Große Namen wie Podolski sind gefragt

Transfer-Wahn in der Türkei

Istanbul. Am Sonnabend verkündete Fenerbahce Istanbul die Verpflichtung der niederländischen Torjägerlegende Robin van Persie von Manchester United. Fenerbahces neuer Sportdirektor Giuliano Terraneo aus Italien fädelte zuvor schon die Verpflichtungen des portugiesischen Nationalspielers Nani (ebenfalls von Manchester United), des dänischen Verteidigers Simon Kjaer (OSC Lille), des türkischen Torschützenkönigs Fernandao (Bursaspor), und dessen brasilianischen Landsmanns Souza (FC Sao Paulo) ein.
13.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Tobias Schächter
Transfer-Wahn in der Türkei

Podolski soll es richten.

Ulas Yunus Tosun, dpa

Am Sonnabend verkündete Fenerbahce Istanbul die Verpflichtung der niederländischen Torjägerlegende Robin van Persie von Manchester United. Fenerbahces neuer Sportdirektor Giuliano Terraneo aus Italien fädelte zuvor schon die Verpflichtungen des portugiesischen Nationalspielers Nani (ebenfalls von Manchester United), des dänischen Verteidigers Simon Kjaer (OSC Lille), des türkischen Torschützenkönigs Fernandao (Bursaspor), und dessen brasilianischen Landsmanns Souza (FC Sao Paulo) ein. Rechnet man die 4, 7 Millionen Euro Ablösesumme für van-Persie hinzu, stehen auf Fenerbahces Ausgabenliste für diese Spieler rund 22 Millionen Euro. Nach zwei Jahren Sperre durch die Uefa wegen der erkauften Meisterschaft 2011 will Vizemeister Fenerbahce nun wieder international reüssieren.

Die Transfermeisterschaft im Sommer ist ein Titel ohne Pokal in der Süperlig, Fans und Boulevardmedien fordern große Namen. Diese Sehnsucht wird diesen Sommer erfüllt. Lukas Podolski spielt künftig mit Galatasaray in der Champions-League. Ein Wechsel von Mario Gomez zu Galatasaray kam nicht zustande, weil der Stürmer laut Gala-Trainer Hamza Hamzaoglu zu viel Gehalt (fünf Millionen Euro) und dessen Klub AC Florenz zu viel Ablösesumme (neun Millionen Euro) forderte. Angeblich wirbt um Gomez auch Besiktas Istanbul, das den Hoffenheimer Andreas Beck gekauft und den ehemaligen Hoffenheimer Demba Ba nach China verkauft hat – und den Portugiesen Ricardo Quaresma vom FC Porto angeblich zurückholen will.

Immer wieder versuchen Provinzvereine die Vormachtstellung Istanbuls mit Transfers von vermeintlichen Stars zu brechen. Diesmal klotzt der Geschäftsmann und Klubpräsident Gültekin Gencer bei Antalyaspor. Den ehemaligen Barcelona-Zauberfuß Samuel Eto’o, 34, (von Sampdoria Genua) soll das neue Stadion (Kapazität: 33 000) in der Millionenmetropole am Mittelmeer füllen und noch mehr Touristen anlocken als ohnehin schon. Antalyaspor will „die Welt in Flammen setzten“, tönt Klubboss Gencer. Den Wechsel von Altstar Ronaldinho gab er aber wohlzu voreilig bekannt. Am Samstag meldeten brasilianische Medien,der ehemalige Nationalspieler wechsle in seine Heimat zu Fluminense FC nach Riode Janeiro.

Der Zirkus um die Verpflichtung der Stars lenkt von den dunklen Seiten des türkischen Fußballs ab. Statt die brachliegende Jugendarbeit aufzubauen, wird weiter auf große Namen und schnelles Geld gesetzt. Da ab der neuen Saison erstmals elf Ausländer in der Startelf erlaubt sind, wird die Entwicklung der eigenen Talente vermutlich noch mehr blockiert.

Der große Manipulationsskandal 2011 polarisiert, der türkische Fußballverband TFF bestreitet, dass 2011 Manipulationen stattgefunden haben – trotz der Verurteilung des damaligen Meisters Fenerbahce von der Uefa und dem Internationalen Sportgerichtshof in der Schweiz. Fenerbahce und sein Präsident Aziz Yildirim, der wegen der Bildung einer kriminellen Verbindung zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt ist, versuchen mit allen Mitteln, sich reinzuwaschen. Der Hagel knalliger Transfer-Eildepeschen, die aus allen Ecken Anatoliens und Istanbuls in die Welt gesendet werden, verdrängt den Blick auf die Schattenseiten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+