Portrait Marcus Schlösser

Torwart auf vier Hufen

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Eine weitere Weisheit besagt, dass Torhüter und Linksaußen eine Macke haben.
04.01.2018, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Von JAN-HENRIK GANTZKOW

Pennigbüttel. „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Eine weitere Weisheit besagt, dass Torhüter und Linksaußen eine Macke haben. Dass in beiden Aussagen zumindest ein Stückchen Wahrheit enthalten ist, beweist Marcus Schlösser. Der steht nicht nur seit über zwei Jahrzehnten in den Toren dieses Kreises, sondern ist seit einem Jahr auch noch erster Vorsitzender des Reitvereins Scharmbeckstotel.

„Natürlich sind beide Aufgaben sehr unterschiedlich, aber sie machen mir jeweils unglaublich großen Spaß“, erklärt der 30 Jahre alte Schlösser. Fußball spielt er dabei fast sein Leben lang: Bereits mit vier Jahren begann er beim ASV Ihlpohl, dem er viele Jahre die Treue hielt und dort auch seine schönsten Zeiten erlebte. „Die Jahre, als wir mit guten Kumpels die Kreis- und Bezirksliga aufgemischt haben, waren schon etwas ganz Besonderes“, verrät der Keeper, der für seine waghalsigen Ausflüge und technischen Fähigkeiten bekannt ist.

Nach einigen Wechseln und einem neuerlichen Intermezzo bei seinem Heimatverein spielt er seit dieser Saison unter seinem ehemaligen Trainer Enrico Berneking und erlebt beim starken Kreisliga-Aufsteiger TSV Eiche Neu Sankt Jürgen sozusagen einen zweiten Frühling: „Ich hätte nicht gedacht, auf meine alten Tage noch einmal in eine solche tolle Truppe zu kommen. Es ist eine sehr junge Mannschaft mit viel Potenzial, und ich freue mich, meine Erfahrung weitergeben zu können“, so Schlösser, der zu seinen Stärken den großen Ehrgeiz und die fußballerischen Qualitäten zählt.

Doch nicht nur auf dem Fußballplatz geht der in Pennigbüttel lebende Schlösser mit großem Engagement zur Sache – auch im Reitverein Scharmbeckstotel ist er aktiv und führt den Verein seit einem Jahr sogar als erster Vorsitzender an. Vor fast zehn Jahren kam er 2008 durch seine Lebensgefährtin Hanne Uhlenwinkel zu dieser neuen Leidenschaft, wenngleich er selbst bei allem Ehrgeiz nicht mehr der ganz große Turnierreiter werden wird: „Ich habe das mal zehn Minuten versucht, aber dann hat mir alles wehgetan. Dennoch war ich von Anfang an von Pferden fasziniert und hatte großes Interesse“, erinnert sich Schlösser an die Anfänge.

So begann er zunächst seine Freundin zu unterstützen, wurde schließlich Gerätewart und später Pressesprecher des Vereins. Als dann die langjährige Vorsitzende Monika Böttjer zurücktrat, war schnell klar, dass er der richtige Mann für diesen Posten ist. Und den Schritt, in eine solch verantwortungsvolle Position zu wagen, hat er nicht bereut: „Natürlich hatte ich wenig Ahnung, was auf mich zukommt, aber alle Mitglieder sind sehr hilfsbereit. Es gibt wenig Reiberein, das Vereinsleben ist sehr harmonisch, und der sehr junge Vorstand macht auch privat viel zusammen“, strahlt Schlösser nach seinen ersten Monaten an der Vereinsspitze.

Aus eigener Erfahrung als aktiver Spieler weiß er, dass es in Fußballvereinen turbulenter zugehen kann: „Im Fußball stellen die Spieler Ansprüche, es geht noch mehr um Gelder und Sponsoren. Außerdem ist der Fußball nur eine Sparte des Gesamtvereins. Der Vorstand hat auch weniger Unterstützung und es ist deutlich unruhiger“, bilanziert Schlösser.

Leere Versprechungen, die er in seiner Fußballkarriere auch schon erlebt hat, will er daher unbedingt vermeiden: „Ich werde als Vorsitzender mein Wort halten, wenn ich etwas sage. Wenn etwas nicht geht, müssen die Leute halt auch mal mit einem Nein leben“, sagt Schlösser. Wenngleich es also auch große Unterschiede zwischen Fußball und Reitsport geben mag, eines merken wohl sowohl Schlössers Mitspieler in Neu Sankt Jürgen, als auch seine Vorstandsmitglieder: Die Theorie von den verrückten Keepern stimmt. Auch oder vielleicht sogar vor allem bei dem glühenden Schalke-Fan. „Jede Vorstandssitzung beginnt um ‚Null vier nach‘ und auch im Training muss diese besondere Zahl so ausgesprochen werden“, lacht der Stadtangestellte, der nahezu kein Schalke-Spiel verpasst und auch mehrmals im Jahr in die Gelsenkirchener Arena fährt.

Bei all diesen Verpflichtungen kann es natürlich zu Überschneidungen kommen, aber da setzt Schlösser klare Prioritäten: „Tendenziell hat Fußball in Neu Sankt Jürgen Vorrang, die Vorstandsarbeit kann man aber auch flexibel einteilen, da gibt es kaum Probleme. Und wenn das große Reitturnier im August ansteht, dann lass ich ausnahmsweise auch mal ein Spiel ausfallen“, schmunzelt Schlösser.

So ist Marcus Schlösser nicht nur der lebende Beweis für die Wahrhaftigkeit bekannter Sprichwörter, sondern auch dafür, wie unterschiedlich man sich im Sport betätigen kann. Auch zeigt er, welch positive Auswirkungen solch eine Vielfalt haben kann: „Wenn wir mal ein Spiel verlieren, dann bin ich echt mies drauf. Bevor ich das aber an irgendjemandem auslasse, gehe ich einfach eine halbe Stunde in den heimischen Stall, tobe mich da bei der Arbeit aus und alles ist wieder okay“, grinst Marcus Schlösser – der Torwart auf vier Hufen.

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