Die Bewertungen der Schiedsrichter in den Handballverbänden Niedersachsen und Bremen müssen zurzeit ausgesetzt werden Software-Probleme sorgen für Verdruss

Die Leistungen von Handball-Schiedsrichtern werden regelmäßig bewertet. Beobachter des Verbandes geben ihre Einschätzungen ab, und auch die Vereine selbst können sich zur Leistung der Unparteiischen äußern. In der laufenden Saison ist das allerdings anders: Da ein entsprechendes Software-Modul noch fehlt, sind die Schiedsrichterbeobachtungen ausgesetzt worden – sehr zum Missfallen der Beobachteten.
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Software-Probleme sorgen für Verdruss
Von Christoph Bähr

Die Leistungen von Handball-Schiedsrichtern werden regelmäßig bewertet. Beobachter des Verbandes geben ihre Einschätzungen ab, und auch die Vereine selbst können sich zur Leistung der Unparteiischen äußern. In der laufenden Saison ist das allerdings anders: Da ein entsprechendes Software-Modul noch fehlt, sind die Schiedsrichterbeobachtungen ausgesetzt worden – sehr zum Missfallen der Beobachteten.

Niemand da, der einem auf die Finger schaut. Der die Leistung bewertet. Der schonungslos die Fehler auflistet. Man könnte meinen, dass sich die Handball-Schiedsrichter freuen, wenn sie bei ihren Einsätzen nicht unter die Lupe genommen werden, doch das Gegenteil ist der Fall. In der laufenden Saison haben der Handballverband Niedersachsen (HVN) und der Bremer Handballverband (BHV) die Beobachtungen der Unparteiischen ausgesetzt, weil das dafür notwendige Modul in der neuen Verwaltungssoftware nuLiga noch fehlt. Betroffen sind unter anderem die Ober- und Verbandsligen Nordsee. „Die Schiedsrichter sind deswegen sauer. Sie möchten wissen, was sie falsch machen“, schildert HVN-Schiedsrichterwart Hans-Jürgen Gottschlich.

Thomas Voigt von der HSG Hude/Falkenburg ist Koordinator für das Schiedsrichterwesen in der Handballregion Oldenburg (HRO) und pfeift Oberliga-Partien. Er pflichtet Gottschlich bei: „Für mich sind die Beobachtungen wertschätzend und zielführend.“ Zunächst einmal waren die Schiedsrichterbewertungen bis Mitte Oktober ausgesetzt worden, kürzlich verlängerte sich diese Frist bis Ende November.

Das Verwaltungsprogramm nuLiga nutzen der HVN und der BHV seit Saisonbeginn anstelle von SIS-Handball. „Insgesamt läuft es gut, einzig das Modul für die Schiedsrichterbeobachtungen funktioniert noch nicht“, bilanziert Detlef Teubner, stellvertretender Vorsitzender der HRO und dort für die nuLiga-Umstellung zuständig.

Die Firma nuDatenautomaten, von der nuLiga stammt, arbeite aktuell mit Hochdruck daran, diesen Missstand zu beheben, berichtet Gottschlich. „Von mir gibt es auch keinen Vorwurf deswegen“, betont er ausdrücklich. Fakt ist aber, dass durch das fehlende Modul diverse Probleme entstehen. „Die Qualitätskontrolle fehlt“, verdeutlicht Gottschlich das momentane Dilemma. Die Bewertungen der Schiedsrichter sorgen etwa dafür, dass gute Gespanne in eine höhere Liga aufsteigen und weniger gute Unparteiische entsprechend absteigen.

„Derzeit haben wir einen Knacks im System. Wir warten alle und schauen gespannt in Richtung Bodensee“, spielt Gottschlich auf den Sitz der Firma nuDatenautomaten im österreichischen Bregenz an. Auch Voigt betont: „Ich würde es begrüßen, wenn es möglichst bald wieder Beobachtungen gibt.“ Ob die Frist bis zum 31. November eingehalten werden kann, ist derzeit offen. Für den Fall, dass der anvisierte Termin platzt, existieren beim HVN bereits Notfallpläne. Sogar eine ganze Saison ohne Schiedsrichterbeobachtungen hat Hans-Jürgen Gottschlich im Kopf bereits durchgespielt. „Es gibt einen Plan B. Dann würden wir nur die Schiedsrichter beobachten, die aufsteigen wollen und daher Bewertungen brauchen“, erklärt er. Zudem würden auch jetzt schon junge Gespanne von Beobachtern betreut, die neu in einer Liga sind und Coaching benötigen.

Eine ganze Spielzeit ohne Schiedsrichterbeobachtungen wäre jedoch fatal, unterstreicht Gottschlich. Es gäbe kaum Auf- und Abstiege, kein Feedback für die Unparteiischen und auch keines für die Verbände. „Wir sehen schließlich durch die Beobachtungen, in welchen Bereichen es Aus- und Fortbildungen geben muss“, sagt der HVN-Schiedsrichterwart.

Wenn sich die Programmierung des nuLiga-Moduls weiter verzögern sollte, bliebe allerdings noch eine ganz und gar altmodische Möglichkeit: die Beobachtungen wie im Prä-Internet-Zeitalter auf Papier festhalten und per Post verschicken. „Das ist heute keinem mehr zumutbar“, betont Gottschlich. Bei allen Mitarbeitern, die sich um die Schiedsrichterbewertungen kümmern, handele es sich um Ehrenamtliche. „Die sind berufstätig und machen das in ihrer Freizeit. Für sie muss diese Tätigkeit so wenig Aufwand wie möglich bedeuten“, macht der Schiedsrichterwart deutlich.

Also bleibt Gottschlich nur das Warten. Betroffen sind übrigens nicht nur die Ober- und Verbandsliga, das Problem zieht sich durch bis in die unteren Spielklassen. Dort werden die Bewertungen der Unparteiischen schließlich auch per Computer festgehalten. Daher werde auch in der Handballregion Oldenburg derzeit nicht beobachtet, schildert Schiedsrichter-Koordinator Thomas Voigt. Das sei in diesem Bereich allerdings verkraftbar, „weil wir bekanntermaßen zu wenig leistungsorientierte Gespanne haben.“

Ebenfalls wegfallen müssen aktuell die Bewertungen, die die Vereine nach ihren Spielen für die Unparteiischen abgeben können. „Diese Beobachtungen sind immer ein wichtiges Feedback für uns“, sagt Schiedsrichter Voigt.

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