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„Am Ende ist es eine Win-win-Situation“

Tim Richter hat mit Mauro Piras drei Jahre lang den TC Lilienthal maßgeblich geprägt. Jetzt ist er seit zwei Jahren beim Huder TV sehr erfolgreich - und seit 1. Mai auch beim TV Schwanewede aktiv.
06.05.2021, 12:06
Lesedauer: 4 Min
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„Am Ende ist es eine Win-win-Situation“
Von Tobias Dohr
„Am Ende ist es eine Win-win-Situation“

Pflegt zwar ständigen Kontakt zum TC Lilienthal, kann sich aktuell eine Rückkehr aber nicht vorstellen: Tim Richter.

INGO MÖLLERS
Herr Richter, Ihre Tennisschule ist seit dem 1. Mai mit rund 60 Trainerstunden beim TV Schwanewede eingestiegen. Erzählen Sie doch einmal bitte, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam?

Tim Richter: Da muss ich zunächst etwas ausholen und einmal kurz erklären, wie ich eigentlich hier in Hude gelandet bin.

Gerne, nur zu.

Nach meinem Aus beim TC Lilienthal im Jahr 2017 kam irgendwann der Kontakt zum Huder TV zustande. Das ist im Gegensatz zu Lilienthal eine kleine Perle mit etwas mehr als 300 Mitgliedern. Und klein war zu Beginn dieser Zeit auch der Trainingsumfang (lacht).

Das bedeutet was?

Das bedeutet, dass ich hier mit zwölf Stunden pro Woche angefangen habe. Das muss man sich mal vorstellen, das ist absolut nichts für einen hauptberuflichen Trainer. Aber der 1. Vorsitzende Jochen Koberg hat mir damals eine tolle Perspektive aufgezeigt und mich gebeten, diesen Weg mit ihm und dem gesamten Verein mitzugehen. Heute, zwei Jahre später, sind wir bei 92 Stunden pro Woche. Das alles Entscheidende war, dass ich hier weitgehend freie Hand in der Gestaltung hatte und habe.

Was genau bedeutet das?

Dass in erster Linie ich hier für den sportlichen Bereich im Zusammenhang mit der Tennisschule zuständig bin. Ich bin gleichzeitig 1. Sportwart im Vorstand, kümmere mich um Dinge wie Mitgliedergewinnung, Hallenbelegung, Trainerstunden. Für mich ist das mein Beruf, deshalb liegt mir die Entwicklung des Vereins umso mehr am Herzen. Am Ende ist es so eine Win-Win-Situation für mich und den Klub. Und das war etwas, was ich beim TC Lilienthal immer bemängelt habe. Dort waren zu viele Menschen, die im Hintergrund Einfluss nehmen wollten und auch genommen haben. Auch auf Dinge, die meine tägliche Arbeit beeinflusst haben.

Lassen Sie uns noch kurz über den Kontakt nach Schwanewede reden.

Na klar. Erst mal war es so, dass sich der Erfolg in Hude schnell herumsprach und mit dem TC Blau-Weiß Oldenburg und dem Tennisclub Oldenburg-Süd zwei weitere Vereine auf mich zukamen. Das Engagement in Schwanewede war zunächst eigentlich für einen guten Freund gedacht, doch das zerschlug sich dann bereits im Vorfeld, sodass ich mich schließlich mit Schwanewedes Spartenvorsitzendem Dennis Bokelmann getroffen habe.

Wie war dieses Gespräch?

Absolut fantastisch. Wir waren ganz schnell auf einer Wellenlänge, sodass für mich auch schnell klar war, dass ich sehr gerne die Stunden beim TVS übernehmen möchte. Für mich gehört der TV Schwanewede in dieser Konstellation definitiv zu den aufstrebenden Vereinen. Mit welchem Enthusiasmus dort für den Verein gearbeitet wird, ist großartig. Und ich kann mir gut vorstellen, dass wir nach einem Jahr noch einmal 20 Stunden mehr Unterricht anbieten werden.

Apropos Trainer. Werden Sie auch selbst in Schwanewede auf der Anlage sein?

Nein, im normalen Trainingsbetrieb eher nicht. Aber bei Tennis-Camps oder Schnuppertagen werde ich bestimmt immer wieder mal dort sein. Aber wir haben mit Ahmad Hamijou, Darek Tomaszewski und Max Müller drei ganz tolle Trainer dort am Start.

Wie kriegen Sie das überhaupt alles organisatorisch unter einen Hut mit mittlerweile vier Vereinen?

Das ist in der Tat eine ganz schöne logistische Herausforderung. Mittlerweile kommt meine Tennisschule auf 220 Stunden pro Woche, insgesamt koordiniere ich dabei 16 Trainer. Und tatsächlich haben sich in den vergangenen zwei Wochen noch mal drei Vereine bei mir gemeldet. Das ist derzeit aber personell leider nicht mehr zu stemmen.

Angesichts dieser Entwicklung ist die Frage ja geradezu zwangsläufig: Hat sich der TC Lilienthal in den vergangenen Monaten nicht auch bei Ihnen gemeldet? Schließlich sucht der Verein händeringend nach einem Ersatz für Tim Nekic. Gab es da Kontakt zu ihrem Ex-Verein, bei dem Sie drei Jahre lang so erfolgreich gearbeitet haben?

Den gibt es wöchentlich (lacht).

Und war eine Rückkehr mal ein konkretes Thema?

Ehrlich gesagt, nein. Denn in dieser Konstellation ist es für mich derzeit unvorstellbar, wieder etwas beim TCL zu machen. Das liegt zum einen natürlich an der tollen Erfolgsgeschichte beim Huder TV. Das würde ich auf gar keinen Fall aufgeben wollen. Aber natürlich hat auch die Situation beim TC Lilienthal damit etwas zu tun.

Könnten Sie das erläutern?

Naja, das Problem beim TCL war schon immer, dass dort zu viel Einfluss im Hintergrund genommen wird und man die Tennisschule nie komplett den verantwortlichen Trainern überlassen wollte und will. Man muss sich das mal vor Augen führen: Dieser riesige Verein mit der vielleicht schönsten Anlage in ganz Niedersachsen findet seit Monaten keinen Trainer. Das darf eigentlich gar nicht sein. Und man muss sich dann auch mal hinterfragen, warum das so ist.

Haben Sie einen Ansatz?

Natürlich. Vorweg möchte ich allerdings sagen: Ich hatte damals mit Mauro eine fantastische Zeit beim TCL, die ich nicht missen möchte. Wir hatten großen Erfolg mit unserer Tennisschule, die erste Herren war niemals so verwurzelt im Verein wie zu jener Zeit. Mauro hat zweimal die Lilienthaler Open gewonnen, war ein absolutes Aushängeschild. Und trotzdem wollte man mir nach Mauros Abgang keine freie Hand lassen. Unter den damaligen Vorgaben war es am Ende für mich einfach nicht mehr praktikabel, beim TCL zu bleiben.

Wohnen Sie eigentlich nach wie vor in Borgfeld?

Ja, das tue ich. Und auch das ist ja eigentlich verrückt. Ich fahre lieber 40 Minuten nach Hude, obwohl ich mit dem Fahrrad zum TCL radeln könnte. Es ist wirklich sehr, sehr schade, was in den vergangenen Monaten in Lilienthal passiert ist. Man sieht sich immer zweimal, aber momentan kann ich mir eine Rückkehr wirklich absolut nicht vorstellen.

Das Gespräch führte Tobias Dohr.

Info

Zur Person

Tim Richter (39)

leitete von 2014 bis 2017 gemeinsam mit Mauro Piras die Tennisschule des TC Lilienthal. Seit zwei Jahren hat er seinen Hauptsitz beim Huder TV und ist darüber hinaus für den TC Blau-Weiß Oldenburg sowie seit 1. Mai auch für den TV Schwanewede und den Tennisclub Oldenburg-Süd tätig. Richter ist Inhaber der B-Lizenz, wohnt in Borgfeld, ist verheiratet und hat zwei Stiefkinder.

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