1899 Hoffenheim hat sein Image verbessert, steht in der Tabelle aber wieder unten / Wiese-Rückkehr trotz Torwartproblemen kein Thema Spektakulär, aber wenig erfolgreich

Zuzenhausen. Die Plakate in Hoffenheim sind nicht zu übersehen: „Dauerhaft mitfiebern“, steht im Dorf in großen Buchstaben zu lesen, die TSG 1899 Hoffenheim wirbt um neue Dauerkartenbesitzer. Beim Klub des Mäzens Dietmar Hopp spüren die Verantwortlichen, dass sie die Unterstützung der Zuschauer noch nötig haben werden.
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Von Tobias Schächter

Die Plakate in Hoffenheim sind nicht zu übersehen: „Dauerhaft mitfiebern“, steht im Dorf in großen Buchstaben zu lesen, die TSG 1899 Hoffenheim wirbt um neue Dauerkartenbesitzer. Beim Klub des Mäzens Dietmar Hopp spüren die Verantwortlichen, dass sie die Unterstützung der Zuschauer noch nötig haben werden. Nicht nur, weil der Klub durch ruckhafte Richtungswechsel und interne Grabenkämpfe in den letzten Jahren viel Kredit verloren und ein Imageproblem hinzugewonnen hat. Das versuchen der Trainer Markus Gisdol und der Manager Alexander Rosen zu verbessern, indem sie geradlinig einen bescheideneren Weg mit Demut und jungen Spielern gehen.

Fast wundersam gelang dem Duo nach einer bis zu ihrer Amtsübernahme völlig vermaledeiten letzten Runde noch der Klassenerhalt. In dieser Saison sind die Spiele der Mannschaft oft spektakulär und liefern Diskussionsstoff für die Stammtische. Doch nach zuletzt zwei unspektakulären Niederlagen gegen Hertha und in Augsburg wirkt der Blick auf die Tabelle aus TSG-Sicht ziemlich ernüchternd. Nur 13 Pünktchen hat die Mannschaft im Schatten ihres Spektakelfußballs gesammelt; Platz 14 bedeutet das, nur zwei Zähler von der Abstiegszone entfernt. Es besteht die Gefahr, dass sich mit einer weiteren Niederlage gegen das ähnlich labile Team des SV Werder Bremen bei den Fans die Angst vorm erneuten Abstiegskampf endgültig verfestigt.

Auch Trainer Gisdol spürt, dass seine Mannschaft die „große Unterstützung“ der Fans braucht: „Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln“, sagt er ganz bewusst. Nach guten, aber kräftezehrenden Spielen, oft ohne die gewünschte Belohnung, scheint die Mannschaft nun selbst ein bisschen erschrocken über die magere Ausbeute. Gisdol ahnt, dass die verlorene Leichtigkeit nicht so einfach zurückzugewinnen ist. Er sagt: „Mit 22 Punkten hättest du lockere Beine, mit 13 hast du nicht ganz so lockere.“ Ein Sieg gegen Werder würde beruhigend wirken, aber selbst für Gisdol ist das Chaos im Defensivverhalten (30 Gegentore) „nicht richtig zu greifen“. Und so stellen manche Fans bereits Grundsatzfragen: Fehlt der Mannschaft Wettkampfhärte? Sind Talente wie Vestergaard, Süle oder Strobl wirklich schon bundesligatauglich? Warum findet Gisdol in der Mittelfeldzentrale keine konstante Formation? Warum spielt Firmino erst so gut und jetzt so schlecht? Aber vor allem Torhüter Koen Casteels steht in der Kritik. Der 21 Jahre junge Belgier macht zwar wenig krasse Fehler, aber seine zurückhaltende Ausstrahlung wird kritisiert – und Punkte hat er der Mannschaft auch noch keine gerettet. Gisdol lässt durchblicken, dass er einen klaren Leistungssprung erwartet: „Koen ist nach wie vor ein Torwarttalent, aber noch kein richtig guter Bundesligatorwart.“

Bei Nachfragen, ob der suspendierte Tim Wiese wieder ein Thema werden könnte, schüttelt Gisdol den Kopf. Wiese – Vertrag bis 2016, Jahresgehalt undementierte 3,5 Millionen Euro – sei kein Thema, versichert der Trainer, er denke nicht daran, den eingeschlagenen Weg zu ändern. Ganz im Gegenteil, er wolle ihn gnadenlos durchziehen: „Es gibt keinen Zick-Zack-Kurs mehr in Hoffenheim, jedenfalls nicht mit mir.“

Geduld war aber bislang nicht unbedingt die Stärke des SAP-Mitgründers und TSG-Mäzens Dietmar Hopp. Schon immer geht es in diesem Klub ja vor allem darum, wer gerade die Gunst des milliardenschweren Machers hat. Man kann diese schnell gewinnen, aber auch schnell verlieren.

Nun verlassen spätestens zum Saisonende wieder zwei Geschäftsführer die TSG. Stattdessen vertraut Hopp Leuten aus dem Umfeld von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und dessen Agentur „projekt b“. Von dort kommt Andreas Rettig, der zum Erstaunen vieler Mitarbeiter erst Beobachter war und nun Geschäftsführer ist. Ab 1. Dezember übernimmt der ehemalige Team-Telekom-Sprecher Christian Frommert, der Bierhoff medial berät, die Rolle des Kommunikations- und Mediendirektors. Und Bierhoff selbst wurde jüngst als SAP-Botschafter vorgestellt. In Hoffenheim bleibt es spannend.

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