Werders tolle Serie reißt beim 3:4 in Köln, weil die Mannschaft nicht gut genug verteidigt Spektakel ohne Happy End

Köln. Anthony Modeste ist ein Bär von einem Mann. 1,87 Meter groß, 84 Kilogramm schwer.
06.05.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Lesch und Marc Hagedorn

Köln. Anthony Modeste ist ein Bär von einem Mann. 1,87 Meter groß, 84 Kilogramm schwer. 23 Tore hatte Kölns bester Torjäger vor dem Spiel gegen Werder geschossen. Aber macht Werder so etwas in diesen Tagen Angst? In diesen Wochen, in denen Werder neben vielen anderen Stärken auch eine nicht gekannte defensive Stabilität entwickelt hat? Eigentlich nicht. Doch als das Spiel 1. FC Köln gegen Werder Bremen beendet war, hatte Modeste seine Saisontore 24 und 25 erzielt, und eine Torvorlage war auch noch dazu gekommen. Was Werders Profis im Zweikampf auch versuchten, in der Luft oder am Boden, sie fanden kein Mittel, den Kölner Angreifer zu stoppen. Von der neuen Bremer Abwehrstärke war aber auch in anderen Szenen zu oft nichts zu sehen.

Modeste darf für sich nun in Anspruch nehmen, der Mann gewesen zu sein, der Werders Erfolgsserie beendet hat. Nach elf Spielen ohne Niederlage hat Werder wieder verloren, 3:4 (2:3) beim 1. FC Köln, der mit diesem Sieg in der Tabelle auch noch an den Bremern vorbeigezogen ist. Im Moment wäre Köln in der Europa League. Wenn Werder dort auch hin will, muss es aus den letzten beiden Saisonspielen gegen die Champions-League-Aspiranten Hoffenheim und Dortmund noch einige Punkte holen. „Wir wollen auch diese Spiele gewinnen“, sagte Trainer Alexander Nouri. Dann aber muss Werder defensiv wieder besser stehen.

Gegen den 1. FC Köln, dessen Trainer Peter Stöger vor dem Werder-Spiel offiziell den Angriff auf die Europapokalplätze ausgerufen hatte, boten die Bremer 30 Minuten lang eine unterirdische Leistung. Nach einer halben Stunde war der Gegner mehr gelaufen, hatte die wichtigen Zweikämpfe gewonnen und elfmal aufs Bremer Tor geschossen. Und Werder? War nicht einmal halbwegs gefährlich vors Kölner Tor gekommen. Das spiegelte sich zu dem Zeitpunkt verdientermaßen im Ergebnis wider: Köln führte mit 2:0. „Unerklärlich“ fand Fin Bartels die ersten 30 Bremer Minuten und das Ergebnis „völlig verdient“.

Beim 1:0 schafften es die Bremer nicht, den Ball im eigenen Fünfmeterraum zu klären, über Leonardo Bittencourt landete der Ball bei Anthony Modeste, der Köln mit 1:0 in Führung brachte (13.). Das Tor zementierte die ungleichen Kräfteverhältnisse. Bester Bremer war Torwart Felix Wiedwald, der mehrfach klärte. Und dann fiel doch sehr schnell das 0:2. Theo Gebre Selassie hatte sich den Ball von Lukas Klünter abjagen lassen. Klünter war es auch, der wunderbar von rechts flankte. Robert Bauer kam gegen Bittencourt zu spät (28.).

0:2 nach 30 Minuten – was zu Saisonbeginn der Auftakt zu einem Bremer Debakel gewesen wäre, führte jetzt: zu einer Bremer Trotzreaktion. Wenn man sich bei Werder zurzeit auf eines verlassen kann, dann darauf, dass diese Mannschaft nichts umwirft. Zweimal nahmen Bremer Angriffe ihren Ausgang bei Zlatko Junuzovic. Beim ersten Mal spielte er den Ball, den Thomas Delaney zuvor gegen Modeste erobert hatte, in den Lauf von Fin Bartels, der allein aufs Kölner Tor zusteuerte und den Ball an FC-­Torwart Timo Horn zum 1:2 vorbei spitzelte (34.). Sechs Minuten später warf Robert Bauer bei einem Einwurf den Ball zu Ju­nuzovic, und dessen ebenso scharfe wie ­präzise Hereingabe wuchtete Theo Gebre Selassie aus kurzer Distanz zum 2:2-Ausgleich ins Tor.

Nur vier Minuten später hätte Gebre Selassie nach Flanke von Bartels, der diesmal deutlich auffälliger spielte als sein kongenialer Sturmpartner Max Kruse, sogar das 3:2 machen können, verzog halb im Fliegen, halb im Fallen aber aus vier Metern. Dass das 3:2 dann doch noch fiel, nur auf der anderen Seite, lag an einem ganz schwachen Bremer Defensivverhalten. Nach einem Abstoß von Horn reichten zwei gewonnene Kopfballduelle von Bittencourt und Modeste, damit der Ball bei Simon Zoller landete, der ihn über Wiedwald hinweg ins Tor hob, ohne dass bei diesem Angriff - trotz Bremer Überzahl – ein Werderaner den Ball berührt hatte (44.). „Da haben wir uns nicht gut verhalten“, sagte Nouri.

Fünf Tore in einer Halbzeit, die Pause hatten sich in diesem intensiven und rasanten Spiel Zuschauer wie Spieler verdient. Besser erholt zeigten sich nach dem Wechsel die Kölner. Es waren noch keine zwei Minuten gespielt, da klärte Lamine Sané eine Flanke von Frederik Sörensen vor die Füße von Modeste, an dessen wuchtigen Schuss ins kurze Eck Wiedwald nicht mehr herankam – 4:2 (47.). So viele Gegentore hatte Werder zuletzt am dritten Spieltag kassiert. In Mönchengladbach, im letzten Spiel von Trainer Viktor Skripnik.

Doch Skripnik und der vermurkste Saisonstart sind längst Geschichte, und so schaffte es Werder tatsächlich ein weiteres Mal, sich ins Spiel zurückzukämpfen. Und wieder spielte der seit Wochen blendend aufgelegte Bartels eine entscheidende Rolle. Seine Mischung aus Schuss und Hereingabe verwertete der eingewechselte Serge Gnabry zum 3:4 (62.). „Wir haben alles gegeben, es war alles drin“, sagte Gnabry über die spannende Schlussphase.

Werder stürmte. Alexander Nouri brachte nun auch noch Florian Kainz und Claudio Pizarro, Köln konterte – aber der Ball landete außer bei einem Pizarro-Lupfer aus Abseitsposition nicht mehr im Tor. Werders großartige Serie hatte ihr Ende gefunden.

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