Meine Woche: Spinner sind der letzte Schrei

Mittwoch, 24. Mai: Mein Tag beginnt um 6.30 Uhr.Donnerstag, 25. Mai:
31.05.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Mittwoch, 24. Mai: Mein Tag beginnt um 6.30 Uhr. Um 8 Uhr öffne ich mein Geschäft in der Dobbheide in Hammersbeck. Während meine Frau die Zeitungen auspackt, fahre ich die Computer hoch. Dabei checke ich die E-Mails. Dabei stelle ich fest, dass ich neue Anmeldungen vom MTV Lübberstedt für unser bevorstehendes Turnier, der Ellen-Runde, bekommen habe. Dann werfe ich einen Blick in „DIE NORDDEUTSCHE“. Wie jeden Tag schaue ich, ob ein Bericht über den Verein in der Zeitung steht. Ich ärgere mich darüber, dass immer noch Schützenvereine mit Tradition werben. Tradition ist gut. Aber im Verein sollte der Sport im Vordergrund stehen. Dann bediene ich die Kunden und bestelle neue Ware. Ich denke darüber nach, wo ich Spinner herbekomme. Das ist momentan der Renner überhaupt. Dieses ist ein Spielzeug, das aussieht wie eine Kreuzung aus Propeller, Ninja-Wurfstern und Ersatzteil aus der Eisenwarenabteilung im Baumarkt. Die Spinner haben bereits in den USA einen großen Hype ausgelöst. Der Spinner wird auf der Fingerkuppe balanciert. In der Mittagspause klingelt auch schon das Telefon. Mein Vereinskollege Christian Steinkamp ruft an, um einige Termine zu besprechen. Nach Ladenschluss gehe ich selbst zum Einkaufen. Es sollte schnell gehen. Aber man trifft immer viele Leute. Heute stoße ich zum Beispiel auf Gabi und Ralf von Roden, also den Vorstand unseres Vereins. Dabei gibt es auch schon wieder etliches zu besprechen. Mit Verspätung sind meine Frau und ich dann endlich unterwegs ins Teufelsmoor zu unserem Campingplatz.

Donnerstag, 25. Mai: Bei mir herrscht Himmelfahrt-Jubel wegen des freien Tages. Vatertag fällt leider aus, da mein Sohn Frederik im Urlaub ist. Aber dank WhatsApp werde ich nicht vergessen. Normalerweise geht es Donnerstagabend in die Schützenhalle zum Bogentraining. Das findet aber heute nicht statt. Langeweile kommt bei mir aber dennoch nicht auf. Der Campingplatz muss in Ordnung gebracht werden. Ich erwarte Besuch von meinen Vereinskollegen nach den am Wochenende stattfindenden Bezirksmeisterschaften in Adolphsdorf. Der Campingplatz liegt direkt an der Hamme in der Nähe von Bremen. Ein Bekannter, Andreas Kruse, der auch dort einen Platz hat, machte uns vor mehr als zehn Jahren darauf aufmerksam. Er ist weit genug weg, um nicht vom Alltag erreicht zu werden. Neugierig wie ich bin, schaue ich mir die Bogenwiese schon mal im Voraus an.

Freitag, 26. Mai: Kaum ist die Ladentür offen, kommen auch schon die ersten Kunden. Nach Feiertagen bringen sie immer viele Briefe und Pakete in meine Postagentur. Nebenbei gebe ich noch schnell eine Tabakbestellung durch. Am Telefon gebe ich Auskünfte über den Verein, denn auch da bin ich als Kontaktperson für erste telefonische Informationen zuständig. Ich helfe gerne weiter, wenn es um Trainingstermine oder Besichtigungen der Räumlichkeiten für eventuelle Feiern geht. Am Abend gibt es bei uns im Verein das jährliche Matjes-Essen. Harald Buck spendiert jedes Jahr den frischen Fisch, der sehr lecker ist.

Sonnabend, 27. Mai: Sonnabends habe ich nur einen kurzen Arbeitstag. Ich hole schnell den Bogen aus dem Verein, kaufe ein und fahre ab ins Moor. Weil der Rasen extrem hoch steht, ist Gartenarbeit angesagt. Am späten Nachmittag besuchen uns Gabi und Ralf von Roden. Während ich meinen Bogen für die Meisterschaft checke, plaudern wir natürlich auch über den Schützenverein. Nach dem gemütlichen Grillen schaue ich noch in „DIE NORDDEUTSCHE“ der vergangenen Tage. Dabei stoße ich auf einen Artikel über das Blaue Band in der Vegesacker Fußgängerzone. Mir geht der Sinn für dieses Teil gänzlich verloren. Ich frage mich immer wieder, wie man dafür so viel Geld ausgeben kann, wo es an anderen notwendigen Stellen, wie zum Beispiel Schulen oder Kindergärten, fehlt. Die Straßen in Bremen-Nord sind teilweise auch nur noch Pflückwerk. Aber die Hauptsache scheint zu sein, dass das Blaue Band leuchtet.

Sonntag, 28. Mai: Es regnet in der Früh. Kaffee ist vor dem Wettkampf tabu. Um 8.30 Uhr erreiche in Adolphsdorf. Ich finde ein trockenes Plätzchen unter dem Pavillon von Eric Schumann vom MTV Lübberstedt. Pünktlich zum Turnierstart kommt die Sonne raus. Jetzt merke ich, was mir beim Bogenaufbau komisch vorgekommen ist. Der Klicker am Bogen ist lose. Ich kann ihn aber erst in der Pause nach dem ersten Durchgang in Ordnung bringen. Dementsprechend bin ich mit meiner Leistung und dem Ergebnis nicht zufrieden. Meine Vereinskollegen Lars Lorenz, Christian Steinkamp und Edgar Voigt sichern sich aber den ersten Platz mit der Mannschaft. Auch in der Einzelwertung erzielen sie gute Platzierungen. Aber auch für mich ist es ein super Tag mit vielen netten Menschen. Nächstes Jahr läuft es hoffentlich besser. Im Anschluss analysiere ich das Turnier noch mit Lars Lorenz auf dem Campingplatz.

Montag, 29. Mai: Meine Frau fährt heute für ein paar Tage weg. Ich bin nicht begeistert, da sie sich Welpen anguckt. Die sind aber Gott sei Dank nicht für uns. Trotzdem stehe ich um 5 Uhr mit auf, koche Kaffee und verabschiede sie. Hoffentlich kommen heute endlich die Spinner an. Nicht, dass mir der Großhändler einen Bären aufgebunden hat und doch nicht liefern kann. Ich bin erleichtert, als sie eintreffen. Nach Geschäftsschluss treffe ich mich direkt mit Lars im Verein. Da er Urlaub hat, haben wir uns verabredet, um einige Sachen wegzuräumen. Leider gibt es zu wenige Mitglieder, die sich aktiv beteiligen. Einige haben ihre Arbeitsstunden schon im Januar voll und packen dann immer noch mit an. Wieder andere halten sich da sehr zurück. Aber dieses Problem haben wohl alle Vereine. Eigentlich will ich ja Luftgewehr für die Landesmeisterschaften trainieren. Aber das Training muss noch warten. Meine Frau ist gut in Nürnberg angekommen.

Dienstag, 30. Mai: In der Mittagspause versorgt mich meine liebe Schwiegermutter Annelore Döscher mit einem leckeren Mittagessen. Am Abend möchte ich in der Schützenhalle mit dem Bogen trainieren. Unsere gute Seele, Willi Worthmann, hat bereits aufgeschlossen und die ersten Neulinge mit Bögen und Zubehör versorgt. Leider wird es für mich schon wieder nichts mit dem Training. Als Bogenreferent hat man die Aufgabe, dass alle Schützen zufrieden sind. So müssen die Stände und Scheiben rausgebracht werden, da die Schützen jetzt im Freien auf der neuen, großen Bogenwiese schießen möchten. Wenigstens ein paar Pfeile kann ich noch aus 60 Metern schießen. Und siehe da: Es geht doch. Ich freue mich schon auf morgen, wenn ich mich mit alten Lesumer Kollegen zum Beachvolleyball treffe.

Alke Rowehl, die Reiterin und Pressewartin des Stedinger RFV Sturmvogel Berne, wird als Nächste über ihre Woche berichten.

Zur Person

Timo Wunram (49) fungiert als Bogenreferent beim Vegesacker Schützenverein und nimmt auch an Wettkämpfen teil. Der Inhaber eines Spielwarengeschäfts ist mit Heike verheiratet und hat einen Sohn.
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