Tischtennis

Verband will Spielsystem vereinheitlichen

Im Tischtennis herrscht ein großes Durcheinander in Bezug auf die Spielsysteme: Je nach Liga treten Vierer- oder Sechserteams mit verschiedenen Zählweisen an. Der Verband will das System nun vereinheitlichen.
03.07.2020, 08:48
Lesedauer: 5 Min
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Von Andreas Lehmkuhl
Verband will Spielsystem vereinheitlichen

Marco Stüber ist Kapitän des TV Hude II. Der Verein hat insgesamt für Sechsermannschaften votiert, es gibt aber auch Stimmen für Viererteams beim TVH.

TAMMO ERNST

Ein regelrechtes Sammelsurium von Spielsystemen gibt es im Tischtennis-Ligabetrieb. In der Bundesliga benötigen drei Spieler zusammen drei Punkte zum Sieg, in der 2. und 3. Liga reichen vier Spielern sechs Punkte, in vielen Kreisligen oder -klassen spielen ebenfalls vier Akteure, aber bis zum siebten oder auch achten Zähler. Von der Regionalliga bis zur Bezirksklasse sind bisher Sechsermannschaften, die bis neun spielen, die Regel. Doch das ändert sich bald – zumindest teilweise.

Ab Sommer 2021 werden Regional- und Oberliga auf Viererteams umgestellt. Ob dies auch für die beiden darunter folgenden Klassen erwünscht ist, wurde unter anderem der TV Hude unlängst vom Tischtennis Verband Niedersachsen gefragt. Der TTVN hatte an alle Vereinen, die eine Mannschaft in der Verbands- oder Landesliga stellen, eine Umfrage geschickt. Abgefragt wurde, ob die Vereine grundsätzlich für eine Verringerung der Mannschaftsgröße auch in diesen Klassen sind und wenn ja, ob das schon zur Saison 2021/22 oder später umgesetzt werden soll und ob das auch für die Bezirksebene gewünscht ist.

Mehrheit will Sechserteams behalten

Die Huder hatten diese Fragen an die Spieler der ersten drei Mannschaften weitergegeben. Die Zweite wäre als Verbandsligist direkt betroffen, die Erste spielt nur eine Klasse über und die Dritte eine Klasse unter den zur Diskussion stehenden Ligen. „Die Mehrheit der abgegebenen Meinungen waren für Beibehaltung der Sechsermannschaften. Darum haben wir so auch als Verein votiert“, erklärt Marco Stüber, Kapitän des TV Hude II. „Bei Viererteams stehen immer zwei Spieler am Tisch und einer zählt. Damit bleibt nur noch ein Spieler übrig für Coaching und Anfeuern für zwei Tische„, berichtet er. Und das funktioniere nicht. “Wir sehen den Punktspielbetrieb als Mannschaftssport, bei dem sich die Teamkollegen gegenseitig unterstützen. Das Gemeinsame macht den Reiz aus. Mannschaftssport sollte mehr sein, als nur am Ende die Punkte der einzelnen Spiele zusammenzuzählen“, begründet Stüber.

Die Umfrage-Ergebnisse des TTVN zeigen, dass die Huder mit dieser Sichtweise nicht alleine stehen. Von 62 befragten Vereinen hatten 45 ein Votum abgegeben, 26 davon waren für Sechsermannschaften, zwölf für Viererteams ab 2021 und sieben für Vierer zu einem späteren Zeitpunkt. „Für uns ist das ein wichtiges Signal, das wir natürlich nicht ignorieren wollen. Eine Umstellung von Sechser- auf Vierermannschaften in den Landes- und Verbandsligen scheint in nächster Zeit nicht gewünscht“, erklärt der Vizepräsident des TTVN, Dieter Benen.

Felix Lingenau aus Hudes erster Mannschaft ist zwiegespalten. „Ich selber spiele auch lieber in Sechsermannschaften. Gerade in der Rolle des Unterstützers von der Bank fühle ich mich sehr wohl“, erzählt er. Dennoch hat er in der internen Umfrage für die Reduzierung der Mannschaftsgröße plädiert. „Mir wäre es einfach wichtiger, dass die Spielsysteme auf Dauer vereinheitlicht werden. Und die Entwicklung geht sowieso in Richtung der Vierermannschaften, das sieht man ja schon an der Umstellung der Regional- und Oberligen im nächsten Sommer“, erklärt Lingenau. Das ist auch vom Deutschen Tischtennis Bund ausdrücklich gewünscht.

Schon 2017 wurde hier eine Arbeitsgruppe „Einheitliches Spielsystem“ gebildet, die die Vereinheitlichung als primäres Ziel ausgegeben hat und vor allem wegen der „zeitlichen Planbarkeit für Vereine, Spieler und Zuschauer“ auf kleinere Teams setzt. Marco Stüber erklärt: „Wir sehen auch die Hintergründe für die Diskussion um Vierermannschaften. Die Leute haben weniger Zeit, die Verbindlichkeit sinkt. Daher haben wir als TV Hude einen Alternativvorschlag gegenüber dem TTVN ins Spiel gebracht.„ Hude plädiert für eine Verkleinerung der Sollstärke der Landes- und Verbandsligen von zehn auf acht Mannschaften. “Mit 14 anstatt 18 Spielen pro Jahr sehen wir bessere Chancen, heute noch ein verbindliches festes Team aufstellen zu können. Und der zunehmende Termindruck wird gemindert“, erläutert Stüber.

Kein einheitliches Meinungsbild

Der TTVN habe zugesagt, diesen Anstoß in die Diskussion auf Verbandsebene einfließen zu lassen. Auch auf Kreisebene soll demnächst eine Diskussion und eine Umfrage zur Mannschaftsgröße stattfinden, kündigt Lingenau in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kreisverbandes an. Bisher spielen die Kreisliga sowie die 1. und 2. Kreisklasse zu sechst, in der 3. Kreisklasse, aus der es keinen Auf- oder Abstieg gibt, wird zu viert gespielt. „Wir möchten von der Vereinen wissen, ob eine Reduzierung der Mannschaftsgröße, vielleicht sogar schon ab Sommer 2021, für alle Ligen auf Kreisbene erwünscht ist“, erklärt Lingenau.

Diskussionspotential gibt es auf jeden Fall. Die Vorlieben der einzelnen Spieler sind unterschiedlich. Dennis Stelljes vom Kreisligisten VfL Stenum III bevorzugt zum Beispiel Sechsermannschaften. „Für mich wird da der Teamgedanke besser verwirklicht, als wenn fast keiner mehr auf der Bank sitzt. Ich kann aber auch jeden verstehen, der es besser findet, wenn er in einer Vierermannschaft weniger sitzt und mehr selber spielen kann“, meint er. Mittelfristig habe er bei einer Reduzierung aber auch Bedenken, dass Mannschaftsverbände auseinander gerissen und deswegen vielleicht Spieler aufhören würden.

Gunnar Meyer von der SG Jahn/DTB hat in der vergangenen Saison sowohl in der achten Mannschaft mit drei als auch in der siebten mit fünf Mitspielern gespielt. „Neben dem besseren Mannschaftsgefühl spricht für mich auch der Umstand, dass man einen Ausfall besser kompensieren kann, für die Sechser“, sagt er. Auch Markus Bantel-Tönjes spielt lieber in einer größeren Mannschaft, hat aber auch Verständnis für Fans von kleineren Teams: „In den Klassen, die in der Woche abends spielen, kann die kürzere Spielzeit durchaus für Vierermannschaften sprechen. In den Ligen, die eh am Wochenende spielen, finde ich das nicht so wichtig. Ich glaube, in Sechsermannschaften hat man mehr Möglichkeiten, ganz unterschiedliche Menschen zu mischen und auch speziellere Charaktäre dabeizuhaben. Bei Viererteams muss man sich schon sehr gut verstehen“, glaubt der Huder, der mit der vierten Mannschaft gerade in die Bezirksliga aufgestiegen ist.

Das sieht Bernd Hedenkamp anders. „Für mich ist der Mannschaftsgeist in Viererteams besser, man hat keine Grüppchenbildung. Außerdem spielt man mehr und sitzt weniger auf der Bank. Und unter normalen Umständen kann man auch mit einem Auto zum Auswärtsspiel fahren“, erklärt der Abteilungsleiter aus Hudes sechster Mannschaft. Frank Stuke (Hude V) stimmt ihm zu und ergänzt: „Man ist schneller durch und kann früher nach Hause“. „Oder in die Kneipe“, schlägt Hedenkamp lachend vor.

Beide Seiten haben ihre Argumente, die weitere Entwicklung wird also spannend. Der benachbarte Kreis Oldenburg-Stadt hat übrigens in diesem Jahr beschlossen, auf Kreisebene nur noch in Vierermannschaften zu spielen. In anderen Kreisen sind, ebenso wie in Delmenhorst/Oldenburg-Land, Umfragen oder Abstimmungen angekündigt.

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