17-jähriger Nordbremer Fechter ist im Deutschen Haus in ungezwungener Atmosphäre ganz nah an den Spitzensportlern dran

Tim Schupp: Olympia war einfach überwältigend

Bremen-Nord. Tim Schupp vom Fechtclub Bremen-Nord hat die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hautnah miterlebt. Der 17-Jährige war neben Denise Brachert einer von zwei Teilnehmern, die den Deutschen Fechterbund (DFB) im Rahmen des deutschen olympischen Jugendlagers in Brasilien vertraten.
29.08.2016, 00:00
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Von Karsten Hollmann
Tim Schupp: Olympia war einfach überwältigend

Tim Schupp

frei

Bremen-Nord. Tim Schupp vom Fechtclub Bremen-Nord hat die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hautnah miterlebt. Der 17-Jährige war neben Denise Brachert einer von zwei Teilnehmern, die den Deutschen Fechterbund (DFB) im Rahmen des deutschen olympischen Jugendlagers in Brasilien vertraten. Schupp durfte sich dabei auch frei im Deutschen Haus bewegen und lernte den vierfachen deutschen Meister im Säbelfechten, Max Hartung, sowie den großen Star des deutschen Fechtsports, Britta Heidemann, kennen.

„Britta Heidemann ist super nett“, stellt Tim Schupp fest, der von seiner Mutter Claudia Herold auf die Möglichkeit der Bewerbung für das olympische Jugendlager aufmerksam gemacht worden war. „Bei meiner Auswahl hat mir wahrscheinlich geholfen, dass sich nicht so viele Fechter beworben haben und ich auch bereits über große Turniererfahrung verfüge“, vermutet der Youngster. Er habe auch bereits öfters als Obmann im Verein ausgeholfen. Nicht gerade hinderlich bei seiner Bewerbung werden auch seine vielseitigen Interessen gewesen sein. Der Zwölftklässler ist schließlich auch noch Mitglied im Schachklub Bremen-Nord und programmiert leidenschaftlich gerne Handy-Spiele. Er möchte später etwas im Bereich Mathe, Physik oder Informatik studieren.

Tim Schupp schaute sich mehrere Wettkämpfe vor Ort an. So war er auch dabei, als Karla Borger und Britta Büthe im Beachvolleyball einen Sieg für Deutschland einfuhren. Die späteren Olympia-Siegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst sah er dagegen nicht in der großen Arena an der Copacabana.

Dafür bekam Schupp auch die Pleite der nur vier für die Spiele qualifizierten deutschen Fechter mit. „Das war die kleinste Delegation des DFB seit Beginn der Olympischen Spiele“, teilte der Präsident des Bremer Landesverbandes im Fechten, Jens Pursche, mit. Und die vier deutschen Fechter waren auch noch weit weg von Medaillen. Tim Schupp möchte deshalb aber nicht von einer Krise im deutschen Fechtsport sprechen: „Im Fechten kommt es wie in kaum einer anderen Sportart auf die Tagesform an. Die deutschen Starter hatten auch das Pech, bereits sehr früh auf besonders starke Gegner zu treffen.“ Ganz anders sieht es Jens Pursche: „Der Leistungssport im deutschen Fechten steckt in einer tiefen Krise.“

Dass aber auch viel von der Tagesform abhängt, bekam Tim Schupp im Rahmen der jüngsten deutschen Meisterschaften (DM) am eigenen Leib zu spüren. Nachdem er vor der DM bei fünf Starts fünf Siege eingefahren hatte und auch die Vorrunde bei der DM gut gelaufen war, schied er überraschend in der ersten K.o.-Runde aus und landete letztlich auf Rang 32.

In Brasilien besuchte Tim Schupp nicht nur Sportveranstaltungen, sondern absolvierte auch Seminare, bei denen es unter anderem um Anti-Doping und die Fairness im Sport ging. Er ließ es sich auch nicht entgehen, sich auf den Cocovado zu begeben, um das Wahrzeichen der Olympia-Stadt, die 38 Meter hohe Christus-Figur, aus nächster Nähe zu betrachten. Der 17-Jährige lernte aber auch die dunkle Seite von Rio kennen, indem er verschiedene Favelas, also Elendsviertel, besuchte. „Wo wir waren, war es zwar schäbig, aber nicht super dramatisch schlimm. Ich vermute mal, dass es aber auch Viertel gibt, in die sich kein Fremder ohne Weiteres begibt“, sagt der Nordbremer. Mit den jüngeren Bewohnern der Favelas spielte Tim Schupp auch Fußball. Die einheimischen Jugendlichen kamen auch zu einem Gegenbesuch in die deutsche Schule. Dort übernachtete Schupp mit seinen 49 Sportkollegen und zwölf Betreuern zwei Wochen in den Klassenzimmern.

Tim Schupp befand sich im Medienteam des deutschen Jugendlagers, das die Öffentlichkeit in den sozialen Medien über die Arbeit im Lager sowie über die Spiele selbst informierte. Der Gymnasiast habe sich besonders darüber gefreut, die Olympioniken im Deutschen Haus persönlich kennen lernen zu dürfen. „Weil es im Deutschen Haus ohne Medienvertreter sehr privat zuging, waren die Sportler auch nicht gleich genervt, wenn man sie mal angesprochen hat“, lässt Tim Schupp wissen. Tim Schupp machte sogar Bekanntschaft mit dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach. In bester Erinnerung wird er auch die Feier des deutschen Kanu-Vierers der Männer und des Canadier-Zweiers nach dem jeweiligen Olympiasieg behalten. „Der gesamte Aufenthalt in Rio war einfach überwältigend für mich. Ich werde keinen einzigen Moment davon jemals vergessen“, versichert Schupp. Er erhielt auch Teile der Ausrüstung der deutschen Sportler. In der sogenannten „Village“-Kleidung der Athleten, die diese im olympischen Dorf trugen, würde der Nordbremer am liebsten in den kommenden Wochen nur noch herumlaufen. Da wird auch seine jüngere Schwester Lillie Schupp ein bisschen neidisch. Die 14-Jährige ist Mitglied der Rhythmischen Sportgymnastik beim Blumenthaler TV.

Kostenlos war der Aufenthalt von Tim Schupp in Rio übrigens nicht. 2500 Euro hatten die Jugendlichen aus eigener Tasche zu bezahlen. Der Bremer Fechtverband habe aber auch etwas beigesteuert, so Schupp.

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