Im Kampf um den Klassenerhalt setzt Lesums Trainer Frank Dahlenberg auf die Willensstärke seines Teams "Uns fehlt der berühmte Knipser"

Vor vier Wochen schien der TSV Lesum-Burgdamm aus dem Schneider zu sein. Jetzt ist die Lage wieder äußerst prekär, steht der Neuling in der Fußball-Landesliga zwei Spieltage vor Saisonabschluss auf einem Abstiegsplatz. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, wie es heißt, aber welche Chancen rechnet sich der Trainer realistisch aus und wie beurteilt er den gesamten Saisonverlauf? Mit Frank Dahlenberg sprach unser Mitarbeiter Klaus Grunewald.
26.05.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Vor vier Wochen schien der TSV Lesum-Burgdamm aus dem Schneider zu sein. Jetzt ist die Lage wieder äußerst prekär, steht der Neuling in der Fußball-Landesliga zwei Spieltage vor Saisonabschluss auf einem Abstiegsplatz. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, wie es heißt, aber welche Chancen rechnet sich der Trainer realistisch aus und wie beurteilt er den gesamten Saisonverlauf? Mit Frank Dahlenberg sprach unser Mitarbeiter Klaus Grunewald.

Herr Dahlenberg, nun beginnt beim TSV Lesum-Burgdamm das Rechnen und Zittern. Haben Sie das noch für möglich gehalten?Frank Dahlenberg: Eine Saison ist erst mit dem letzten Spieltag vorbei. Bis dahin geht es meistens um Meisterschaften und Abstiege. Alle Mannschaften versuchen noch einmal, ihre Position zu verbessern. Wir haben eine Serie von sechs Spielen ohne Niederlage gehabt; nun aber in vier Spielen keinen Sieg mehr verzeichnet. Man sollte dann schon damit rechnen, dass es eng werden kann.Die Mannschaft steht jetzt zum 15. Mal in dieser Saison auf einem Abstiegsplatz. Weshalb ist es nicht gelungen, sich einmal mit einem großen Schritt aus dem Keller zu verabschieden?Wir haben in den entscheidenden Spielen, auch schon in der Hinserie, nicht gewinnen können. Die Liga ist sehr ausgeglichen. So gab es immer wieder Wechsel am Ende und auch an der Spitze der Tabelle. In meiner Mannschaft gab es zum Teil personelle Veränderungen, sodass ich selten mit meiner Wunschelf spielen konnte. Beruf und Familie gehen bei Amateurspielern eben vor. In vielen Begegnungen spielten wir eine verdiente Führung heraus, die wir nicht bis zum Schlusspfiff retten konnten. Diese Punkte fehlen uns nun. Eine junge Mannschaft muss das eben lernen – das braucht Zeit, die wir möglicherweise nicht mehr haben.Wenn man den gesamten Saisonverlauf betrachtet, fallen zwei Faktoren besonders auf: Der TSV Lesum-Burgdamm ging oft fahrlässig mit seinen Torchancen um und wirkte in entscheidenden Szenen – auch in der Abwehr – unkonzentriert und nicht abgeklärt genug. Fehlt den vielen jungen Spielern schlicht die nötige Erfahrung und Cleverness?Sicherlich. Mit Burak Aydin fehlte uns eine halbe Saison unser Torgarant, der sich im Hinspiel gegen Grohn schwer verletzte. Wir haben eine junge Mannschaft, die dieses Jahr lehrreiche Erfahrungen gesammelt hat. In der Landesliga muss man sich hin und wieder cleverer anstellen. Als Trainer ist das Eingreifen während des Spiels oft schwierig. Die Situationen müssen hinterher besprochen werden. Das dauert seine Zeit, bis es sich in den Köpfen der Spieler setzt. Wer uns aber in den letzten Spielen beobachtet hat, stellt schon eine gesteigerte spielerische Qualität fest. Gerade unsere Anzahl von Gegentoren haben wir drastisch gesenkt. Das ist ein Erfolg aller elf Spieler auf dem Feld, die nun konzentriert und kollektiv gegen den Ball arbeiten. Offensiv fehlte uns tatsächlich der berühmte Knipser, der die vermeintlich einfachen Bälle über die Linie drückt. Einzelne Feldspieler haben da noch Entwicklungspotenzial.Gleichwohl gibt es rein rechnerisch eine kleine Chance auf den Klassenerhalt. Wie motivieren Sie die Mannschaft, um die beiden restlichen Saisonspiele gegen Tura und bei der FT Geestemünde siegreich zu beenden?Fast die gleiche Mannschaft hat ein Jahr vorher in der Bezirksliga hart für den Aufstieg gearbeitet. Das wollen wir nicht einfach wegwerfen und alles bis zum Schluss für den Erhalt der Klasse tun. Die Chance sehe ich auch nicht als klein an. Schlussendlich ist es eine Sache von Einstellung und Charakter, alles für den TSV zu geben und private Dinge für zwei Wochen mal hintenan stehen zu lassen. Uns wird sicherlich noch das eine oder andere einfallen. Ich vertraue aber meiner Mannschaft, dass sie alles Mögliche versucht.In Lesum gibt es Fußballfans, die kein Hehl aus ihrer Verärgerung über das laxe Auftreten des Lokalrivalen SV Grohn machen, der seine Spiele gegen die Abstiegskandidaten Tura und Surheide verloren und deshalb Ihrer Mannschaft keinerlei Schützenhilfe gegeben hat. Wie ordnen Sie diese Tatsache ein?Wir gucken nur auf uns! Wer sich auf andere verlässt, ist meist verlassen. Wenn dieses Verhalten der Grohner anderen auffällt, brauche ich es nicht mehr zu kommentieren, zumal ich niemandem so etwas unterstellen würde. Wir haben viele Spiele Zeit gehabt, uns gar nicht erst in diese Lage zu bringen. In den entscheidenden Momenten haben viele Spieler aber ihr Potenzial aus verschiedenen Gründen nicht abrufen können. Es liegt somit immer an einem selber.Angenommen, als letztjähriger Aufsteiger in die Landesliga muss der TSV Lesum-Burgdamm in den sauren Apfel beißen und erneut in die Bezirksliga absteigen, fällt der Kader dann auseinander, wie kolportiert wird?Merkwürdigerweise fallen oft ganze Kader auseinander; so auch die fälschliche Aussage in einem Wochenbaltt vor dieser Saison über den TSV Lesum-Burgdamm. Fakt ist aber, dass wir seinerzeit gerademal zwei Spieler abgegeben haben, wobei es bei einem rein berufliche Gründe gab. Der TSV wird auch in der neuen Saison mit vielen, vielen Spielern aus diesem Jahr auflaufen. Es wird lediglich, Stand heute, nur ein Spieler den Verein aus beruflichen Gründen verlassen.

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