UEFA UEFA und FIFA kämpfen mit Vergabe-Korruption

Rom. Die Vergabe internationaler Fußball-Endrunden bleibt im Zwielicht. Nach dem Ablauf eines Ultimatums für Spyros Marangos wird die Europäische Fußball-Union (UEFA) rechtlich gegen den Funktionär aus Zypern vorgehen.
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Rom. Die Vergabe internationaler Fußball-Endrunden bleibt im Zwielicht. Nach dem Ablauf eines Ultimatums für Spyros Marangos wird die Europäische Fußball-Union (UEFA) rechtlich gegen den Funktionär aus Zypern vorgehen.

Das bestätigte die UEFA auf dpa-Anfrage, ohne aber weitere Details zu nennen. Der ehemalige Schatzmeister des zyprischen Verbandes wiederholte in einem Zeitungsinterview seine Vorwürfe der Bestechlichkeit von UEFA-Exekutivmitgliedern. Er hatte nach UEFA-Angaben keine Belege geliefert. Bislang habe man nur einen Brief von Marangos Anwalt erhalten, dass die gesetzte Frist zu kurz sei.

Spanien und Portugal haben unterdessen bestätigt, dass der Weltverband FIFA Ermittlungen gegen die gemeinsame Kandidatur beider Länder um die Weltmeisterschaft 2018 eingeleitet hat. Dabei gehe es um Berichte über eine angebliche illegale Absprache mit Katar, teilte der Generaldirektor der spanisch-portugiesischen WM-Kandidatur, Miguel Angel López, in Madrid mit.

Britische Medien hatten den Verdacht geäußert, Spanien/Portugal und Katar hätten sich gegenseitig ihre Stimmen für die jeweilige WM- Bewerbung zugesagt. Katar bewirbt sich um die WM 2022. Solche Absprachen sind nach den FIFA-Statuten streng untersagt. López betonte, man habe nichts Verbotenes getan und gehe davon aus, dass die FIFA keine Sanktion verhängen werde.

Konkurrent England liegt wiederum gerade im Streit mit Russland, das ebenfalls kandidiert. Die FIFA-Exekutive begann ihre Sitzung in Zürich, Präsident Sepp Blatter will sich am Freitag äußern.

Im Zusammenhang mit der EM-Endrunde 2012 behauptete Marangos in der italienischen «Gazzetta dello Sport» erneut, Italien sei betrogen worden. Der angebliche Stimmenkauf von vier Top- Funktionären der UEFA habe zur überraschenden Vergabe der Endrunde an Polen und die Ukraine geführt. «Die Euro 2012 sollte nachträglich an Italien vergeben werden», sagte Marangos.

Die italienische Regierung hält eine juristische Aufklärung der Vorwürfe für angebracht. «Sollten dabei Straftaten zum Vorschein kommen, müssen sie auch strafrechtlich verfolgt werden», sagte der für den Sport zuständige Staatssekretär Rocco Crimi in Rom. Für den Fall, dass die EM 2012 nachträglich Italien zugesprochen werde, sei das Land vorbereitet.

Marangos weigerte sich erneut, die von der UEFA geforderten Beweise in die Schweiz zu senden, weil er nicht allen vertraue. Ein für den 24. August dieses Jahres vereinbartes Treffen mit Peter Limacher vom Disziplinarbüro der UEFA in Genf sei von diesem auf Anweisung seiner Vorgesetzten kurzfristig abgesagt worden. «Ich bin bereit, auf Zypern alle Informationen im Beisein meines Anwalts und eines staatlichen Vertreters Zyperns zu liefern», sagte Marangos der «Gazzetta». Auf die Frage, wieso die UEFA sich bislang weigere, ihn auf Zypern zu treffen, antwortete Marangos: «Jemand hat kein Interesse daran, die Sache hervorzuholen.»

Nach seiner Darstellung im Gespräch mit der italienischen Zeitung wurden bei der Abstimmung 2007 vier Stimmen für Polen und die Ukraine gekauft, so dass die Wahl überraschend mit 8:4 zugunsten der Kandidaten aus Osteuropa ausging. «Vier UEFA-Mitglieder haben insgesamt 9,15 Millionen Euro bekommen. Einer 3,15 Millionen und die übrigen drei je 2 Millionen», sagte Marangos der Zeitung. Die 3,15 Millionen Euro seien bei der Übergabe auf Zypern in einem Stofftier versteckt gewesen. Ein bekannter Anwalt auf Zypern habe das Geld aus Osteuropa erhalten und dann verteilt, berichtete die «Gazzetta» aus ihrem Gespräch mit Marangos.

Dieser gab an, «drei Dokumente» zu haben, «von denen eins ausreicht, um den Fall zu eröffnen». Außerdem könne er drei Zeugen beibringen: «Einer hat die Schritte der beteiligten Personen verfolgt, die anderen können die nach der Wahl von Cardiff gezahlten Summen bestätigen», sagte Marangos. (dpa)

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