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Hockey muss um Aufmerksamkeit betteln
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Landshut will Hockey ein Denkmal setzen

Katharina Elsner 27.12.2015 0 Kommentare

Interview, Rebecca Landshut, Hamburg, 2015
Rebecca Landshut plant ein Filmprojekt über die deutschen Hockey-Damen. (Philipp Hannappel)

Ein wenig neidisch ist Rebecca Landshut schon auf den Fußball in Deutschland. Das Geld, die Medienpräsenz, die Stars. Fußball muss nicht um Aufmerksamkeit betteln, Hockey schon. Rebecca Landshut will das ändern.

Ein Jahr lang will die Dokumentarfilmerin mit der Kamera die deutsche Hockey-Nationalmannschaft auf ihren Wegen nach Rio des Janeiro 2016 begleiten. Es soll der erste Dokumentarfilm über die deutsche Hockey-Nationalmannschaft sein. Der Titel verschmelzt die Hoffnungen von Hockey und Film: „Ecke, Schuss – Gold!“

Der Zeitpunkt dafür scheint gut zu sein. Wenn die Herren im Sommer in Brasilien auflaufen, haben sie Chance, zum dritten Mal in Folge olympisches Gold zu holen. Welche Mannschaft schafft das schon? Aber Rebecca Landshut hat ein Problem: In Deutschland interessiert das niemanden so richtig. Hockey ist eine Randsportart.

Das wird auch am Rothenbaum in Hamburg deutlich. Dort, wo sonst Rafael Nadal oder Roger Federer vor Zehntausenden großes Tennis spielen, hat auch der Hockey-Bundesligist Club an der Alster sein zu Hause. Hierhin ist Rebecca Landshut nach ihrer Bundesliga-Karriere zurückgehrt, zu ihrem Heimatverein. Heute hocken nur ein paar Dutzend Menschen auf der Holztribüne beim Spiel gegen den Konkurrenten Großflottbek. Landshut ist eine unter ihnen, das weiß-rote Trikot trägt sie heute nicht. Stattdessen zupft sie immer wieder ein Taschentuch aus der grauen Jeanstasche – eine Erkältung plagt die 33-Jährige.

Aber Landshut hat zweites, größeres Problem: Sie braucht Geld. Geld für die Realisierung ihres Films. Kein Fernsehsender will ihr Geld vorstrecken, ohne eine gute Einschaltquote zu sehen. Also hat sich Rebecca Landshut entschieden, das Projekt über Crowdfunding zu finanzieren. Crowdfunding bedeutet, dass möglichst viele Menschen, die Crowd, spenden. Dabei handelt es sich zunächst um virtuelle Beträge. Erst wenn eine bestimmte Mindestsumme erreicht ist, fließt tatsächlich Geld. Landshut braucht 280.000 Euro. Brutto. Ein Viertel geht an die Steuer. Das ist ihre Mindestsumme, um vierzig Drehtage zu bezahlen. Gewinn macht Landshut damit nicht. Es ist ihr Herzensprojekt. Wenn ihre beiden Leidenschaften –Hockey und Film – zusammen in einem Gedanken, in einem Satz auftauchen, dann lächelt sie breit. Dieses Lächeln hinterlässt tiefe Grübchen auf ihren Wangen.

Gerade deswegen ist sie enttäuscht. Denn dass Großsponsoren nicht in eine Randsportart investieren, war ihr klar. Nein, Rebecca Landshut hatte vor allem auf Unterstützung aus der Hockey-Szene gezählt. Doch die bleibt aus. „Wir haben das heruntergerechnet. Es gibt 80.000 aktive Hockeyspieler in Deutschland. Wenn jeder fünf Euro zahlen würde, wäre der Film finanziert“, sagt sie. Bis heute haben aber nur 670 Menschen gespendet, obwohl die Unterstützung im täglichen und virtuellen Leben groß ist. Viele teilen, liken, posten das Projekt – aber spenden? „Ich glaube, allen ist noch nicht klar, dass es diesen Film nicht gegeben wird ohne die finanzielle Unterstützung“, sagt die 33-Jährige. Rebecca Landshut hat noch ein drittes Problem: Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit. 90 Tage läuft jeweils eine Crowdfunding-Kampagne. Erreicht sie das Ziel nicht, stirbt das Projekt. Stichtag ist der 13. Januar 2016. Bis dahin müssen noch gut 100 000 Euro zusammenkommen. Trotzdem, Landshut lacht. So oft und herzlich, dass hinter ihrem grün-türkiser Wollpullover immer wieder ihre Kette hervorspringt, ein goldener Davidstern.

Denn zwei Vorteile hat die ehemalige National-Hockeyspielerin. Seit sie vier Jahre alt ist, spielt sie Hockey. Sie hat studiert, gearbeitet, Hockey gespielt – Bundesliga und im Nationalkader, alles parallel. Sie weiß, was Leistungssport bedeutet. Sie weiß, welche Leidenschaft und Emotionen dahinter stecken, aber auch, welche Kraft es die Spieler kostet, diesen Spagat zwischen Leistungssport, Job und Alltag zu meistern. „Das ist ein Spagat, der in die Dehnung geht. Die Spieler leisten vielleicht mehr als ein Fußballspieler, einfach weil sie es müssen“, urteilt sie. Denn selbst ein Top-Athlet könne sich nur mit einem Sponsorenvertrag kurze Zeit den Luxus erlauben, nicht zu arbeiten. Die Transfer- und Ablösesummen im Fußball sind im Hockey reinste Utopie. Genau das will Landshut in den Mittelpunkt des Films stellen, die Doppelbelastung und die Doppelleistung. Ein Sportlerherz kann sie mit ihrem Film sicher berühren.

Und: Sie kennt viele Spieler persönlich, kann ganz nah an sie heran. Schließlich müsse sie nicht wie „beim Schweinsteiger auf das Persönlichkeitsrecht achten“, sagt sie auf die Frage nach Sönke Wortmanns Dokumentation „Sommermärchen“. „Die Hockeyspieler sind keine Stars. Wir können alles filmen und zeigen“. Nur, warum sollten sich die Deutschen einen Film über ein paar Hockeyspieler anschauen, über einen Moritz Fürste oder eine Nina Hasselmann, die sie kaum oder nicht kennen? Landshut kennt die Argumente. „Einen Film über Fußball würde sich jeder anschauen, einfach weil man die Jungs kennt. Beim Hockey ist es nicht so“, sagt sie. Aber sie will dem Sport ein Denkmal setzen.

Zugute könnte ihr kommen, dass ARD und ZDF die Spiele übertragen. „Wenn die Hockey-Herren das dritte Gold holen, dann sind das Gesichter, die die Deutschen kennen“, glaubt sie. So, wie jeder Schweinsteiger, Neuer oder Lahm kennt.

Ein wenig versucht Landshut auch, etwas vom imperialen Glanz des Fußballs zu stehlen. Denn wenn sie plant, zwei Athleten vom Fußball und Hockey gegeneinander antreten zu lassen, deren Tagesablauf und Training zu tauschen – HSV gegen Hockey sozusagen – dann will sie natürlich auch die Fußballfans in den Film locken.

Vielleicht sind sich Hockey und Fußball eben nicht so unähnlich. Schließlich hat Oliver Bierhoff bereits einen der erfolgreichsten Hockey-Trainer ins Fußballimperium gelockt. Markus Weise hat seinen Plan, mit den Hockey-Herren das dritte Gold in Rio zu holen, für eine neue Karriere beim DFB sausen lassen. Jetzt schmiedet er Konzepte für eine neue DFB-Akademie. Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt hatte Bierhoff einen anderen zum DFB holen wollen, Hockey-Nationaltrainer Bernhard Peters. Peters war ebenso erfolgreicher Hockey-Coach. Bierhoff war mit seinem Vorschlag damals am DFB-Präsidium gescheitert, heute arbeitet Bernhard Peters als Sportdirektor beim HSV. Ganz ohne Fußball geht es also doch nicht. Aber vielleicht schafft es Rebecca Landshut mit ihrem Film, Hockey aus seinem Schattendasein zu erlösen.

Ecke, Schuss – Gold!

◼ Ecke, Schuss – Gold! soll der erste Hockey-Dokumentarfilmwerden und mit Spenden über Crowdfunding finanziert werden.

◼ Regisseurin Rebecca Landshut braucht mindestens 280.000 Euro für das Projekt. Stichtag: 13. Januar 2016.

◼ Mehr Informationen gibt es auf: www.eckeschussgold.de


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Leserkommentare
suziwolf am 21.10.2019 12:01
Warum dieser einfache Hinweis
auf www.spiegel.de
[ ,auf Erweiterung der Information‘ ]
mit „👎“ bewertet wird,
erklärt sich ...
peteris am 21.10.2019 12:00
Bundesaußenminister
Maas: Türkische Offensive nicht mit Völkerrecht im Einklang.

Für "Diktatoren" wie Putin,Erdogan usw. gibt es ...