Fußball Kreisliga

TuS Heidkrug nutzt die Gunst der Stunde

Die Delmenhorster setzten sich im Meisterschaftskampf durch und steigen in die Bezirksliga auf. Aus der Liga verabschieden sich der SV Achternmeer und der Delmenhorster TB.
20.06.2019, 12:28
Lesedauer: 6 Min
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Von Ralf Kilian
TuS Heidkrug nutzt die Gunst der Stunde

Der TuS Heidkrug spielt mit einer ausgeglichen besetzten Mannschaft eine konstant starke Saison und bejubelt am Saisonende die Meisterschaft und den Aufstieg.

INGO MÖLLERS

Delmenhorst. Wie geht man als ambitionierte, aber nicht übermäßig talentierte Mannschaft eine Saison ohne großen Favoriten an? Man präsentiert sich durchweg als geschlossene Einheit mit einem auch qualitativ breiten Kader, modifiziert seine Spielweise und baut sich damit ein Polster auf, dem die anderen Klubs immer nur hinterherhecheln können. Am Ende geht man als unerwarteter Meister durchs Ziel. Genau so hat es der TuS Heidkrug praktiziert. Die Männer vom Bürgerkampweg haben die Gunst der Stunde genutzt und sind konzentriert in die Bezirksliga marschiert. „Wir hatten diese Saison 30 Endspiele“, erklärte Trainer Selim Karaca nach getaner Arbeit die Herangehensweise und absolute Fokussierung auf jede einzelne Partie.

Heidkrug profitierte davon, dass sich der Ahlhorner SV mit zahlreichen hochkarätigen Neuzugängen erst finden musste und dass der Kader des SV Atlas Delmenhorst II zu sehr auf Kante genäht war. Der Harpstedter TB, mit einer ähnlichen Struktur wie der TuS ausgestattet, litt unter miesen Trainingsbedingungen. Großenknetens Höhenflug endete auch aufgrund von Personalsorgen in der Rückrunde abrupt. Der VfR Wardenburg halste sich durch seine Erfolge im Bezirkspokal ein nicht zu stemmendes Programm auf. Heidkrug war der große Nutznießer. Diese Fakten berücksichtigte Karaca in seiner Rückschau. Doch er hat dennoch Recht mit der Feststellung: „Wer am Ende oben steht, hat es auch verdient.“

Konstanz setzt sich durch

Das ist belegt durch einige Statistiken: Heidkrug stellt die beste Heim- und Auswärtsmannschaft, zehrte als Herbstmeister mit der zweitbesten Rückrundenbilanz von seinem Sieben-Punkte-Vorsprung auf Ahlhorn und gab die Tabellenführung, die man im ersten Saisondrittel im Wechsel mit dem TSV Großenkneten schon sechsmal innehatte, ab dem 13. Spieltag nicht mehr ab. Die einzige Niederlage dieser Saison – ein 0:1 in Großenkneten durch einen 50-Meter-Schuss von Mattis Asche – war bei damals 15 ausgefallenen Spielern kein Beinbruch. Die Pleite von Großenkneten war die einzige Begegnung ohne eigenen Torerfolg, dafür stand hinten zehnmal die Null. Und obwohl der beste Torschütze Luca Reinhold (18 Saisontreffer) erst auf Platz acht der Torschützenliste auftaucht, gelangen dem TuS stattliche 101 Tore. Geschlossenheit war Trumpf. Oder, wie es Huntlosens Trainer Maik Seeger ausdrückte: „Denen können auch mal zehn Spieler fehlen, und sie spielen trotzdem noch wie ein Meister.“

Besonders galt dieses Meisterliche für die Heimspiele. Noch zu Ostern 2018 hatte Karaca frustriert gemutmaßt: „Wenn wir tatsächlich mal Meister werden wollen, müssen wir schon im Herbst uneinholbar vorne liegen.“ Anlass war ein weiteres verbocktes Heimspiel auf schwer bespielbarem Boden am Bürgerkampweg. In der jetzt abgelaufenen Spielzeit war auch der Wettergott ein Heidkruger, sorgte mit ganz wenig Niederschlägen für gute Platzverhältnisse, auf denen technisch gute Fußballer den Ball laufen lassen konnten. Zumal Karaca im Vergleich zum Vorjahr auch die Spielweise umgestellt hatte: weg vom Konterfußball und hin zu mehr Ballbesitz. Gegen die fünf Verfolger holte der TuS auf eigener Anlage optimale 15 Punkte und beeindruckende 18:5 Tore.

Jede dieser Partien hatte seine eigene Geschichte. „Gegen Ahlhorn (2:1, die Red.) hätten wir allerdings niemals gewinnen dürfen, die waren viel besser als wir. Und gegen Harpstedt (5:1, die Red.) haben wir nur durch Torwartfehler bis zur Nachspielzeit lediglich mit 2:1 geführt“, weist Karaca auf das nötige Spielglück hin. Dieses ergibt sich wiederum auch aus einer gehörigen Portion Selbstvertrauen. Und dieses Gefühl hatten die Heidkruger nach dem furiosen 5:2 nach 0:2-Pausenrückstand gegen die Atlas-Reserve. Atlas II galt bis dahin als Topfavorit, aber an diesem Abend gelang den Heidkrugern alles. Und auf dieser Wolke schwebten sie fast durch die komplette Saison.

Ahlhorner SV mit Fehlstart

In Ahlhorn bestieg man diese Wolke erst am siebten Spieltag. „Danach habe ich die Mannschaft komplett umgekrempelt. Ich habe mein gesamtes Mittelfeld als Viererkette zurückgezogen“, schildert Ahlhorns Trainer Servet Zeyrek den Umschwung. Bis dahin hatte sich seine Mannschaft ein 0:4 gegen den FC Huntlosen, ein 5:6 beim SV Achternmeer und eine 0:5-Klatsche in Harpstedt gegönnt, dazu kam das Pokal-Aus beim SV Tur Abdin II aus der 2. Kreisklasse. Mit dem damals überraschenden 2:0 gegen Atlas II nahm Ahlhorn Fahrt auf, verlor nur noch einmal unglücklich in Heidkrug und blieb die letzten 18 Partien ungeschlagen. Dabei gab es 16 Siege, Heidkrugs Vorsprung schmolz langsam, aber sicher dahin. Doch ein äußerst unglückliches Eigentor vom ansonsten so sicheren Mirsad Stublla kurz vor Schluss gegen Atlas II (Endstand 1:1) und vier Tage später ein erneutes 1:1 gegen Heidkrug ließen die Titelträume platzen.

Ebenfalls schon im vergangenen Herbst hatte man sich beim SV Atlas II weitgehend von seinen Aufstiegshoffnungen distanziert. Ähnlich wie Ahlhorn patzte die Oberliga-Reserve in Spitzenspielen (Heidkrug, Ahlhorn und auch Großenkneten) und dann auch gegen Underdogs wie den TSV Ganderkesee oder den TV Jahn. Die beiden Torjäger aus zwei Generationen, Dominik Entelmann und Emiljano Mjeshtri, holten sich zwar gemeinsam mit Dötlingens Shqipron Stublla die Torjägerkrone und zerlegten an guten Tagen jede Abwehr. Aber besonders Rohdiamant Mjeshtri hätte bei der Vielzahl an Möglichkeiten auch weit über 40 (statt 28) Buden machen können. Die ganze Mannschaft litt unter oft fehlendem Killerinstinkt, dazu klemmte gegen die Kontertaktik der tief stehenden Gegner oft der Rückwärtsgang. Generell fehlte den Blau-Gelben eine gute Auswechselbank.

Nachdem der Harpstedter TB am vorletzten Spieltag mit dem 0:1 gegen Heidkrug seine immer noch vorhandenen Titelpläne hatte abhaken müssen, kündigte Trainer Jörg Peuker umgehend an: „In der nächsten Saison sind wir mal dran.“ In Harpstedt hat man eine vergleichbar gute Jugendarbeit wie beim Meister, zudem ist Peuker ein ähnlich akribischer Tüftler wie Karaca und hat mit Matthias Kaiser einen aufstiegserfahrenen Partner an seiner Seite. Doch in Harpstedt hat man ein Problem: Die Platzsperren der Gemeinde. Die werden gerne mal von Mitte November bis Mitte März verhängt, in dieser Zeit sieht kein HTBer das heimische Grün. Die Folge: Harpstedt gilt durch viele Trainingseinheiten in der Halle zwar immer als Mitfavorit beim Futsal. Doch wenn es zum Start der Rückrunde wieder nach draußen geht, fällt die Umstellung schwer. „Ich hatte das Gefühl, dass die Jungs mit den Ausmaßen des Platzes große Probleme hatten“, erklärte Peuker nach dem 0:4 in Wardenburg Mitte März, danach folgte unmittelbar ein 1:2 in Ahlhorn (Gegentor in der 94. Minute). Anschließend war trotz acht Siegen am Stück nichts mehr zu erben.

Breites Mittelfeld

In Großenkneten und Wardenburg langte es jeweils für eine sehr gute und eine nur mittelmäßige Halbserie. Die Knetener zierten immerhin fünfmal die Tabellenspitze, doch im Frühjahr 2019 machte sich der zu kleine Kader bemerkbar - festzumachen an Torjäger Mattis Asche, der seine 20 Saisontore fast ausschließlich in der Hinrunde feiern durfte. In Wardenburg bejubelte und verfluchte man gleichzeitig die Erfolge im Bezirkspokal. Trainer Sören Heeren zählte zwischenzeitlich 13 Englische Wochen, Training war nur sehr eingeschränkt möglich. Deshalb kamen nur fünf der insgesamt 30 eingesetzten Akteure auf mehr als 2000 Einsatzminuten in der Liga – möglich wären 2700 gewesen.

Hinter dem VfR auf Platz sechs klafft zum TV Munderloh eine Lücke von 19 Punkten. Auf Rang sieben beginnt das Mittelfeld, wo sich hinter dem TVM mit dem TSV Ganderkesee (absolutes Highlight war der Kreispokalsieg), dem besonders im Herbst überzeugenden Aufsteiger TuS Hasbergen und mit dem in der Rückrunde starken FC Huntlosen durchaus zufriedene Mienen finden. Für die restlichen fünf Vereine gilt jedoch: Alle wären im Vorjahr sang- und klanglos abgestiegen.

Desaströse Absteiger

Damals hätten dem Vorletzten aus Ahlhorn 30 Punkte nicht gereicht, wenn nicht der TSV Ippener zurückgezogen hätte. Schlusslicht Berne holte immerhin mit 28 Zählern noch vier Punkte mehr als jetzt der TV Jahn auf Position zwölf. Die damalige Leistungsdichte ist auch dadurch nachgewiesen, dass Berne ein Torverhältnis von minus 12 hatte. Dieser Wert wurde jetzt von allen deutlich unterboten, die beiden Absteiger Achternmeer (-82) und Delmenhorster TB (-80) disqualifizierten sich auch durch ihre unterirdischen Torquoten.

Annähernd zufrieden sein darf nur Rot-Weiß Hürriyet, weil der Aufsteiger in der Rückrunde (Platz zehn) starke Leistungen zeigte. Beim punktgleichen TV Jahn fiel die Leistungskurve mit zwischenzeitlich 15 Spielen – oder exakt sieben Monaten – ohne Sieg klar Richtung Kreisklasse. Beim TV Falkenburg bejubelte man den Klassenerhalt durch ein abschließendes 6:1 gegen Ganderkesee. Der Aufsteiger war ohne große Erwartungen in das Abenteuer Kreisliga gestartet und bestand es letztlich, weil Achternmeer und der DTB noch schwächer waren. Besonders beim Turnerbund war man am Ende der Saison erleichtert. So einen Absturz hätte man nach starkem Frühjahr 2018 niemals erwartet, doch der im Sommer eingeleitete Umbruch ging völlig daneben.

Bei mancher Kritik an den Leistungen der Kreisligisten darf man nicht vergessen, dass die Meister aus Delmenhorst und umzu in den vergangenen Jahren immer sofort im Bezirk mithalten konnten. Noch vor fünf Jahren waren mit dem VfL Wildeshausen, Tur Abdin und Absteiger TV Jahn nur drei hiesige Vereine in der Bezirksliga unterwegs. Mittlerweile spielt Atlas in der Oberliga, Wildeshausen ist gerade in die Landesliga aufgestiegen und Tur Abdin bekam nach und nach konkurrenzfähige Gesellschaft mit dem VfL Stenum, dem FC Hude (zwischenzeitlich 2017 Rekordabsteiger mit 39 Punkten), dem SV Baris und jetzt dem TuS Heidkrug. Der Unterbau hierzulande funktioniert.

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