Zweitligist soll am 22. Mai in Delmenhorst antreten, doch fast alle Klubs der Stadt sind an dem Tag schon im Einsatz Termin des St.-Pauli-Spiels wirft Fragen auf

Delmenhorst. Murat Kalmis ist sauer – ziemlich sauer. Der Organisator dachte sogar daran, das Gastspiel des FC St.
19.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Termin des St.-Pauli-Spiels wirft Fragen auf
Von Christoph Bähr

Murat Kalmis ist sauer – ziemlich sauer. Der Organisator dachte sogar daran, das Gastspiel des FC St. Pauli im Stadion an der Düsternortstraße ganz abzusagen. Nachdem bekannt geworden war, dass der Fußball-Zweitligist am Sonntag, 22. Mai, gegen eine Delmenhorster Stadtauswahl antreten soll (wir berichteten), registrierte Kalmis im sozialen Netzwerk Facebook nicht etwa Freude darüber, dass der Hamburger Kultklub in die Stadt kommt. Er las stattdessen kritische oder gar hämische Kommentare. „Einige sollten wirklich mal ihren Kopf anschalten, bevor sie etwas ins Netz schreiben“, sagt der FDP-Ratsherr.

Ein Grund für die Häme im Internet war der Termin des Freundschaftsspiels, denn am 22. Mai sind nahezu alle höherklassig spielenden Delmenhorster Klubs im Ligabetrieb gefordert. „Ich muss den Termin nehmen, den St. Pauli mir anbietet. Ich kann denen doch nichts vorschreiben“, erklärt Kalmis. Er wisse zwar, dass viele Delmenhorster Vereine am 22. Mai Pflichtspiele absolvieren müssen, „aber eine Stadtauswahl bekomme ich trotzdem zusammen.“

Als die Auswahl im vergangenen Jahr gegen den Bundesligisten Werder Bremen antrat (1:7), kamen mehrere Spieler von den Bezirksligisten SV Atlas und SV Tur Abdin. Am Tag des Pauli-Spiels muss der SVA während des vorletzten Bezirksliga-Spieltags allerdings beim TV Esenshamm antreten. Für Abdin sieht der Spielplan eine Heimpartie gegen den VfL Oldenburg II vor, die schon allein deswegen verlegt werden müsste, damit das Delmenhorster Stadion frei ist. Abdin-Chef Wahib Yousef zeigt sich in dieser Frage gesprächsbereit und kann sich eine Verlegung vorstellen. „Vorher müssen wir aber mit dem Staffelleiter alles abklären. Das geht nur, wenn der Verein dadurch keinen Ärger bekommt.“ Sollte nichts dagegen sprechen, die Partie beispielsweise um einen Tag vorzuziehen, „wären wir die Letzten, die sich querstellen. Dass St. Pauli kommt, ist schließlich etwas Schönes für unsere Stadt und auch für die Spieler, die in die Auswahl berufen werden“, betont Yousef.

SV Atlas will erst einmal abwarten

Atlas-Teammanager Bastian Fuhrken hat nach eigenen Angaben bereits „ein sehr vernünftiges Telefonat“ mit Murat Kalmis geführt. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er allerdings noch nicht sagen, ob der SVA Akteure für die Stadtauswahl abstellen kann oder nicht. Möglicherweise ist die Begegnung in Esenshamm für die Blau-Gelben, die aktuell mit acht Punkten Vorsprung die Bezirksliga anführen, nicht mehr von sportlicher Bedeutung. Selbst dann werde der Verein aber eine schlagkräftige Mannschaft aufbieten, um sich nicht dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung auszusetzen, unterstreicht Fuhrken. „Wir müssen sehen, wo wir im Mai sind. Momentan beschäftigen wir uns noch nicht mit dem Pauli-Spiel, wir haben erst einmal andere Ziele im Blick.“

Neben Atlas und Abdin sind am 22. Mai auch die Delmenhorster Kreisligisten TuS Heidkrug, SV Baris, KSV Hicretspor und TV Jahn während des vorletzten Spieltags im Einsatz. Der Oberligist TB Uphusen, der die Delmenhorster Mustafa Azadzoy, Can Blümel und Ömer Kalmis im Kader hat, bestreitet an diesem Tag sein letztes Saisonspiel gegen die FT Braunschweig. Der Delmenhorster Thomas Celik muss mit dem Oberligisten SSV Jeddeloh beim VfL Osnabrück II ran. Immerhin tritt der Landesligist TSV Oldenburg, dem die Delmenhorster Marvin Osei, Marco Prießner und Lukas Matta angehören, schon am 21. Mai gegen den TV Bunde an. „Trotz der Überschneidungen sehe ich kein Schwierigkeit darin, einen Kader mit 16 Spielern für die Stadtauswahl zusammenzubekommen“, sagt Murat Kalmis. „Ich setze da auch auf die Unterstützung der Vereine.“

Der 22. Mai als Termin sei zwar nicht optimal, aber auch kein großes Problem, betont der Organisator. Probleme hat er eher mit den kritischen Facebook-Kommentaren. „Da wird geschrieben, dass es sich um eine kommerzielle Veranstaltung handelt, dabei verdiene ich damit überhaupt nichts. Ich mache das für die Delmenhorster und kalkuliere so, dass am Ende plus minus null dabei rauskommt“, erklärt Kalmis. Die Organisation solcher Spiele erfordere viel Zeit, viele Fahrten und viele Telefonate. „Und die Kosten dafür trage nur ich. Das rechne ich nirgendwo ab“, versichert er. Die Gage für den FC St. Pauli sei bereits zum größten Teil durch Sponsorengelder abgedeckt. „Es ist wirklich toll, wie viele Firmen sich engagieren“, hebt Kalmis hervor. Der Vertrag mit dem Zweitligisten über das Freundschaftsspiel liege ihm vor und müsse nur noch unterschrieben werden. „Ich will das jetzt durchziehen, auch wenn man in Delmenhorst eigentlich gar nichts mehr machen sollte, weil immer irgendwelche Leute rumnörgeln.“

Übrigens gibt es sogar eine Möglichkeit, wie sich die ganzen Terminüberschneidungen doch noch in Wohlgefallen auflösen könnten. Wenn der FC St. Pauli, der zurzeit Rang vier belegt, am Ende der Saison nämlich Dritter werden sollte, würde er Ende Mai in der Relegation gegen den Tabellen-16. der Bundesliga um den Aufstieg ins Oberhaus kämpfen. In diesem Fall würde das Gastspiel in Delmenhorst auf das erste Juli-Wochenende verlegt werden. Da hätten dann alle Zeit.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+