Feldspielerin Wiebke Denker löst das Problem der ATSV-Frauen im Gehäuse

Überraschende Idealbesetzung

Lange Zeit befand sich der ATSV Scharmbeckstotel in der Frauen-Fußball-Oberliga Niedersachsen West auf der Suche nach der Idealbesetzung für den Posten der Torhüterin. Fündig wurden die Gelb-Schwarzen dann ausgerechnet im eigenen Lager. Feldspielerin Wiebke Denker wurde zur Torfrau umfunktioniert und hätte mit ihren guten Leistungen beinahe noch zum Aufstieg des Teams von Trainer Thomas Brüns beigetragen.
08.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Hollmann

Lange Zeit befand sich der ATSV Scharmbeckstotel in der Frauen-Fußball-Oberliga Niedersachsen West auf der Suche nach der Idealbesetzung für den Posten der Torhüterin. Fündig wurden die Gelb-Schwarzen dann ausgerechnet im eigenen Lager. Feldspielerin Wiebke Denker wurde zur Torfrau umfunktioniert und hätte mit ihren guten Leistungen beinahe noch zum Aufstieg des Teams von Trainer Thomas Brüns beigetragen.

Scharmbeckstotel. Nachdem Nicole Krause ihre Fußballstiefel an den Nagel gehängt und Nina Egbers den Verein verlassen hatte, wurde Jennifer Kleen zur neuen Stammkeeperin des ATSV Scharmbeckstotel in der Frauen-Fußball-Oberliga Niedersachsen West. Da Kleen aber wegen eines Studiums in Oldenburg nur noch selten trainieren konnte und ohnehin bereits ihren Rücktritt zum Saisonende angekündigt hatte, benötigten die Gelb-Schwarzen dringend eine neue Torhüterin.

Ausgerechnet Feldspielerin Wiebke Denker schloss die Lücke und löste Jennifer Kleen in der Rückserie auf Anhieb als Stammtorfrau ab. Wiebke Denker musste aber nicht bei Null anfangen. Auch in ihrer Jugend hütete die in Hambergen wohnhafte Kickerin das Tor der "Zebras". Bereits im zarten Alter von fünf Jahren stellte sich Denker ins Tor der Jungenmannschaft. Ihr Vater Norbert Denker war ihr damaliger Coach. "Mein Vater war selbst Torwart und konnte mir deshalb eine Menge beibringen", informierte Wiebke Denker.

Zu harte Schüsse

Der Vater beließ seine Tochter auch sechs Jahre im Kasten. "Irgendwann haben die Jungs mir dann aber zu hart geschossen", berichtete die 17-Jährige. Deshalb räumte sie das Gehäuse und trat seitdem als Feldspielerin an. Jetzt profitiert Wiebke Denker von ihren ersten Jahren im Tor. ATSV-Coach Thomas Brüns wollte nach der Saison ursprünglich einen Ersatz für Jennifer Kleen nach Scharmbeckstotel lotsen. Die Suche gestaltete sich aber als schwierig.

Nun kann er sich ein weiteres Suchen sparen. Wiebke Denker wird auch in der kommenden Saison das Tor der Gelb-Schwarzen hüten. "Wiebke strahlt als Torhüterin sehr viel Ruhe aus. Davon profitiert auch die Abwehr, die den Ball nun wieder ruhigen Gewissens nach hinten spielen kann, da Wiebke über sehr gute fußballerische Fähigkeiten verfügt", erklärte Thomas Brüns. Nach dem schlimmen 2:7-Debakel gegen den Spitzenreiter SV Meppen II beorderte Brüns Wiebke Denker zwischen die Pfosten. Von da an verloren die ATSV-Frauen bis Serienende kein Match mehr. Beim Saisonabschluss gegen den TuS Büppel (1:0) lief Denker allerdings noch mal wegen Personalmangels im Feld auf.

Wiebke Denker hatte nach einer langwierigen Knieverletzung zunächst Probleme, als Feldspielerin bei ihrem neuen Verein Fuß zu fassen. "Mein erstes Jahr bedeutete eine große Umstellung für mich", räumte Denker ein. Die Mitspielerinnen hätten ihr den Einstieg aber erleichtert, indem sie alle den Kontakt zu ihr gesucht hätten, betonte der Werder-Fan. Nach den Startschwierigkeiten kämpfte sich die Youngsterin ins Team und absolvierte 16 Punktspiele im rechten Mittelfeld. Auch bei den Jungs des FC Hambergen agierte sie bis zu den B-Junioren mit einer Sondergenehmigung als rechte Flügelflitzerin.

Starke rechte Seite

Thomas Brüns habe ihr mal das Kompliment gemacht, dass sie ein Spiel lesen und hervorragend den Ball kontrollieren könne, so Denker. Solche Fähigkeiten wären im Titel-Finale auch im Feld gefragt gewesen. Da fehlte die Elftklässlerin dem Vizemeister jedoch zumeist. Aber ihre tollen Reflexe im Tor waren genauso gefragt. Die Schülerin der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Osterholz-Scharmbeck hat im Tor sogar eine Lieblingsecke. "Auf der rechten Seite komme ich fast an jeden Ball", verriet die Hambergerin.

Die zur Ersatzkeeperin degradierte Jennifer Kleen sei ihr nicht böse gewesen. "Sie hat mir gesagt, dass sie die Entscheidung unseres Trainers nachvollziehen könne", betonte Wiebke Denker. Deshalb habe sie auch nicht das Gefühl, jemanden den Platz weggenommen zu haben. Sie sei auch bereit, für den Rest ihrer Laufbahn auf eine Karriere im Feld zu verzichten, versicherte Denker.

In ihrer Freizeit lässt sie sich gerne von ihrem Berner Sennenhund Aila mit Inline-Skates ziehen. Sie bewundert die Nationalmannschafts-Keeper Manuel Neuer und André ter Stegen. Fußball im Fernsehen schaue sie aber nur selten. "Ich spiele lieber selbst", sagte Denker. Als Ersatzkeeperin für die nächste Saison ist Frederike Fürst vorgesehen, falls diese nicht zum Studieren nach Rostock geht. Ansonsten wird mit Darja Brakhoff einfach eine weitere Feldspielerin umfunktioniert. Sie stand bereits beim Handball zwischen den Pfosten. Es empfiehlt sich eben immer, Allrounderinnen im Kader zu haben. Mit Wiebke Denker im Tor soll kommende Saison der lang ersehnte Regionalliga-Aufstieg her.

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