Grün-Gold-Club Bremen Tanzsport will die Schulen erobern

Da kann der Grün-Gold-Club Bremen noch so oft Weltmeister der Lateinformationen werden – ohne entsprechende Nachwuchsförderung wird es schwierig, auf Dauer weitere Titel zu gewinnen. Und ohne Hilfestellung von außen geht es nicht.
20.09.2015, 00:00
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Tanzsport will die Schulen erobern
Von Ruth Gerbracht

Uta Albanese, Trainerin der Grün-Gold-Formation, kennt die Situation nur zu gut. Schließlich betreut sie seit vielen Jahren Tanzsportgruppen in verschiedenen Bremer Grundschulen. Die Kinder zucken oft ratlos mit den Schultern. Zweimal die Woche Training? Das kann ich nicht versprechen. Meist verzichten sie dann von vornherein. Der Zeitplan für Schüler ist ziemlich eng gestrickt. Das Abitur nach acht Jahren fordert seinen Tribut. Lange Schultage sind die Folge. Da ist für Sport – geschweige denn Leistungssport – nur noch wenig Zeit. „Ich kann mit Schülern um 15 Uhr kein Training mehr machen. Diese Zeiten sind vorbei“, sagt Uta Albanese. „Viele kommen erst gegen 17 oder 18 Uhr nach Hause.“

Da kann der Grün-Gold-Club Bremen noch so oft Weltmeister der Lateinformationen werden – ohne entsprechende Nachwuchsförderung wird es schwierig, auf Dauer weitere Titel zu gewinnen. Der Verein bemüht sich jetzt schon intensiv und mit Nachdruck, Kinder und Jugendliche für ihren Tanzsport zu begeistern und zu fördern. Doch ohne Hilfestellung von außen geht es nicht.

Glücklicherweise gibt es in Bremen Schulen, die Schülern helfen, die doppelte Belastung von Leistungssport und Schule unter einen Hut zu bekommen. Dazu gehört neben anderen auch die sportbetonte Schule an der Ronzelenstraße. Dort erhalten Schüler und Jugendliche in mittlerweile 13 Sportarten Fördertraining in ihren jeweiligen Sportarten. „Für uns ist es wichtig, die Kinder dem Leistungssport zu erhalten“, erklärt Harald Wolf, Sportkoordinator an der Ronzelenstraße. „Die Schule stellt die Infrastruktur, die Sportverbände die Trainer und Räumlichkeiten.“ Stundenpläne werden so zusammengestellt, dass die Nachwuchssportler, die alle einem entsprechenden Leistungskader angehören müssen, Zeit bekommen, ihr Training in den Schulalltag zu integrieren.

Ein Modell, das auch für Tanzsporttrainerin Uta Albanese von großem Interesse ist. Zusammen mit Sportkoordinator Harald Wolf sowie der Unterstützung des Grün-Gold-Club konnte zum Beginn des neuen Schuljahres vor zwei Wochen zumindest schon mal eine AG Tanzsport installiert werden. Zweimal in der Woche können junge Tanzsportler morgens für jeweils 75 Minuten zum Training in die Räumlichkeiten der Tanz-Arena kommen. „Das ist unglaublich toll, dass die Schule das möglich gemacht hat“, sagt Uta Albanese begeistert. Auch der Verein begrüßt die Kooperation mit dem SZ Ronzelenstraße. „Um erfolgreich zu bleiben, brauchen wir eine solche Zusammenarbeit von Verein, Verband und Schule“, erklärt Jens Steinmann, 1. Vorsitzender des Grün-Gold-Club.

Das große Ziel heißt für Uta Albanese und Harald Wolf auf lange Sicht jedoch, Tanzsport als Sport-Kaderklasse am SZ Ronzelenstraße zu installieren. Das würde heißen, Tanzsport wäre als Individualsport auch Prüfungsfach bei einem Sportorientierten Abitur, geht also in den Notenschlüssel mit ein. „Wenn wir das schaffen, wären sicherlich auch Kinder und Jugendliche zu einem Schulwechsel bereit. Schließlich findet man als jugendlicher Leistungssportler nirgendwo bessere Bedingungen“, erklärt Uta Albanese.

Damit könnte der Tanzsport an Attraktivität gewinnen, schließlich wäre ein solches Projekt einmalig in Deutschland. Es gibt zwar in Ludwigsburg am Otto-Hahn-Gymnasium ein ähnliches Verfahren. Dort gehört Tanzen auch zu den Schulsportarten, ist allerdings nicht als Leistungstraining für Kadermitglieder gedacht. Für Jens Steinmann hätte ein solches Projekt noch eine ganz besondere Bedeutung. Dabei geht es ihm nicht nur um die Förderung des eigenen Nachwuchses – der Vorsitzende des Grün-Gold-Club Bremen will mehr: „Ein solches Projekt könnte eine große Außenwirkung auf den Tanzsport in ganz Deutschland haben und unser Sport, obwohl nicht olympisch, kann dabei an Bedeutung und Achtung nur gewinnen.“ Dafür sei der Verein auch bereit, für das Projekt finanziell die Verantwortung zu übernehmen. Und das für neun Jahre.

Frühestens zum Schuljahr 2016/2017 könnte es in Bremen gelingen, Tanzen als Kadersport an der Ronzelenstraße zu etablieren. Bis dahin haben alle Beteiligten noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Vor allem der Landestanzsportverband (LTV) muss aktiv werden, denn die Fachverbände sind diejenigen, die eine Kooperation mit den Schulen und der Schulbehörde abschließen. Andreas Neuhaus, Sportwart des LTV, hat bereits ein Konzept zusammengestellt. In diesem wird detailliert erklärt, wie die Struktur im Leistungsbereich Tanzen aufgestellt ist und welche Altersgruppen in welchem Kader tanzen. „Mit anderen Worten, wir müssen erklären, wie bei uns die Uhren ticken“, sagt Andreas Neuhaus, der auch auf nationaler Ebene als stellvertretender Sportwart seit vielen Jahren tätig ist.

Nachgewiesen werden muss, wie erfolgreich man in den letzten Jahren war und welche Perspektiven die jungen Tanzsportler haben. „Das ist alles sehr umfangreich, aber wir sind fast am Ziel. Das Förderkonzept steht“, erklärt Neuhaus. Spätestens zum Jahresende muss alles fertig und eingereicht sein. Und nicht zuletzt muss die Frage geklärt werden, wer finanziert das Projekt angesichts der klammen Situation des Landestanzsportverbandes. Aber da gibt es ja schon entsprechende Ansagen.

Entscheiden werden der Ausschuss für Leistungssport sowie die Schulbehörde, ob der große Wunsch sich erfüllt, die Bremer Hochburg des Tanzsports über die Schulen zu stärken. Für Uta Albanese würde sich mit der Kadersportart Tanzen an der Ronzelenstraße ein „optimaler Kreis“ schließen. Denn an den Grundschulen Baumschulenweg und der Grundschule Horn ist die Tanztrainerin mit unterschiedlichen Projekten schon aktiv. Der Übergang der Kinder in die sportbetonte Schule Ronzelenstraße wäre dann für den Tanzsport-Nachwuchs ein perfekter Schulwechsel.

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