wort zum montag Überdacht

Klar, jetzt ist EM und die meisten Leute gucken Fußball. Ist ja auch in Ordnung.
13.06.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Überdacht
Von Ruth Gerbracht

Klar, jetzt ist EM und die meisten Leute gucken Fußball. Ist ja auch in Ordnung. Aber bevor die deutsche Mannschaft am Sonntagabend ins Turnier eingestiegen ist, gab es noch andere Sportevents, die ein paar Zuschauer mehr vor dem Fernseher verdient hätten. Tennis in Stuttgart zum Beispiel. Philipp Kohlschreiber gegen den aufstrebenden Österreicher Dominic Thiem. Ein Deutscher gegen einen Österreicher im Finale. Solche Duelle lieben wir doch. Vielleicht wird es so spannend wie einst die Partien Boris Becker gegen Thomas Muster. Deutschland gegen Österreich elektrisiert schließlich nicht nur im Fußball.

Doch was passiert? Regen. Schon die ganze Woche musste improvisiert werden, weil in Süddeutschland bekanntlich norddeutsches Schietwetter herrschte. Auch am Finaltag. Die Sonne hatte sich nur ab und an in Stuttgart blicken lassen. Zum Beispiel am vergangenen Dienstag, als der erstmals in Stuttgart aufspielende Rasenkönig Roger Federer ein Showmatch gegen Tommy Haas in 60 Meter Höhe auf dem Dach eines Hochhauses bestritt.

Tennis auf dem Dach – leider nicht unter’m Dach, entfährt es einem sofort. Um einen spektakulären Gag zu präsentieren, werden alle Superhirne eingeschaltet, aber ans nächstliegende wie ans Wetter denkt mal wieder keiner. Dabei wusste schon meine Oma, was im Leben wichtig ist: „Hauptsache ein Dach über’m Kopf. Da haben wir‘s warm und trocken.“ Gilt auch heute noch. Wie es ist, kein Dach über‘m Tennisplatz zu haben, konnte man vor wenigen Tagen bereits bei den French Open erleben. Fast zwei Wochen Dauerregen entfachte unter Spielern und Zuschauern ein echtes Feuer unter’m nicht vorhandenen Dach.

Nun also schon wieder. Stuttgart ist doch kein Grand-Slam-Turnier, mag mancher einwenden. Von daher braucht es auch kein Dach. Aber in Zeiten unberechenbarer Wetterlagen könnte man man als Veranstalter ruhig mal einen Gedanken in diese Richtung wagen. Vor allem die bislang meist vom Sonnenwetter verwöhnten Süddeutschen könnten dabei von uns Nordlichtern, die reichlich Erfahrung haben mit Schietwetter, eine Menge lernen. Am Hamburger Rothenbaum gibt es schon so lange ein Dach, dass eine Renovierung bald mal fällig ist. Aber auch im kleinen westfälischen Halle wusste ein gewiefter Mode-Zar schon vor 20 Jahren wie wichtig es ist, Zuschauern und Tennisspielern Schutz vor Regen zu bieten. Aber nicht nur deshalb. Mit dem Dach über’m Stadion verdient er als Veranstalter das ganze Jahr über Geld. Verwunderlich, dass darauf die Schwaben noch nicht gekommen sind!

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