Während der Handball-Saison wurde einmal mehr der Facettenreichtum dieses Sports unter Beweis gestellt Titel, Trauer und Trennungen

Landkreis Verden. Mit dem verpassten Verbandsliga-Aufstieg der SG Achim/Baden II, die in der Relegation der TS Hoykenkamp unterlag, ist im Erwachsenenbereich die Handball-Saison 2016/2017 abgeschlossen worden. Und eines bleibt hängen: Die zurückliegenden Monate hatten in den Hallen wieder viele bewegende Ereignisse zu bieten.
01.06.2017, 00:00
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Titel, Trauer und Trennungen
Von Florian Cordes

Landkreis Verden. Mit dem verpassten Verbandsliga-Aufstieg der SG Achim/Baden II, die in der Relegation der TS Hoykenkamp unterlag, ist im Erwachsenenbereich die Handball-Saison 2016/2017 abgeschlossen worden. Und eines bleibt hängen: Die zurückliegenden Monate hatten in den Hallen wieder viele bewegende Ereignisse zu bieten. Mittendrin waren die beiden ersten Frauenteams des TV Oyten sowie die Männer der SG Achim/Baden und des TSV Daverden. Die vier Teams zeigten den Facettenreichtum des Handballsports. Ein Blick zurück.

3. Liga Nord Frauen

Dieser Moment geht beim TV Oyten in die Vereinsgeschichte ein: Es war der vorletzte Spieltag. Der TVO empfing seinen großen Konkurrenten im Titelrennen, den SV Hen-stedt-Ulzburg. Die Pestalozzihalle war voll wie lange nicht mehr. Es ist damals ziemlich schwierig gewesen, überhaupt noch einen Platz auf der Tribüne zu ergattern. Doch im Nachhinein wissen alle Menschen, die das packende Topspiel besucht haben, dass es die richtige Entscheidung war, das Gedränge auf den Rängen in Kauf zu nehmen. Denn was sich in der Schlussphase abspielte, war an Dramatik nicht zu überbieten.

Kurz vor dem Abpfiff führten die Gäste mit 30:29. Drei Sekunden vor dem Ende der Partie bekamen die Oytenerinnen jedoch einen Siebenmeter zugesprochen. Spieler, Zuschauer und Trainer blickten auf Jana Kokot, die den Siebenmeter ausführen sollte. Sie traf. Der TVO hatte noch einen Punkt geholt. Dadurch verteidigte das Team von Trainer Sebastian Kohls die Tabellenführung. Trotz eines weiteren Unentschiedens am letzten Spieltag gegen den HSV Minden-Nord gewann Oyten die Meisterschaft, weil Henstedt sich von dem Rückschlag gegen die „Vampires“ nicht mehr erholte und gegen Jörl verlor.

Dass der Endspurt aber überhaupt so dramatisch werden sollte, hatte sich lange Zeit nicht angedeutet. Denn der TV Oyten, der sich vor der Saison unter anderem mit der Ex-Bundesligaspielerin Lisa Bormann-Rajes verstärkt hatte, rauschte förmlich durch die Liga. Die ersten neun Spiele wurden allesamt gewonnen. Erst der SV Henstedt-Ulzburg stoppte im Hinspiel den Siegeszug der „Vampires“. Obwohl nach der Hälfte der Saison die Oytenerinnen schon wie der sichere Sieger aussahen, warnte Sebastian Kohls im Dezember 2016 vor zu großer Selbstsicherheit: „Über den Titel mache ich mir noch keine Gedanken, es sind noch ordentlich Punkte zu vergeben. Zudem stehen uns schwere Auswärtspartien bevor.“

Und der erfahrene Coach sollte recht behalten. In der zweiten Saisonhälfte spielte der TVO zwar weiterhin stark – aber nicht mehr so dominant. Einige Punkte wurden liegen gelassen, sodass es zu dem spannenden Endspurt kam, in dem die Kohls-Sieben die Nerven behielt.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dann aber doch: Die Partie vom vorletzten Spieltag wäre der richtige Rahmen gewesen, in dem der neue Drittliga-Meister hätte gefunden werden sollen. Vielleicht darf der TVO aber in der neuen Saison den Titelgewinn vor den eigenen Fans feiern. Der Kader dürfte für eine Titelverteidigung stark genug sein.

Oberliga Nordsee Männer

In der Spitzengruppe ihrer Liga tummelte sich auch die SG Achim/Baden. Mit der Vergabe des Titels, den sich der Drittliga-Absteiger ATSV Habenhausen vor seinem Stadtrivalen SG HC Bremen/Hastedt sicherte, hatten die Achimer nichts zu tun. Das ist jedoch auch nie das Ziel gewesen. Ein Platz unter den besten Fünf ist das anvisierte Ziel gewesen. Das wurde mit Rang drei auf beeindruckende Art und Weise erreicht. Allerdings war der Weg dorthin mit Steinen übersät. Es musste sogar ein Trainerwechsel her, damit sich die Achimer in der Tabelle nach oben orientieren durften.

Im Dezember trennten sich die Wege der Spielgemeinschaft und des damaligen Trainers Steffen Aevermann. Beide Seiten begründeten die Trennung mit der sportlichen Situation. Vom gesteckten Ziel, sich einen Platz in der Spitzengruppe zu sichern, war die SG Achim/Baden kurz vor dem Jahresende meilenweit entfernt. Nach zehn Spieltagen fand sich der ehemalige Zweitligist auf dem achten Rang wieder – die Achimer waren nur Mittelmaß. Eine schnelle Lösung sollte her, und sie wurde gefunden: Tobias Naumann übernahm das Traineramt. „Für mich war nach dem Gespräch mit dem Vorstand doch relativ schnell klar, dass ich den Verein in dieser Notlage unterstützen möchte“, sagte Naumann damals.

Schnell zeigte sich, dass es von den SG-Verantwortlichen die richtige Entscheidung war, einen Mann als Coach zu installieren, der den Klub sehr gut kennt. Wenngleich es auch unter Tobias Naumann kleinere Enttäuschungen gab, der positive Eindruck überwog. Auch am letzten Spieltag bewiesen die Achimer, dass sie zu den Topteams der Oberliga zählen. Denn der ambitionierte TV Cloppenburg wurde zum Kehraus mit 32:28 besiegt.

Und so nahm eine turbulente Saison ein mehr als versöhnliches Ende. Doch nicht nur Platz drei ist ein Grund zum Feiern gewesen. Denn die SG Achim/Baden, die in ihrer Vereinsgeschichte so viele Höhen und Tiefen erlebt hat, feierte zum Ende der Saison ihren 25. Geburtstag. In ihr 26. „Lebensjahr“ darf die SG voller Zuversicht gehen. Denn rund um den Verein ist eine Aufbruchstimmung aufgekommen. Die Mannschaft hat es in der neuen Spielzeit selbst in der Hand, diesen Aufschwung zu bewahren. Das Zeug dazu hat sie.

Oberliga Nordsee Frauen

Von einer turbulenten Spielzeit war der TV Oyten II weit entfernt. Die Saison war mitnichten langweilig. Allerdings verlief sie recht unspektakulär. Die Drittliga-Reserve, die in der Vorsaison lange Zeit um den Klassenerhalt kämpfen musste, legte diesmal eine souveräne Runde hin. Die „Vampires“ liefen am Ende mit einem ausgeglichenen Punktekonto auf dem achten Tabellenplatz ein. Mehr Mittelfeld geht nicht.

Doch so unspektakulär die Saison auf den ersten Blick auch gewesen sein mag. Bei der zweiten Mannschaft des TVO gab es ebenfalls einen Trainerwechsel. Wenn auch aus anderen Gründen. Eigentlich wollte Jens Haase erst nach Ablauf der Saison seinen Platz auf der Bank räumen. Dann war es aber bereits Ende Februar so weit. Er führte für seinen Abschied private Gründe an. „Ich kann in den kommenden Wochen nicht mehr regelmäßig am Training teilnehmen“, sagte Haase damals. „Daher habe ich mir viele Gedanken gemacht, ob es nicht besser wäre, schon früher aufzuhören. Durch meine Entscheidung fällt auch jede Menge Druck von mir ab.“ Haase ging mit einem Heimsieg gegen Schüttorf.

Für ihn übernahm Carolin Pleß, die fortan als Spielertrainerin fungierte. Sie setzte die erfolgreiche Arbeit von Jens Haase fort. Pleß bleibt den „Vampires“ in der kommenden Spielzeit treu. Sie will sich aber wieder auf ihre Rolle als Spielerin konzentrieren. In den eigenen Reihen ist mit Jana Kokot jedoch schon eine Nachfolgerin gefunden worden.

Verbandsliga Nordsee Männer

Die Saison war jedoch nicht nur von Erfolgsgeschichten geprägt. Denn da gab es noch das Schicksal des TSV Daverden. Die Grün-Weißen spielten als Aufsteiger ein starkes Jahr. Die junge Truppe um ihren Trainer Thomas Panitz mischte die Liga förmlich auf. In vielen Begegnungen bewiesen die Daverdener, dass sie in der Verbandsliga richtig aufgehoben sind. Dennoch nahm die Saison ein trauriges Ende für das Team. Es musste absteigen. Und war daran im Grunde nicht einmal selbst schuld.

Die Daverdener sind zum Opfer der sogenannten gleitenden Skala geworden: Die SG VTB Altjührden stieg aus der 3. Liga ab. Dadurch entstand eine Kettenreaktion. Die HSG Delmenhorst musste als zusätzlicher Absteiger die Oberliga verlassen, Daverden die Verbandsliga und die zweite Mannschaft des TSV die Landesliga. Dabei hatten die Grün-Weißen in der zweithöchsten Liga der Verbände Niedersachsen und Bremen im Grunde nie etwas mit den drei direkten Abstiegsplätzen zu tun. Bereits nach dem viertletzten Spieltag war klar, dass der TSV keinen der drei letzten Ränge belegen wird. Es ging nur noch darum, nicht Platz elf zu belegen. Doch genau dort landete die Panitz-Sieben. Durch Altjührdens Scheitern wurde Platz elf in der Verbandsliga zu einem vierten Abstiegsplatz. Nach nur einem Jahr ging es für den TSV wieder runter.

Thomas Panitz will mit seiner jungen Truppe aber an die guten Leistungen anknüpfen: „Es ist natürlich sehr, sehr bitter, dass wir aufgrund der gleitenden Skala absteigen. Wir werden aber wieder aufstehen und wollen in der neuen Saison in der Landesliga wieder angreifen.“

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