Hannover kommt mit den widrigen Bedingungen besser klar und besiegt Hoffenheim 2:0

Triumph der Schneekinder

Hannover. Seine Erklärung für den gelungenen Auftritt war gewohnt simpel. Im Februar geboren, schon immer gerne im Schnee gespielt: „Ich bin ein Schneekind“, sagte Niclas Füllkrug, der wieder einmal als Held von Hannover 96 in Erscheinung getreten war Wie ein sehr robuster und klassischer Mittelstürmer hatte der Ex-Werderaner den Niedersachsen den Weg zum sechsten Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga geebnet.
11.12.2017, 00:00
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Von Christian Otto
Triumph der Schneekinder

Spaß im Schnee: 96-Stürmer Niclas Füllkrug bejubelt seinen Führungstreffer gegen Hoffenheim.

nordphoto / Ewert, nordphoto

Hannover. Seine Erklärung für den gelungenen Auftritt war gewohnt simpel. Im Februar geboren, schon immer gerne im Schnee gespielt: „Ich bin ein Schneekind“, sagte Niclas Füllkrug, der wieder einmal als Held von Hannover 96 in Erscheinung getreten war Wie ein sehr robuster und klassischer Mittelstürmer hatte der Ex-Werderaner den Niedersachsen den Weg zum sechsten Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga geebnet. Füllkrugs Treffer (59.) und ein Tor des für ihn eingewechselten Martin Harnik (85.), ebenfalls ein Ex-Werderaner, ergaben in der Gesamtabrechnung einen 2:0-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim. Was Hannover jubeln ließ, war im dichten Schneetreiben unter fast irregulären Bedingungen zustande gekommen. Mit dem Anpfiff hatte starker Schneefall eingesetzt und ein normales Fußballspiel eigentlich unmöglich gemacht.

Die Wechselspiele, die sich Hannovers Cheftrainer André Breitenreiter aus taktischen Gründen erlaubt, sind nicht frei von Risiken. Einen stämmigen Angreifer wie Füllkrug ins Sturmzentrum zu platzieren, ist eine logische Personalie. Dass aber der zuletzt mal formschwache, mal erkältete Harnik nicht mehr der Stammformation angehört, lässt aufhorchen. Auf Harniks Tore war bisher immer Verlass.

Dass er sich seinen Ruhm mit dem unbekümmerten Füllkrug teilen muss und gegen Hoffenheim zunächst sogar Charlison Benschop als zweiter Stürmer auflaufen durfte, kann ihm keinen Spaß machen. Aber die von Breitenreiter angeordnete Arbeitsteilung machte sich bezahlt. Als Füllkrug mit Applaus abtrat und Hoffenheim auf den Ausgleich drängte, stellte Harnik seine Klasse unter Beweis. Mit vereinten Kräften gelang es, eine Energieleistung zu krönen. „Ich bin stolz auf unsere Mannschaft. Sie hat alles reingehauen“, meinte 96-Sportdirektor Horst Heldt.

Hoffenheims Cheftrainer Julian Nagelsmann und sein Kollege Breitenreiter finden großen Gefallen daran, aus ihren Teams mit Hilfe flexibler Spielsysteme mehr als das Normale herauszukitzeln. Aber den Unterschied an diesem winterlichen Tag machte aus, dass Hannover 96 auf Anordnung von Breitenreiter den schönen Kombinations-Fußball weitgehend einstellte. Nach der Halbzeitpause, als der Rasen vor lauter Schnee kaum noch zu sehen war, hatte sich der Gastgeber um eine verstärkte Präsenz in der Luft bemüht.

Beiden Treffern waren hohe Hereingaben vorausgegangen. Weniger Risiko, anderer Spielstil – mit diesem Worten umschrieb Torschütze Füllkrug das, was am Ende gut geklappt hatte. 96 hat sich in zwei Szenen konsequent durchgesetzt. Dass die TSG in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft war, mochte hinterher niemand bestreiten. „Aber bei dem Geläuf ist es schwer, nach einem Rückstand zurückzukommen“, gestand Nagelsmann.

Auch wenn Hannover 96 sportlich auf einem sehr guten Weg ist: Die Stimmung rund um den Heimsieg war nicht nur wegen der winterlichen Temperaturen frostig geblieben. Ein Teil der Fans feindet weiterhin 96-Präsident Martin Kind an, dessen Führungsstil und Weiterentwicklung des Vereins nicht jeden Geschmack treffen. Dass der harte Kern der Anhänger weiterhin keinen Beitrag zu guter Stimmung im Stadion leisten will, bleibt ein dauerhaftes Streitthema. „Der Stimmungsboykott der Ultras vergrößert die Distanz zwischen Mannschaft und Fans“, findet Torjäger Harnik. Er hat eine klare Meinung zu den Turbulenzen abseits des Platzes, fühlt sich aber als Schlichter nicht zuständig. Die Mannschaft sorgt als starkes Kollektiv und erstaunlichen Ergebnissen dafür, dass der Sport nicht in den Hintergrund rückt.

Mit dem Sieg gegen die TSG Hoffenheim ist Aufsteiger Hannover ein weiterer Erfolg gegen einen ambitionierten Ligarivalen gelungen. Um das zu ermöglichen, wurde auf dem rutschigen Untergrund alles gegeben. „Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nie so viel gegrätscht wie heute“, berichtete Ballverteiler Pirmin Schwegler. Die vielen Rutschpartien im Mittelfeld und hohen Hereingaben wurden am Ende belohnt.

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