Stadionhefte werden auf Fußballplätzen seltener - von einigen Clubs aber dennoch mit viel Hingabe produziert Spielbegleiter aus Papier

Landkreis Oldenburg. Sie sind meist nur wenige Seiten stark, stecken aber dennoch voller Informationen über die Lieblingsmannschaft: Stadionhefte. Fotos, Statistiken, Steckbriefe - kurz vor dem Anpfiff sind die meist kostenlos verteilten Broschüren heiß begehrt, werden später von nicht wenigen Fans zu Hause sorgsam aufgehoben und archiviert. Während früher allerdings nahezu jeder ambitionierte Fußballverein ein eigenes, gedrucktes Medium vor seinen Heimspielen herausgab, sind die papierenen Spielbegleiter auf den Sportplätzen der Region immer seltener zu finden. Fehlendes "Redaktionspersonal" und ein zu geringes Anzeigenaufkommen sind in den meisten Fällen dafür verantwortlich. Es gibt sie aber dennoch - Vereine, die auch weiterhin mit großem Aufwand ihr Magazin produzieren.
10.09.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus

Landkreis Oldenburg. Sie sind meist nur wenige Seiten stark, stecken aber dennoch voller Informationen über die Lieblingsmannschaft: Stadionhefte. Fotos, Statistiken, Steckbriefe - kurz vor dem Anpfiff sind die meist kostenlos verteilten Broschüren heiß begehrt, werden später von nicht wenigen Fans zu Hause sorgsam aufgehoben und archiviert. Während früher allerdings nahezu jeder ambitionierte Fußballverein ein eigenes, gedrucktes Medium vor seinen Heimspielen herausgab, sind die papierenen Spielbegleiter auf den Sportplätzen der Region immer seltener zu finden. Fehlendes "Redaktionspersonal" und ein zu geringes Anzeigenaufkommen sind in den meisten Fällen dafür verantwortlich. Es gibt sie aber dennoch - Vereine, die auch weiterhin mit großem Aufwand ihr Magazin produzieren.

"Das Heft ist extrem wichtig. Wir können die Mannschaft den Fans so ein Stück näher bringen", betont Lukas Schneider. Der 20-Jährige spielt bei den Bezirksliga-Fußballern des VfL Wildeshausen in der Viererkette und ist einer der Macher des neuen Krandel-Magazins (Auflage: 150 Stück). Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Sebastian Pundsack, Sascha Görke und Tobias Düser ist Schneider seit dieser Saison für das neue Wildeshauser Stadionheft verantwortlich. "Während des Trainings hatten wir beim Laufen die Idee und haben es einfach mal angepackt", erinnert sich Pundsack. Vom ersten Entwurf bis zur ersten gedruckten Ausgabe dauerte es in der Folge nur knapp einen Monat. "Wir haben ein Konzept aufgestellt, die Kosten berechnet und passende Sponsoren gesucht", erklärt Schneider. Das Ergebnis konnten die Fans erstmalig vor dem Heimspiel gegen den TSV Ganderkesee bestaunen - zehn Farbseiten auf Hochglanzpapier, layout-technisch äußerst professionell gestaltet, mit Informationen

über den aktuellen Kader, Gegnervorstellung und Spielerporträt. Mit Hilfe spezieller Software haben die Wildeshauser Magazin-Macher die ansprechende Optik des Heftes erstellt. "Wenn die Idee erstmal da ist, ist die Umsetzung nicht mehr das große Problem", erklärt Sascha Görke, der, genau wie Tobias Düser, eine Ausbildung zum Mediengestalter absolviert und so "das Wissen aus dem Beruf direkt anwenden konnte."

Beim VfL Stenum haben sie zwar keine angehenden Mediengestalter - das VfL- Journal (Auflage: 100 bis 150 Stück) des Bezirksligisten versorgt dessen Anhänger aber trotzdem mit Wissenswertem rund um die Fußballsparte. Ex-Trainer Uwe Hammes und Mittelfeldspieler Steven Herrmann kümmern sich um die inhaltliche Gestaltung des Heftes, das Stenums Fußball-Chef Klaus Panzram als "Service für die Fans" versteht. Dabei hat der Funktionär allerdings auch stets die wirtschaftliche Seite der Journal-Produktion im Auge: "Es muss sich für den Verein rechnen, sprich sich über Sponsoren selbst tragen." Heißt im Klartext: Nur wenn genug Anzeigen auf den bis zu 16 Seiten stehen, kann sich der Club die Druckkosten leisten. "Dann braucht man natürlich noch ein zuverlässiges Team, das sich um die Erstellung des Heftes kümmert, Statistiken pflegt und Texte bearbeitet", weiß Panzram. Einer der Journal-Macher - Uwe Hammes - betont den großen Arbeitsaufwand, den man dem fertigen Heft oftmals gar nicht ansehen

würde: "Das wird von einigen unterschätzt. Bis eine Ausgabe fertig ist, muss viel organisiert werden."

Es sind Leute wie Hammes und Herrmann, die dem TV Jahn Delmenhorst derzeit fehlen. Der Bezirksligist, der seine Heimspiele am Brendelweg austrägt, hat im Moment kein Stadionheft. "Wir haben einfach niemanden, der sich darum kümmert", bringt es Trainer Matthias Kaiser auf den Punkt. Zwar gibt es das Vereins-Magazin Jahn-Nachrichten, in dem auch die Fußballsparte regelmäßig ihren Platz findet - ein Heft nur für die Fußballer ist aber auch in Zukunft nicht geplant. "Das lohnt sich nicht", sagt Kaiser und verweist auf die geringen Zuschauerzahlen. Ohnehin seien die Fans durch die Zeitung ausreichend informiert. Der Jahn-Trainer hat früher beim SV Atlas Delmenhorst selbst an der Produktion des Stadionheftes mitgearbeitet und weiß daher "dass so etwas verdammt viel Arbeit macht".

Auch vor den Heimspielen des TuS Heidkrug suchen die Fans in dieser Saison vergeblich nach einem Stadionheft - noch. "Wir befinden uns gerade in der Planungsphase", erklärt Fußball-Obmann Manfred Imhoff - und betont: "Wir spielen jetzt wieder Landesliga, da brauchen wir so ein Ding." An Ehrenamtlichen, die die Produktion übernehmen, mangelt es allerdings noch am Bürgerkampweg. "Deswegen führen wir zurzeit Gespräche mit einer externen Firma", verrät Imhoff. Wann das neue Heidkrug-Heft allerdings erstmals verteilt wird - darauf wollte er sich allerdings nicht festlegen.

Informativer als ein Iphone

Wesentlich weiter sind da die Macher des Ganter-Kickers (Auflage: 50 bis 200 Stück). Das Stadionheft des Bezirksliga-Aufsteigers TSV Ganderkesee hat vor der laufenden Saison einen neuen Anstrich bekommen, erstmals haben Vereinsmitglieder nun Gelegenheit, ein Fußballfoto für die Titelseite einzureichen. "Das wird rege angenommen", sagt Ex-Spieler Sönke Thiemann, der das Magazin gemeinsam mit Mittelfeldakteur Marvin Dietrich betreut und mit Infos rund um die Fußballmannschaften bestückt. Aus diesem Grund sieht Trainer Raphael Riekers den Ganter-Kicker auch als wesentlichen Bestandteil des Vereins: "Das ist eine Art Visitenkarte - auch in Zeiten der neuen Medien. Mit einem Iphone erfährt der Fan am Spielfeldrand nämlich nicht, wer kürzlich bei uns Vater geworden ist."

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