Verden 04 inzwischen erste Adresse im Jugendfußball / Unterbau des TSV Ottersberg gewinnt an Stabilität

Uesens Talentschuppen längst verwaist

Dass Geld keine Tore schießt, ist in Fußballerkreisen spätestens seit Otto Rehhagels geflügelten Worten bekannt. Passend dazu mussten in unserer Region kürzlich gleich zwei hochverschuldete Oberliga-Klubs (Kickers Emden und Eintracht Nordhorn) Insolvenz anmelden. Ferner standen bei weiteren Vereinen, beispielsweise VSK Osterholz-Scharmbeck und TuS Heeslingen, die Steuerprüfer vor der Tür. Im Kreis Verden dagegen intensivieren zunehmend mehr Vereine die kostengünstigere Jugendarbeit und profitieren inzwischen davon - oder leiden unter den Versäumnissen aus der Vergangenheit.
26.04.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Florian Kastens

Dass Geld keine Tore schießt, ist in Fußballerkreisen spätestens seit Otto Rehhagels geflügelten Worten bekannt. Passend dazu mussten in unserer Region kürzlich gleich zwei hochverschuldete Oberliga-Klubs (Kickers Emden und Eintracht Nordhorn) Insolvenz anmelden. Ferner standen bei weiteren Vereinen, beispielsweise VSK Osterholz-Scharmbeck und TuS Heeslingen, die Steuerprüfer vor der Tür. Im Kreis Verden dagegen intensivieren zunehmend mehr Vereine die kostengünstigere Jugendarbeit und profitieren inzwischen davon - oder leiden unter den Versäumnissen aus der Vergangenheit.

Verden·Achim. Blickt man beispielsweise in die Kreisverdener Teams der Bezirksliga, ist eine Diskrepanz erkennbar. Der SV Vorwärts Hülsen hält sich seit einundeinhalb Jahrzehnten ohne eigene Jugendteams erfolgreich auf Bezirksebene. In der aktuellen Saison jedoch ist der Kraftakt wohl nicht mehr zu bewältigen. Ohne einen Unterbau vermisst Trainer Maik Alpert die personellen Alternativen, so dass Urgesteine wie Bernd Cordes oder Torwart Frank Schwarzbach reaktiviert werden mussten. Der Abstieg des Tabellenletzten in die Kreisliga dürfte kaum noch zu verhindern sein. Der SVV Hülsen muss im nächsten Spieljahr mit Bordmitteln und externen Neuzugängen neu aufbauen.

Nach einer starken Vorrunde ist mittlerweile auch beim TSV Achim Ernüchterung eingekehrt. In der Hinserie zwischenzeitlich Tabellenführer, taumelt der Aufsteiger den Abstiegsplätzen entgegen. Auch hier ist das Problem in erster Linie die dünne Personaldecke. Trainer Thomas Ziegler ist häufig gezwungen, Altherrenspieler aufzustellen. Auf Jugendspieler des Vereins kann er nicht zurückgreifen, beim TSV Achim nimmt lediglich eine B-Junioren-Mannschaft am Punktspielbetrieb teil.

Noch prekärer ist die Lage beim TSV Uesen. Der Achimer Stadtteilklub kämpft mit eher bescheidenen Erfolgsaussichten um den Klassenerhalt. Hier droht ein seit Jahren anhaltender Abwärtstrend mit dem Abstieg in die Kreisliga zu enden. Bereits in der vergangenen Saison sah die personelle Situation beim TSV Uesen alles andere als rosig aus. Damals machte Uli Hamer noch aus der Not eine Tugend und führte den Verein mit vielen seiner Ex-Schützlinge auf den starken fünften Platz.

Hamers Nachfolger Abdu Nasraoglu dagegen befindet sich seit Saisonbeginn in personellen Engpässen, muss häufig improvisieren und lief im Punktspiel gegen den TuS Heeslingen II sogar schon selbst auf. "Was soll ich denn machen, wenn nur elf Spieler zur Verfügung stehen und sich von denen noch zwei verletzen? Der TSV Uesen hat keine Altherrenmannschaft und auch keine A- und B-Junioren mehr", stellt Nasraoglu fest.

Das hatte vor einigen Jahren noch komplett anders ausgesehen, der TSV Uesen galt im Jugendbereich einmal als das Aushängeschild im Kreis Verden. In der Saison 2003/04 gelang den B-Junioren der Aufstieg in die Niedersachsenliga. Der Klassenerhalt glückte dem damaligen Team von Trainer Martin Puls mit vier Unentschieden und einem Sieg (2:0 gegen den ASC Nienburg) zwar nicht. "Aber es stellte eine tolle Erfahrung dar, gegen Hannover 96 oder VfL Wolfsburg um Punkte spielen zu dürfen", erinnert sich Philipp Büssenschütt, der damals vom SV Werder Bremen zum TSV Uesen gekommen war und heute in der Landesliga für den TSV Etelsen aufläuft. Neben Büssenschütt haben viele weitere Talente dem TSV Uesen den Rücken gekehrt. Nasraoglu kann immerhin noch auf die Dienste von Waldemar Tepilton, Gunnar Kaib oder Mathis Eckhoff, aktueller Kapitän des Teams, zählen.

Nach dem einjährigen Niedersachsenliga-Intermezzo spielte der TSV Uesen mit seinen Fußballern der Jahrgänge 1987 bis 1989 immerhin noch einige Jahre in der A-Junioren-Landesliga, zuletzt in der Saison 2009/10. Mit der Einführung der Jahrgangsmannschaften im folgenden Jahr begannen die Probleme des TSV Uesen. Seitdem ist er in den "Königsklassen" nicht mehr vertreten.

Andere Vereine haben den einstigen Vorreiter längst überholt. Hier sind vor allem die A- und B-Junioren des FC Verden 04 zu nennen, sie halten sich inzwischen seit drei Jahren in der Niedersachsenliga. Verdens Erste-Herren-Trainer Harald Rehorst kann sich jede Saison aus einem schier unerschöpfliches Reservoir mit gut ausgebildeten Jugendspielern bedienen. Im aktuellen Kader des Bezirksliga-Spitzenreiters befinden sich 15 (!) Spieler, die den überwiegenden Teil ihrer Jugend in Verdener Mannschaften verbracht haben.

Auch beim Flaggschiff des Kreisverbandes Verden, der Oberliga-Mannschaft des TSV Ottersberg, hat sich in den vergangenen Jahren viel in der Jugendabteilung getan. Es gelingt immer mehr TSV-Mannschaften, auf sich aufmerksam zu machen. Diese Entwicklung ist eng mit dem Namen Gregor Schoepe verbunden. Der einstige Mittelfeldregisseur der Ersten führte die A-Junioren auf Landesligaebene.

Denkers Entwicklung beispielhaft

Als derzeit verantwortlicher Trainer der Zweiten arbeitet Schoepe mit mehreren Talenten aus früheren Tagen zusammen. Spieler wie Kevin Sammann oder Kevin Romer, die zum Stamm der Bezirksliga-Elf zählen, konnten kürzlich ihr Debüt in der Ottersberger Oberliga-Elf feiern. Und mit Stefan Denker, der sämtliche Jugendmannschaften des Vereins durchlief, zählt ein Ur-Ottersberger trotz seiner jungen Jahre schon zum unverzichtbaren Personal innerhalb des Oberliga-Kaders.

Ein Name, der im Zusammenhang mit dem TSV Ottersberg nicht fehlen darf, ist der von Markus Bremermann. Der Coach der aktuell sehr erfolgreichen U16 engagiert sich seit Jahren unermüdlich in "seinem" Klub. Die Mannschaft des Jahrgangs 1996 betreut er seit schon seit mehreren Spieljahren. Der Landesliga-Aufsteiger machte vor allem in der jüngsten Futsal-Serie auf sich aufmerksam. Der TSV Ottersberg spielte in der Endrunde um die norddeutsche Meisterschaft mit. Darüber hinaus übernimmt Bremermann viele organisatorische Aufgaben in der Ottersberger Jugendabteilung, die ihm nicht nur das Lob von Axel Sammrey einbringen: "Was unsere ehrenamtlichen Jugendtrainer und -betreuer leisten, ist einfach sensationell!"

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