Delmenhorster TB droht im Sommer eine Abwanderungswelle / Haake-Nachfolge soll intern geregelt werden Überall Baustellen

Nach dem Abstieg im Jahr 2013 wollte der Delmenhorster TB innerhalb von zwei Jahren in die Fußball-Kreisliga zurückkehren. Mittlerweile sieht es allerdings eher danach aus, als müsste sich der Traditionsklub auf eine schwierige Zukunft in der 1. Kreisklasse einstellen. Nicht nur Trainer Andre Haake, auch mehrere Spieler wollen im Sommer gehen.
21.02.2015, 00:00
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Überall Baustellen
Von Christoph Bähr

Nach dem Abstieg im Jahr 2013 wollte der Delmenhorster TB innerhalb von zwei Jahren in die Fußball-Kreisliga zurückkehren. Mittlerweile sieht es allerdings eher danach aus, als müsste sich der Traditionsklub auf eine schwierige Zukunft in der 1. Kreisklasse einstellen. Nicht nur Trainer Andre Haake, auch mehrere Spieler wollen im Sommer gehen.

Sie jubelten ausgelassen, tobten über den Kunstrasen in der Stadionhalle und präsentierten stolz den Siegerpokal. Ihren überraschenden Sieg beim Hallenturnier um den Delme-Cup feierten die Fußballer des Delmenhorster TB Mitte Januar gebührend. Einen Monat später hat sich die Stimmungslage beim viertgrößten Verein der Stadt allerdings komplett gedreht. Grund zum Jubeln gibt es beim DTB aktuell nicht mehr. Trainer Andre Haake geht im Sommer ebenso wie mindestens vier Spieler. Diverse weitere Akteure sind auf dem Absprung. Die Wunschkandidaten für Haakes Nachfolge Holger Timme und Stefan Rohde sagten ab. „Die Fußball-Abteilung ist momentan eine einzige Baustelle“, stöhnt der Vereinsvorsitzende Erich Meenken.

Am vergangenen Sonntag fuhr der Klubchef nach Stuhr, um zumindest etwas Klarheit zu schaffen. Der DTB gewann ein Testspiel beim TV Stuhr II (2. Kreisklasse) mit 7:1, und Meenken nutzte die Gelegenheit für Gespräche mit den Spielern. „Das ist vielleicht etwas spät passiert, aber noch nicht zu spät“, sagt er. Als der DTB-Chef wissen wollte, wer im Sommer definitiv den Verein verlässt, hoben vier Akteure die Hand. Mindestens drei von ihnen wollen zum SV Atlas Delmenhorst II gehen.

Daneben gebe es einige „Wackelkandidaten“, die mit einem Wechsel liebäugeln, berichtet Meenken. „Vielleicht geht der ein oder andere noch einmal in sich und bleibt doch bei uns“, hofft er. Es scheint aber wahrscheinlich, dass eher noch mehr DTB-Spieler den Gang zur Atlas-Reserve antreten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Personalie Holger Timme. Er und Stefan Rohde sollten ab Sommer ein Trainerduo beim Turnerbund bilden. Haake hatte seinen Abschied angekündigt, auch weil er mit der Einstellung der Mannschaft und der Unterstützung vom Verein nicht zufrieden ist. Co-Trainer Michael Zoll lässt seine Zukunft noch offen.

Die alten DTBer Timme und Rohde wären die perfekten Nachfolger gewesen und signalisierten in einem ersten Gespräch durchaus Interesse. Nach diesem Treffen passierte aber rund einen Monat lang nichts, auch weil Thomas Benthien, der Fußball-Abteilungsleiter des DTB, erkrankt ausfiel. In der Zwischenzeit nahm Timme das Angebot des SV Atlas an, wo er ab der kommenden Saison für die zweite Mannschaft verantwortlich ist. Rohde wollte den Turnerbund nicht alleine trainieren und sagte ebenfalls ab. „Ich hätte es gerne gemacht, aber nur mit Holger zusammen“, betont der derzeitige Coach des SC Colnrade. Somit gingen die Wunschkandidaten dem DTB wegen unglücklicher Begleitumstände durch die Lappen.

Timme versicherte nach seiner Vorstellung beim SV Atlas zwar, keine Spieler vom DTB gezielt abzuwerben. Wenn sich allerdings jemand von sich aus meldet, sagt der SVA nicht nein. Dass die Atlas-Reserve, die zurzeit in der 2. Kreisklasse auf Rang sechs liegt, für einige attraktiver ist als die erste DTB-Mannschaft kann Meenken nicht nachvollziehen. „Es ist heutzutage leider nicht mehr so, dass Leute zu ihrem Verein stehen. Es hat einen Wertewandel gegeben“, konstatiert der Klubvorsitzende. „Wenn es in der 1. Kreisklasse nur noch um materielle Bedürfnisse geht, ist das traurig.“ Talente aus dem eigenen Nachwuchs, die die Abgänge kompensieren könnten, gibt es beim Turnerbund nicht. Aus der A-Jugend würde nur Mesut Yilmaz in den Herrenbereich aufrücken. Der torgefährliche Stürmer läuft jetzt schon regelmäßig in der 1. Kreisklasse auf, hat laut Meenken aber bisher keine Zusage für die kommende Saison gegeben.

Als Tabellensechster mit 15 Punkten Rückstand auf den ersten Aufstiegsplatz kann sich der Delmenhorster TB schon auf eine weitere Spielzeit in der 1. Kreisklasse einrichten, dabei sollte nach dem Kreisliga-Abstieg 2013 der Wiederaufstieg eigentlich innerhalb von zwei Jahren gelingen. Dieses Ziel gab damals noch Thomas Luthardt aus, inzwischen leitet dieser jedoch nicht mehr die Fußball-Abteilung des DTB, sondern die des SV Atlas. Bei seinem alten Klub hinterließ der gut vernetzte Funktionär eine große Lücke.

Zu den Problemen im Herrenbereich kommen jetzt auch noch mehrere Fragezeichen in der Jugendabteilung dazu. Ob die SG JDH, die Spielgemeinschaft mit dem TV Jahn und dem TuS Hasbergen, fortgeführt werden soll, überlegen die DTB-Verantwortlichen gerade. Spätestens bis zur Jahreshauptversammlung des Vereins am 27. März soll diese Frage laut Meenken geklärt sein. Auf der Suche ist der Vorsitzende zudem nach Jugendtrainern, weil einige Übungsleiter aufhören wollen. Auch einen Ersatz für den Platzwart Klaus Meyer braucht der Turnerbund.

Um seine Aufgabe ist Erich Meenken derzeit also wahrlich nicht zu beneiden. Wenn sich die DTB-Fußballer am 9. März zu ihrer Jahreshauptversammlung treffen, dürfte die Stimmung nicht gerade rosig sein. Meenken sagt, er wolle alles versuchen, um in den kommenden Wochen die Weichen für die Zukunft zu stellen. „Wir werden für die erste Herren adäquat personell nachlegen“, gibt sich der Klubchef kämpferisch und fügt hinzu: „Irgendwie geht es immer weiter.“ In Sachen Haake-Nachfolge zeichnet sich laut Meenken immerhin bereits eine Lösung ab: „Wir haben eine interne Regelung im Blick.“

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