Nachgefragt: Lars Möhlenbrock über die 0:8-Pleite des FC Hude beim SV Brake und sein Trainerdasein „Solche Spiele gehören einfach dazu“

Herr Möhlenbrock, im ersten Punktspiel des Jahres kam Ihr Team beim vorläufigen Tabellenführer SV Brake mit 0:8 unter die Räder. Läuft schon ein Misstrauensvotum der Mannschaft gegen Sie?Lars Möhlenbrock: Das ist ein Running Gag bei uns mit zwei Augenzwinkern. Ich geh mal nicht davon aus (schmunzelt).
14.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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„Solche Spiele gehören einfach dazu“
Von Patrick Hilmes

Herr Möhlenbrock, im ersten Punktspiel des Jahres kam Ihr Team beim vorläufigen Tabellenführer SV Brake mit 0:8 unter die Räder. Läuft schon ein Misstrauensvotum der Mannschaft gegen Sie?

Lars Möhlenbrock: Das ist ein Running Gag bei uns mit zwei Augenzwinkern. Ich geh mal nicht davon aus (schmunzelt). Spaß beiseite, wir haben eine gute Vorbereitung gespielt, ich hatte im Schnitt 16 bis 17 Spieler beim Training. Ich denke, das spiegelt unsere gute Zusammenarbeit wider.

Und dennoch lief gegen Brake nichts zusammen...

Die Fehleranalyse ist eigentlich einfach. Die gesamte Abstimmung hat nicht gepasst. Sind wir vorne drauf gegangen, sind das Mittelfeld und die Abwehr nicht nachgerückt. Sind Mittelfeld und Abwehr aufgerückt, haben wir vorne nicht gestört. Dadurch haben wir Brake letztendlich zum Toreschießen eingeladen. Dazu kamen dann noch viele, viele individuelle Fehler. Da kann ich keinen rausnehmen, alle blieben deutlich unterm Durchschnitt.

Sie leiten eine Truppe, die über wenig Bezirksliga-Erfahrung verfügt. Verkraftet sie eine solche Klatsche schnell, oder wirft es sie wieder zurück?

Ich kenne die Jungs gut, die stecken solche Niederlagen schnell weg. In der Hinrunde gegen den VfL Oldenburg II hätten wir auch so hoch verlieren können, hätte der VfL sich nicht so schnell mit dem 4:0 zufriedengegeben. Da sind wir auch schnell wieder zurückgekommen.

Stecken Sie selbst solche Spiele auch so schnell weg?

Ich sehe da nicht so schwarz und habe keine Angst. Solche Spiele gehören angesichts der Erfahrung dazu. Nichtsdestotrotz muss natürlich analysiert werden, wie so etwas zustande kommen kann. Daraus muss dann ein Lerneffekt entstehen. Es wird aber nicht so sein, dass im Training nur noch gelaufen wird und die Jungs den Ball wochenlang nicht sehen. Ich bin mir sicher, es hat keiner absichtlich verloren.

Sehen Sie die Qualität in Ihrem Team als bezirksligatauglich an?

Ich denke, wir sind jetzt schon stark genug, um in der Liga zu bestehen. Klar: Entwickeln wir uns nicht weiter, spielen wir immer gegen den Abstieg. Aber das tun wir ja. Ein alter Hase hätte gegen Brake mal ein taktisches Foul begangen oder die Zweikämpfhärte angezogen. Aber das braucht halt alles Erfahrung, die kommt mit der Zeit.

Mit Ihren 29 Jahren sind Sie auch noch in dem Alter, selber auf dem Platz stehen zu können. Fehlt es Ihnen?

In solchen Spielen wie gegen Brake ja. Da will man zwischendurch schon mal selber drauf, alleine, um mit der Erfahrung weiterzuhelfen. Einen Tag nach dem Training sagt mir mein Körper aber immer, dass es die richtige Entscheidung war, jetzt an der Seite zu stehen (schmunzelt). Ich bin zwar noch nicht so alt, aber das jahrelange Fußballspielen plus Verletzungen wie Achillessehnenriss merkt man dann doch schon.

War es auch die richtige Entscheidung, den TuS Vielstedt zu verlassen?

Ja, das war es. Ich weiß, so etwas ist immer irgendwie eine egoistische Entscheidung. Aber in Hude hatte ich eine gute Ausgangsposition. Klar ist auch, dass in Vielstedt der eine oder andere enttäuscht war, aber manchmal läuft es einfach nicht so, wie man es geplant hat.

Sie haben in zwölf Spielen mit dem FC Hude 15 Punkte geholt, Ihr Vorgänger Steffen Janßen hatte die Mannschaft mit drei Zählern nach sechs Partien übergeben. Was machen Sie anders?

Steffen Janßen war beim VfL Oldenburg, als ich noch Spieler war, mein Co-Trainer. Aber dennoch kann ich das so gar nicht sagen. Ich versuche, mit den Jungs auf Augenhöhe zu arbeiten und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Das Schwierigste ist, den Spagat zwischen Spaß-Hobbyfußball und Ergebnis-Leistungsfußball zu finden. Die gravierendste Änderung war wohl, dass ich die dritte Trainingseinheit am Sonnabendmorgen eingeführt habe. Das war für manche ein kleiner Kulturschock. Aber das wurde gut angenommen, im Vergleich zu in der Woche ist der Trainingsschnitt teilweise sogar höher.

Und wie schaut es mit dem Spagat zwischen Freund und Chef aus? Immerhin kennen Sie einige Ihrer Spieler schon, seitdem Sie noch als Torhüter aktiv waren.

Als Spieler war ich auch schon immer jemand, der seine Mitspieler gefordert und in die Pflicht genommen hat. Daher war der Umstieg nicht so schwierig für mich. Es ist wichtig, dass es immer Spaß macht, da muss man auch nicht immer Trainer sein, manchmal redet man auch über private Dinge. Die Jungs wissen, dass sie mit allem zu mir kommen können.

Das Interview führte Patrick Hilmes.

Zur Person

Lars Möhlenbrock (29) ist Trainer des Fußball-Bezirksligisten FC Hude. Möhlenbrock kam vom TuS Vielstedt und übernahm den derzeit Tabellenzwölften zum siebten Spieltag der Hinrunde dieser Saison. Die Mannschaft hatte sich zuvor gegen Steffen Janßen ausgesprochen und so für dessen Entlassung gesorgt.
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