Bayern verpasst trotz des 2:1-Siegs über Atlético Madrid das Champions-League-Finale Traum vom Triple geplatzt

München. Pep Guardiola tigerte in seiner Coachingzone umher, seine blanke Kopfhaut reflektierte die Flutlichter der Münchner Arena. Ein Tor fehlte nur noch, nur eines, um doch noch ins Finale der Champions League am 28.
04.05.2016, 00:00
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Von Maik Rosner

Pep Guardiola tigerte in seiner Coachingzone umher, seine blanke Kopfhaut reflektierte die Flutlichter der Münchner Arena. Ein Tor fehlte nur noch, nur eines, um doch noch ins Finale der Champions League am 28. Mai einzuziehen. Doch mehr als die beiden Treffer von Xabi Alonso (31.) und Robert Lewandowski (74.) brachte der FC Bayern in diesem dramatischen Halbfinal-Rückspiel gegen Atlético Madrid nicht zustande. Und da Diego Simeones Gästeelf durch Antoine Griezmann zwischenzeitlich ausgeglichen (54.) und das Hinspiel vor einer Woche ja 1:0 gewonnen hatte, verpassten die Münchner mit Guardiola durch dieses 2:1 (1:0) wie schon 2014 und 2015 den Finaleinzug. Der Trainer wird sich nun im Sommer als Unvollendeter aus München verabschieden.

Auf all die Fragen, die dieses Halbfinale aufgeworfen hatte, waren nun Antworten gefunden worden. Auch auf jene nach der Aufstellung, die nach dem Verzicht auf Thomas Müller und Franck Ribéry im Hinspiel ja weitreichende Debatten nach sich gezogen hatte. Nun präsentierte Guardiola eine Formation, die ihm wohl nicht jeder zugetraut hätte. Denn seine Startelf kam ja nun daher wie das personifizierte Mia san mia, wie jene Selbstgewissheit, die den Klub in kniffligen Situationen schon oft zu Außergewöhnlichem befähigt hatte. Müller und Ribéry waren nun von Beginn an dabei, Abwehrchef Jérôme Boateng drei Tage nach seinem Comeback ebenfalls. Thiago Alcántara, Guardiolas Liebling, saß dafür diesmal ebenso wie Kingsley Coman zunächst auf der Bank.

Mehr Münchner Wucht und Wille als Guardiolas Faible für feinfüßige Kombinationen verkörperte diese Startelf. Und so trat die Mannschaft auch auf, mit forschen Angriffen und weniger Klein-klein als üblich. Nennenswerte und wirklich gefährliche Torchancen waren zunächst aber nicht zu bestaunen. Dafür ein halber Seitfallzieher von Müller und ein Distanzschuss von Arturo Vidal, die aber ebenfalls nicht für größere Turbulenzen in Atléticos Abwehr sorgen konnten.

Angeleitet wurde Madrids Defensive wie die der Münchner wieder vom Abteilungsleiter, in Atléticos Fall also vom im Hinspiel noch verletzt fehlenden Diego Godín. Über zu wenig Beschäftigung konnte sich der Nationalspieler aus Uruguay nicht beklagen. Doch erst ein langer Diagonalball von Boateng brachte Godín und Kollegen erstmals ernsthaft in Verlegenheit. Müller legte volley quer, Robert Lewandowski schloss ebenso direkt ab, doch Torwart Jan Oblak hatte den Winkel geschickt verkürzt und konnte abwehren.

Dennoch agierten die Münchner nun zunehmend zwingend, und der Lohn stellte sich auf eine für dieses hochintensive Spiel typische Weise ein. Keine feine Kombination ging dem 1:0 voraus, sondern ein Freistoß aus 18 Metern. Alonso trat diesen direkt und hatte das Glück, dass José María Giménez den Ball mit der Innenseite seines Oberschenkels abfälschte und Oblak keine Abwehrchance ließ. Und Giménez war es auch, der kurz nach dem Rückstand Javier Martínez im Strafraum umriss. Oblak allerdings parierte den Foulelfmeter von Müller (34.), ebenso den Nachschuss von Alonso.

Dramatisch und packend ging es nun zu, und in dieses Bild fügte sich ein Handgemenge zwischen Atlético-Coach Diego Simeone und Ribéry, die sich mit ihren Griffen an den Kragen des jeweils anderen ganz gut in einen mittelmäßigen Western hineindenken ließen. Der erste nennenswerte Schuss der zweiten Halbzeit ging allerdings aus Münchner Sicht nach hinten los. Einen langer Ball von Boateng kam wie ein Bumerang zurück und verwandelte sich in einen der seltenen Konter Atléticos. Fernando Torres steckte auf Griezmann durch, der Franzose lief allein auf Torwart Manuel Neuer zu und schoss kühl zum Ausgleich ein. Ein Schock für die Bayern, von dem sie sich nur langsam erholten. Dann aber schlugen sie zurück. David Alaba flankte von links, Arturo Vidal legte per Kopf vom zweiten auf den ersten Pfosten quer und Lewandowski nickte den Ball über die Linie. Nun waren das Mia san mia wieder zu erkennen, genauso Wucht und Wille. Erst recht nach dem zu Unrecht und von Neuer parierten Foulelfmeter von Torres (84.). Doch das nötige 3:1, es blieb aus.

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