Tanzsport

Auszeichnung für den Grün-Gold-Club

Der Grün-Gold-Club Bremen wird für seine Tanzprojekte an mehreren Bremer Schulen mit dem Prädikat „Schulsportbetonter Verein“ ausgezeichnet. Treibende Kraft bei diesen Projekten ist Trainer Angelo Adler.
02.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Auszeichnung für den Grün-Gold-Club
Von Frank Büter

Bremen. Party- und Gesellschaftstanz als fester Bestandteil im Sportunterricht? Grundschüler, die Choreografien einstudieren und gemeinsam tanzen wie in einem Videoclip? Oberschulenschüler, die Tanzen sogar als Wahlpflichtkurs oder als Profilfach belegen? All das ist möglich in Bremen. Möglich auch dank des Engagements des Grün-Gold-Clubs Bremen, der seit mehreren Jahren schon an verschiedenen Schulen im Stadtgebiet entsprechende Angebote macht.

Für sein Konzept, Tanzen als Sport an Bremer Schulen anzubieten, hat der Grün-Gold Club vom Deutschen Tanzsportverband (DTV) jetzt das Prädikat „Schulsportbetonter Verein“ verliehen bekommen. Corona-bedingt musste die feierliche Übergabe der Urkunde zwar ausfallen, der Freude über die Auszeichnung habe das aber keinen Abbruch getan, sagt Klubpräsident Jens Steinmann. Vielmehr sei es Ansporn, die Projekte weiter auszubauen.

Treibende Kraft hinter den vielfältigen Schulprojekten des Grün-Gold-Clubs ist Tanztrainer Angelo Adler. Der 43-Jährige hat diese Schulprojekte maßgeblich entwickelt und sie im Verbund mit seinen Trainerkollegen im Klub bereits an mehreren Bremer Schulen etabliert. Dazu zählen beispielsweise die Grundschulen am Baumschulenweg, an der Lessingstraße und an der Gete, wo die Erst- bis Viertklässler regelmäßig Tanzunterricht bekommen und über Partytänze auch an Cha-Cha-Cha, Rumba und Jive herangeführt werden.

Auch in Zeiten des Lockdowns, wo der Unterricht nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist und Sport nur auf Abstand betrieben werden darf, ist Adler bemüht, den Kontakt zu den Kindern zu halten und ihnen Tanzen im Homeschooling zu ermöglichen. Der frühere Formations-Weltmeister fertigt daher für die Schüler eigens Videos an, in denen er die Takte durchzählt, die Schritte vor- und dann die Lieder durchtanzt. Ihm ist es wichtig, dass die Kinder dranbleiben, Spaß und Abwechslung haben, „auf leichtem Level und jeder so wie er es kann“, sagt Adler. „Es ist ja sonst leider vieles auf Eis gelegt.“

Seit 2015 arbeitet Adler hauptberuflich als Tanztrainer beim Grün-Gold-Club, wo er unter anderem für das B-Team verantwortlich zeichnet, das seit März 2019 wieder in der 1. Bundesliga der Lateinformationen vertreten ist. Seit 2015 aber kümmert er sich auch um eben diese Schulprojekte, viele Schulklassen hat er dabei selbst von Anfang an begleitet. In der dritten Klasse, sagt er mit einem Grinsen, werde die Anforderung an die Coaches etwas anspruchsvoller, weil die Jungs schwieriger würden. Das sei nämlich der Zeitpunkt, wo zunehmend auch Paartänze aus dem Latein- und Standardbereich zum Unterrichtsstoff hinzukämen...

Mit Ende der Grundschulzeit ist dann allerdings nicht zwingend Schluss mit dem Tanzen im Sportunterricht. Besonders veranlagte Kinder etwa haben als Mitglied des Landeskaders die Möglichkeit, an der Sportbetonten Schule an der Ronzelenstraße unter Anleitung von Grün-Gold-Trainerin Uta Albanese Tanzen als Unterrichtsfach zu betreiben. Oder sie besuchen die Oberschule Sebaldsbrück, die es den Kindern und Jugendlichen inzwischen ermöglicht, auch Tanzen als Schwerpunktkurs mit vier Stunden pro Woche anzuwählen.

Was zunächst nur als zweimonatiges Projekt im neunten Jahrgang angedacht war, hat sich längst als festes Angebot etabliert. Auch dank des Engagements von Schulleiterin Claudia Bundesmann. „Ich war damals als Sportlehrerin selbst bei diesem Projekt dabei“, erzählt sie. Und es habe sie fasziniert, wie der Tanzsport die Schüler bewegt und geöffnet habe. „Tanzen erfordert viel Disziplin, Körperkoordination, Rhythmusgefühl und Ausdauer“, sagt Claudia Bundesmann. „Und es ist sehr schweißtreibend.“

Tanzen als vierstündiger Profilkurs neben Musik, Kunst oder Darstellendes Spiel, das passe ins Konzept der Schule, betont Claudia Bundesmann. Die Akzeptanz sei groß, „keiner rümpft die Nase“. In enger Zusammenarbeit mit dem Grün-Gold-Club hat man an der Oberschule Sebaldsbrück Jahr für Jahr Tanzen als Teil des Unterrichts ausgeweitet, wobei Modern Dance und Poptänze ebenso zu den Inhalten gehören wie Paartanzen und Choreografien. Zwischenzeitlich habe sogar mal die ganze Schule getanzt, berichtet Bundesmann von einer preisgekrönten Videoreportage, „die Freude steht immer im Vordergrund“. Die Schulleiterin hat das angestachelt. Sie möchte das Angebot noch weiter steigern und träumt langfristig sogar von einer eigenen Schul-Formation. Von einem Team, das überregional an Wettbewerben teilnimmt. Angeleitet von Angelo Adler, aber auch von Lehrkräften der Schule, die selbst aus dem Tanzsport kommen und das vermitteln können. „Leider macht die Pandemie uns gerade einen Strich durch die Rechnung“, bedauert Claudia Bundesmann, sie will aber an diesen Plänen festhalten.

Auch Angelo Adler brennt für dieses Vorhaben. Zwar würde man aktuell ein Jahr verlieren, sagt er, doch er halte an der Idee fest, darauf hinzuarbeiten, in Sebaldsbrück eine Schul-Formation aufzubauen. Gleichzeitig sind Adler und seine Mitstreiter Alessia Gigli, Daniel Dingis und Zsolt Sandor bestrebt, neue Konzepte zu entwickeln, um den Schülern weitere Angebote machen zu können. „Ziel ist es, die Schüler in unsere Räumlichkeiten und damit Nachwuchs in den Klub zu holen“, sagt Präsident Jens Steinmann.

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