Vor dem Finale der Rugby-WM wärmen die Kontrahenten Australien und Neuseeland ihre alte Rivalität auf Traditionelle Drohgebärden

London. Robbie Williams landete am Mittwoch in Neuseelands Hauptstadt Wellington. Seine Ankunft wäre an sich höchstens etwas für Klatsch-Reporter, doch es wurde eine große Sache daraus, weil Williams ein Trikot der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft trug.
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Von Tobias Schächter

Robbie Williams landete am Mittwoch in Neuseelands Hauptstadt Wellington. Seine Ankunft wäre an sich höchstens etwas für Klatsch-Reporter, doch es wurde eine große Sache daraus, weil Williams ein Trikot der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft trug. Flugs deutete die neuseeländische Presse dies als weiteren Beweis dafür, dass die „All Blacks“, so der Spitzname der heimischen Rugby-Auswahl, das WM-Finale in London gegen den Erzrivalen Australien in einer Disziplin schon gewonnen haben: „Die All Blacks haben die besten Celebrity Fans“, jubelte beispielsweise der New Zealand Herald.

Eine Woche kann sehr lang sein, insbesondere wenn sie auf ein sportliches Großereignis zuläuft. Da werden schon einmal unsinnige Ranglisten aufgestellt. Ein WM-Finale im Rugby ist Ereignis genug; über 80 000 Zuschauer werden im Twickenham-Stadium sein und viele Millionen vor den TV-Geräten. Aber in der Konstellation zwischen Australien und Neuseeland ist dieses Finale viel mehr. Wieder einmal ist ein WM-Endspiel ein Test für die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarn aus dem Pazifik. Der große Bruder vom riesigen Kontinent Australien gegen den kleinen Bruder von den zwei Inseln – das Verhältnis ist schwierig und nicht immer freundschaftlich. Und weil eine Woche lang ist, werden in beiden Ländern alle Geschichten wieder aufgewärmt, die dieses Duell zu mehr als einem Sportereignis machen.

Zurück geht die herzliche Abneigung im Sport vor allem auf ein Cricket-Spiel im Jahr 1981. Vom „Cricket-Krieg“ schrieben Zeitungen damals. Weil am Ende des seltsamen Spiels der australische Werfer – zwar legal, aber ziemlich unsportlich – mit einer bestimmten Wurftechnik den Neuseeländern die Chance genommen hatte, auszugleichen, kam es anschließend zu Faustkämpfen zwischen Anhängern beider Länder – und zu diplomatischen Verwicklungen. „Einen Akt der Feigheit“, nannte der damalige neuseeländische Ministerpräsident das Verhalten der Cricket-Cracks aus dem Nachbarland. Die Lage konnte erst wieder entschärft werden, nachdem der australische Premier die Aktion „einen großen Fehler“ nannte. Seither werden die sportlichen Aufeinandertreffen beider Länder immer wieder mit zum Teil hässlichen Sticheleien begleitet.

In dieser Woche zeigte der „Sydney Daily Telegraph“ den neuseeländischen Rugby-Kapitän Richie McCaw auf einem ganzseitigen Bild als „Made, die unseren Wallabies im Weg“ stehe. „Wallabies“ ist der Spitzname der australischen Spieler, die sich wiederum gemeinsam mit ihrem Trainer weigern, das Wort „All Blacks“ auszusprechen. Auch auf den offiziellen Seiten des australischen Rugby-Union-Verbandes wird der Markenname für Neuseelands Rugby-Heroen ignoriert. Dafür gibt es viel Hohn, auch von Landsleuten. Einer schrieb: „Nennt sie All Blacks! Wen interessiert’s! Zeigt keine Angst!“

Beide Teams können am Sonnabend zum dritten Mal den Titel gewinnen. Die WM wird seit 1987 alle vier Jahre ausgetragen. Die Neuseeländer gelten als leichter Favorit, die Mannschaft von Trainer Steve Hansen als die vielleicht beste All Blacks-Auswahl aller Zeiten. Nicht ablenken lassen wollen sie sich vom Abgang dreier ihrer besten Spieler: Kapitän Richie McCaw, Hakler Keven Mealamu und Verbindungshalb Dan Carter beenden nach dem WM-Finale ihre großen Karrieren. Während sich die Teams aus Europa (keines überstand das Viertelfinale) in der Gruppenphase verausgabten und viele Verletzte zu beklagen hatten, taten die All Blacks zu Beginn nur das Nötigste, überrannten Frankreich im Viertelfinale und gewannen im Halbfinale schließlich knapp und dreckig gegen Südafrika. Die Australier gelten als wilder und weniger berechnend, eine ihrer Stärken ist die Defensive.

Titelverteidiger Neuseeland gewann noch nie den WM-Titel außerhalb der eigenen Landesgrenzen. Das Land verlor zudem in diesem Jahr die Cricket- und die im Pazifik sehr populäre Netzball-WM sowie 2013 die Rugby-League-WM im Finale jeweils gegen: Australien. Im 13er-Rugby übrigens auch in England. Ob das ein schlechtes Omen für die All Blacks im 15er-Rugby-Team sein wird?

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