Mit dem 1:1 gegen Hoffenheim setzt der VfL Wolfsburg seine Sieglosserie fort Ungeliebter Rekord

Wolfsburg. Natürlich waren ihm seine wichtigsten Vertrauten gleich nach dem Schlusspfiff in die Arme gefallen. Glückwunsch vom Assistenten, Zuspruch vom Sportdirektor: Für diesen einen Moment sah Martin Schmidt, der neue Trainer des VfL Wolfsburg, wie ein glücklicher und gefeierter Mann aus.
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Von Christian Otto

Wolfsburg. Natürlich waren ihm seine wichtigsten Vertrauten gleich nach dem Schlusspfiff in die Arme gefallen. Glückwunsch vom Assistenten, Zuspruch vom Sportdirektor: Für diesen einen Moment sah Martin Schmidt, der neue Trainer des VfL Wolfsburg, wie ein glücklicher und gefeierter Mann aus. Aber was genau gab es eigentlich zu bejubeln? Das glückliche 1:1 (0:0) der Niedersachsen im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim ergibt eine insgesamt merkwürdige Bilanz. Seit der Entlassung von Andries Jonker Mitte September und der Verpflichtung von Schmidt wartet Wolfsburg auf einen Sieg und hat fünfmal in Folge Remis gespielt. Dass Felix Uduokhai in der Nachspielzeit per Kopfballtor noch ein Unentschieden ermöglichen konnte, wurde trotzdem wie ein kleiner Sieg gefeiert.

Diese Mischung aus kritischen Nachfragen und hämischen Kommentaren ließ nicht lange auf sich warten. Zum Abschluss des 9. Spieltages der Fußball-Bundesliga stand fest: Schmidt hat mit der sieglosen Serie seit seinem Amtsantritt eine kuriose Bestmarke zu verantworten. Sein Rekord besteht eben nicht darin, fünf Partien ohne Niederlage geschafft zu haben. Es sind fünf Begegnungen mit einem neuen Cheftrainer ohne Sieg, die aufhorchen lassen. „Ein solcher Rekord fühlt sich nicht unbedingt schön an“, gestand der Schweizer, der eigentlich einen positiven Umschwung schaffen soll.

Immerhin war es vor 23 514 Zuschauern unter seiner Regie gelungen, mit dem späten Ausgleich für einen emotionalen Höhepunkt zu sorgen. Die spielstarken Hoffenheimer waren nach einem schwachen Start in die Partie schon auf Siegkurs. Sie versäumten es jedoch, dem Führungstor durch Kerem Demirbay (73.) per Foulelfmeter bei einer Vielzahl an gefährlichen Kontern die Entscheidung folgen zu lassen. „Ich muss es so akzeptieren. Aber das waren zwei völlig unnötige Punktverluste“, befand TSG-Trainer Julian Nagelsmann.

Ob nun der VfL Wolfsburg oder die TSG Hoffenheim einen Sieg mehr verdient hätte, blieb durch die nicht enden wollende Debatte um die Einführung des Videoassistenten im deutschen Fußball überlagert. Für neues Futter über Sinn und Unsinn der technischen Unterstützung für die Schiedsrichter sorgte eine Szene zwischen der 9. und 11. Spielminute. Nach einem Zweikampf zwischen dem Hoffenheimer Kevin Vogt und dem Wolfsburger Divock Origi wollte Schiedsrichter Felix Zwayer ein Foul zulasten des Gastes gesehen haben. Von dieser merkwürdigen Entscheidung war der Unparteiische auch nach Ansicht von Fernsehbildern nicht abzubringen. „Für mich war das unfassbar, dass man sich das auf Video ansieht und trotzdem auf Elfmeter entscheidet“, monierte Nagelsmann. Was er nicht beanstandete: Der Wolfsburger Maximilian Arnold hatte zwei Minuten lang warten müssen, bis er vor lauter Debatten und Analysen endlich zum Elfmeter antreten durfte – um dann am glänzend parierenden Torhüter Oliver Baumann zu scheitern.

Von der TSG Hoffenheim, die sich mit der Mehrfachbelastung in der Champions League, im DFB-Pokal und im Ligaalltag immer besser zurechtfindet, hatte man ein gutes und intensives Spiel erwarten dürfen. Die Mannschaft kombinierte im Auftrag von Nagelsmann wieder sehenswert. Einzig die Chancenauswertung war an diesem Sonntagabend nicht eines Teams mit gehobenen Ambitionen würdig.

Für den VfL Wolfsburg dagegen stellt sich die Situation wie schon in der Vorsaison, als der drohende Abstieg erst in der Relegation vermieden werden konnte, sehr unbefriedigend dar. Ein einziger Erfolg nach neun Spieltagen ist eine Bilanz, die nicht darauf schließen lässt, dass bereits ein Trainerwechsel vollzogen worden ist.

Schmidt lächelte verkniffen, als die ersten Witze zu seiner Remis-Sammlung die Runde machten. Am Mittwoch empfängt der VfL Wolfsburg im DFB-Pokal Hannover 96 und kann dann laut Reglement gar nicht unentschieden spielen. „Im Derby werden wir es packen“, sagte Schmidt und wirkte angesichts der negativen Schlagzeilen rund um sein neues Beschäftigungsverhältnis leicht genervt.

Welche Version des modernen Fußballs der VfL Wolfsburg künftig spielen soll und was zur Verbesserung seiner Lage beitragen kann, lässt sich weiterhin nur erahnen. Schmidt ist mit seiner stark motivierenden und etwas anderen Art ein Trainer, der auf den ersten Blick nur bedingt zu den Niedersachsen passt. Andererseits hat er mit der Forderung, dass die VfL-Spieler deutlich mehr attackieren und laufen sollen als bisher, auch einen Mangel seines Vorgängers aufgedeckt. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Wolfsburger Mannschaft die anstrengenden Vorgaben von Schmidt fit und fehlerfrei umsetzen kann.

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