Der erste Bremer Doppelkopf-Club von 1983 verbindet Spielfreude auf Bundesliganiveau

Strategie und Spaß

Bremen. Ein trüber Sonnabendmittag im November auf der Tennisanlage der TV Ost am Weserpark. Die Plätze sind winterfest gemacht, nur ein paar Blätter von den Bäumen verlieren sich auf der roten Asche.
09.11.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Strategie und Spaß
Von Ruth Gerbracht
Strategie und Spaß

Hochkonzentriert beim Doppelkopf-Marathon: (von links) Margret Beinlich, Fabian Zwilling, Frank Lauterbach, Kristin Kurzke.

Christina Kuhaupt

Bremen. Ein trüber Sonnabendmittag im November auf der Tennisanlage der TV Ost am Weserpark. Die Plätze sind winterfest gemacht, nur ein paar Blätter von den Bäumen verlieren sich auf der roten Asche. Auch in der Halle nebenan herrscht herbstliche Ruhe. Nicht so in der Vereinsgaststätte. Hier wird schließlich doch gespielt, nicht Tennis, sondern Doppelkopf. Der Erste Bremer Doppelkopf-Club von 1983 (EBDC) veranstaltet sein jährliches Marathonturnier, von morgens 10 bis nachts 24 Uhr. „Darauf freuen sich die Mitglieder immer wieder“, sagt Elmar Mietzner, Vorsitzender des Klubs. Rund 30 Mitglieder sitzen konzentriert an den Tischen und blicken gespannt auf ihre Karten und möglichen Partner. Nach vier Runden gibt es eine kleine Pause, und anschließend wird an den Tischen gewechselt. Wer nicht pünktlich wieder Platz nimmt, der wird vom Spielleiter aufgefordert, sich nun schleunigst zurück auf den Weg zu machen.

Dabei ist es nicht so, dass nicht oft genug gespielt wird in diesem Verein. Jeden Freitagabend ist Spieltag. Ab 19 Uhr geht’s los – offiziell. Aber die richtig infizierten Doppelkopf-Spieler, und davon hat der Klub nicht wenige, treffen sich schon vorher zum Spielen. Und auch privat bleiben die Karten nicht in der Schublade. „Viele kommen auch zu Hause zum Spielen zusammen“, sagt der Vorsitzende. Training ist alles.

Schließlich geht es nicht nur um den Spaß am Spielen. Vor wenigen Tagen erst wurden in Bremen das Achtel- und Viertelfinale der deutschen Mannschaftsmeisterschaften ausgetragen. Eine tolle Sache sei das gewesen, erklären die Mitglieder unisono. Aus der gesamten Republik trafen die 16 besten Teams in Bremen aufeinander. Natürlich auch ein Team aus dem EBDC. „Allerdings war für uns an diesem Wochenende Schluss“, bekennt Elmar Mietzner. „War trotzdem super und hat riesigen Spaß gemacht.“

Er selbst ist zurzeit noch Vereinsmeister und gehört somit zu den Besten. Allerdings steht anhand der aktuellen Punktezahl schon jetzt fest, dass er am Ende des Jahres wieder abgelöst wird. Von Frank Lauterbach, der schon vielfacher Vereinsmeister und 2004 sogar Deutscher Meister war.

„Spannender als Skat“

Elmar Mietzner kommt eigentlich vom Skat, hat aber vor einigen Jahren dann gewechselt. Warum? „Ich finde Doppelkopf spannender. Das Zusammenspiel ist interessanter“, sagt er. Aufregender und gleichzeitig auch strategisch anspruchsvoll sei es zum Beispiel, seinen Spielpartner, den man beim Doppelkopf zunächst ja nicht kennt, ausfindig zu machen. Am schwierigsten sei es jedoch, immer wieder die Stiche nachzuhalten, zumal mit Neunen gespielt wird, erklärt Elmar Mietzner. Außerdem müsse man beim Doppelkopf den Kopf mehr anstrengen, sich genau merken, was ist schon ausgespielt, welche Stiche sind bereits weg. Und man müsse mehr strategisches Denken einbringen. Großartig sei es zudem, dass man dank des Partners auch mit schlechten Karten noch Spiele gewinnen kann. Das ist beim Skat anders. „Beim Skat kannst du machen, was du willst, wenn du schlechte Karten hast, dann verlierst du immer“, sagt Mietzner.

Der Übergang vom Skat zum Doppelkopf sei nicht so einfach gewesen, wie man als Skatspieler vielleicht glauben könnte. Schließlich handelt es sich nicht um Kneipen-Doppelkopf mit allen nur denkbaren Regeländerungen. Doppelkopf wird in den Vereinen puristisch gespielt. Es gelten einheitliche Regeln des deutschen Doppelkopfverbandes. So gibt es beispielsweise keine „Schweine“ – zwei Karo-Asse, die, in einer Hand gehalten, zu den höchsten Trümpfen werden – und keine „Armut“, bei der ein Spieler seine wenigen Trümpfe – bis zu drei – an einen Mitspieler abgeben kann. Es muss immer gespielt werden, egal wie das Blatt aussieht. Und bei 24 Spielen muss jeder ein Pflichtsolo absolvieren. Am Anfang habe er sich einiges anhören müssen, wenn er zu leichtsinnig oder nicht konzentriert genug gespielt habe. Doch das gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Der Vereinsvorsitzende ist genauso wie die anderen 36 Klub-Mitglieder vom Doppelkopf so infiziert, dass er auch zu den Spielstarken gehört.

Um sich spielerisch weiterzuentwickeln, bietet der Verein verschiedene Schulungen an. „Es gibt viele Programme und Kon­zepte, wie man kluge Strategien aufbauen kann“, sagt Mietzner. Bei Bedarf wird Manfred
Wolf als Trainer engagiert, der einem zum Beispiel erklären kann, welche Spiel­züge in unterschiedlichen Situationen einem helfen, den Partner möglichst schnell zu erkennen.

Gegründet wurde der Erste Bremer Doppelkopf-Club im Jahr 1983. Zunächst waren es vornehmlich Straßenbahnfahrer und Lehrer, die sich zu einem Verein zusammengetan hatten. Mittlerweile kommen die Mitglieder aus allen Berufssparten. Seit mehreren Jahren gehört die Bremer Mannschaft zum festen Bestand der Doppelkopf-Bundesliga.

Nachwuchsprobleme

Um ihren Platz in der höchsten Spielklasse zu behaupten, opfern die Doppelkopf-Begeisterten gerne ihre Freizeit und ihr Geld. Schließlich konkurrieren die Bremer in dieser Liga mit 15 anderen Mannschaften in ganz Deutschland. Um Zeit und Kosten nicht ausufern zu lassen, werden an einem Wochenende gleich Hin- und Rückspiel ausgetragen. Ende November geht die Bundesligasaison zu Ende – für die Bremer wahrscheinlich mit einem Platz im Mittelfeld der Tabelle. „Das geht in Ordnung, Hauptsache wir mischen weiter mit“, erklärt Elmar ­Mietzner.

Ein bisschen Sorge bereitet dem Verein jedoch der Nachwuchs. Wie auch beim Skat ist man auf der Suche nach weiteren jungen Spielern. Das Interesse der jungen Leute am Kartenspiel scheint derzeit ein wenig erlahmt zu sein. Dagegen kann man was tun. „Wer will, kann jederzeit freitags mal kommen und sich davon überzeugen, dass Kartenspielen einem eine Menge abverlangt, und zudem noch Spaß macht“, sagt der Vorsitzende des Ersten Bremer Doppelkopf-Clubs. Was will man mehr.

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