Ein ausgewogenes Frühstück bietet einen guten Start in den Tag – und hilft, Unfälle zu vermeiden

Treibstoff fürs Gehirn

Bonn. Morgens braucht der Körper einen kräftigen Energieschub, um nach der nächtlichen Ruhephase hochfahren zu können – also: her mit dem Frühstück! Das macht fit für den Tag und liefert auch dem Gehirn Treibstoff. „Alle, die morgens ohne Essen aus dem Haus gehen, sind in der Regel unkonzentrierter“, sagt Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE).
28.09.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Sebastian Krüger und Sabine Meuter

Bonn. Morgens braucht der Körper einen kräftigen Energieschub, um nach der nächtlichen Ruhephase hochfahren zu können – also: her mit dem Frühstück! Das macht fit für den Tag und liefert auch dem Gehirn Treibstoff. „Alle, die morgens ohne Essen aus dem Haus gehen, sind in der Regel unkonzentrierter“, sagt Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Ein Morgen ohne Mahlzeit birgt Risiken.

„Unfällen im Straßenverkehr gehen häufig Unfälle am Frühstückstisch voraus“, sagt Günter Wagner, Ernährungswissenschaftler vom Deutschen Institut für Sporternährung (DiSE). Wer ganz ohne Frühstück seinen Tag beginnt, erhöhe seine Unfallgefahr, da Reaktionsvermögen und Konzentration auf leerem Magen deutlich eingeschränkt seien. Er beklage eine zunehmende Tendenz, nicht ordentlich zu frühstücken. Der Treibstoff für die grauen Zellen sei Glukose, so Wagner. Im Schlaf leert der Körper die Glukosespeicher, sodass die geistige Leistungsfähigkeit morgens vermindert ist. Nur ein energiereiches Frühstück könne die Speicher morgens wieder auffüllen. Ein Blick auf die Zahlen verrät mehr: Das Gehirn macht nur zwei Prozent der Körpermasse aus, verbraucht jedoch 20 Prozent des täglichen Energiebedarfs. Im Laufe des Tages empfiehlt Wagner, viele kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, um eine anhaltende Energiezufuhr zu gewährleisten und Heißhunger zu vermeiden. „Clever is(s)t, wer öfter isst“, sagt er. Optimal sei für Wagner ein süßes Frühstück, wie etwa Brot mit Honig oder Konfitüre. Der süße Aufstrich gebe dem Körper Energie, die schnell verfügbar ist, jedoch auch schnell verbraucht wird. Das Getreide im Brot ­biete ergänzend langanhaltende Energie. Bei einem Müsli mit Früchten sei es ähnlich. „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages“, betont der Ernährungswissenschaftler.

Die Mischung macht‘s

„Lebensmittel mit Kohlenhydraten sind am Morgen genau das Richtige, weil sie kurz- und mittelfristig Energie liefern“, sagt auch die Ernährungsexpertin Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das kann das klassische Brot sein, aber auch ein Müsli, ein Frühstücksbrei wie etwa Porridge oder auch ein Milchmixgetränk mit Banane und Haferflocken. „Beim Brot ­sollte es möglichst die Vollkornvariante sein, das macht länger satt“, ergänzt Graf.

Zum Brot gehören Butter oder Margarine und Aufschnitt. Eine ideale Ergänzung sind Obst, Gemüse sowie fettarme Milch, ­Joghurt, Quark und Frischkäse. „Was sich jeder Einzelne daraus für ein gesundes Frühstück zusammenstellt, ist ihm selbst überlassen“, erklärt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED). Hinzu kommen je nach Vorliebe Kaffee, Tee, Saft oder Wasser. Süßigkeiten, Kuchen oder Limonaden haben auf dem Frühstückstisch nichts zu suchen. „Sie liefern dem Körper zwar Energie, aber wenige bis keine Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente“, sagt Morlo.

Es gibt aber auch regelrechte Frühstücksmuffel. Das sind jene, die morgens, bevor sie aus dem Haus gehen, keinen Bissen ­herunterkriegen. Sie sollten wenigstens versuchen, etwas zu trinken, raten Experten. Das kann Fruchtsaft oder ein Smoothie sein, aber auch Milch oder Kakao. „Das Flüssige rutscht besser und liefert genügend Energie und Nährstoffe für einen guten Start in den Tag“, erklärt Morlo. Wer nicht gleich morgens Hunger oder Appetit hat, kann sich etwas Essbares für später mitnehmen. Auch das spätere Frühstück sollte aus Brot, ­Müsli, Obst, Gemüse, Joghurt oder Quark bestehen. Frühstücksmuffel können sich selbst austricksen, indem sie zum Beispiel am Vorabend etwas vorbereiten. Mundgerecht geschnittenes Gemüse auf einem Teller angerichtet, macht vielleicht am nächsten Morgen Lust auf Essen.

Auch Kinder brauchen Energie

Besonders wichtig ist morgendliches Essen für Kinder. Schüler, die gefrühstückt haben, sind leistungsfähiger, reaktionsschneller und ermüden nicht so schnell. Ein Forscherteam um die Wissenschaftlerin Hannah Littlecott von der Cardiff University in Wales fand in einer Studie mit rund 3000 Schülern zwischen neun und elf Jahren heraus, dass jene, die regelmäßig frühstücken, bessere Leistungen erbringen als Mitschüler, die das Frühstück auslassen. Dabei zeigte sich auch, dass ein aus ungesunden Snacks wie Süßigkeiten bestehendes Frühstück keinen positiven Einfluss auf schulische Leistungen hat. Für Kinder sollte es ein erstes Frühstück zu Hause sowie ein zweites Frühstück in der Kita beziehungsweise Schule geben, rät Graf. So erhalten sie genügend Energie für den Alltag.

Wagner betont, dass wissenschaftliche Empfehlungen bezüglich der Ernährung generell für alle Menschen gelten würden. So rät er dazu, etwa 2,5 Liter Wasser am Tag zu trinken. Das gewährleiste nicht nur ein gesundes Funktionieren der Organe, sondern unterstütze auch die Grauen Zellen bei der Denkarbeit. Ebenso empfiehlt er drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst für den täglichen Speiseplan. „Das halten aber nur die wenigsten ein“, sagt er. Dennoch gebe es Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So würden sich mit dem Alter auch die ­Bedürfnisse wandeln, sagt Wagner. Eltern müssten bedenken, dass Kinder und Jugendliche viel Kalzium für einen gesunden Knochenbau im späteren Leben benötigen. Auch bei Senioren könnten bestimmte Probleme vorliegen. Wenn nicht mehr jede Art von Nahrung gut gekaut werden kann, empfiehlt Wagner mehr Flüssigkeit. Auch Verdauungspro­bleme oder Medikamente könnten Faktoren bei der Ernährung sein.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+