daliegt», meinte die Wallgauerin.

Im stillen Kämmerlein wollte Neuner zuvor «die Medaille nochmal in der Hand halten und wirklich verstehen, was passiert ist.» Nach ihrem zweiten Platz im 7,5-Kilometer-Rennen sagte die bayerische Frohnatur: «Ich bin stolz auf mich. Das ist ein Traum.» Überraschungs-Olympiasiegerin wurde Anastasiya Kuzmina. Die gebürtige Russin holte das erste Gold bei Winterspielen für die Slowakei überhaupt.

Nur 1,5 Sekunden fehlten Neuner zu Platz eins - «nicht sehr viel für den Verfolger. Ich weiß, dass die Goldmedaille zum Greifen nahe ist», sagte die sechsmalige Weltmeisterin vor dem zweiten Rennen am Dienstag. «Ich denke, dass meine Medaille einen ganz, ganz schönen Platz bekommt und hoffe, dass sie nicht ganz alleine sein muss, dass sie vielleicht einen Partner oder eine Partnerin bekommt in einer anderen Farbe.»

Während Neuner tatsächlich von weiteren Podestplätzen träumen darf, erlebten neben den hoch favorisierten Schwedinnen auch die übrigen deutschen Athletinnen einen Fehlstart. Simone Hauswald (26.), Andrea Henkel (27.) und Kati Wilhelm (30.) schlichen bedröppelt von dannen.

Neuner beschrieb hingegen ihre Gefühle bei der Siegerehrung mit einem Lächeln auf den Lippen: «Auf einmal bin ich dagestanden und habe diese Medaille in der Hand gehabt. Und dann habe ich die Fahne gesehen, und da habe ich gemerkt, davon habe ich wirklich geträumt, jahrelang, schon als Kind.» Sie gab zu: «Ich habe mich bemüht, nicht loszuheulen.»

Schließlich war ihr bewusst, dass sie gleich bei ihrem ersten Olympia-Start Großes geleistet hatte. «Mit einer Olympia-Medaille wird man schon auch so ein bisschen zur Legende.» Vier Tage nach ihrem 23. Geburtstag machte sie auch DOSB-Präsident Thomas Bach froh. «Das ist ein toller Auftakt für unser Team. Lena hat das fantastisch gemacht», schwärmte Deutschlands Ober-Olympier. «Vor Lenas Leistung kann man nur den Hut ziehen», ergänzte der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Vor dem Start hatte sich Neuner im Whistler Olympic Park mit klassischer Musik auf den Wettkampf eingestimmt, ganz locker wippte sie zu der nach ihrer Aussage «schrecklichen Musik» von einem Bein auf das andere. Von Anspannung vor ihrem ersten Olympia-Wettkampf war bei ihr keine Spur. «Ich habe mir keinen Druck gemacht und keinen von außen an mich herangelassen», verriet sie ihr Geheimnis für den Erfolg, der auch Bundestrainer Uwe Müssiggang jubeln ließ.

«Respekt, wenn man so etwas schon mit 23 Jahren kann», sagte der Erfolgscoach, für den es die 21. Olympia-Medaille war. «Die Erleichterung ist nicht nur groß, sie ist riesig», bekannte der Bundestrainer. «Man erwartet von uns Deutschen immer, dass wir vorne dabei sind, doch das ist nicht so einfach. Dieses Resultat nimmt viel Druck vom Team», erklärte der 58-Jährige.

Für Neuner war es nach einer enttäuschenden vergangenen Saison und einigen gesundheitlichen Rückschlägen in diesem Weltcup-Jahr auch eine große Genugtuung, die Rolle der Frontfrau im stark besetzten deutschen Team übernommen zu haben. «Das ist das Resultat harter Arbeit, vor allem im mentalen Bereich», berichtete sie. In der Vergangenheit oft als «Fahrkarten-Königin» am Schießstand verspottet, leistete sich Neuner bei ihrer Premiere unter den fünf Ringen nur einen Fehlschuss. «Das ist auch ein kleiner innerer Sieg.» (dpa)

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