Sportpolitik Verbände für Wettmarkt-Öffnung - DOSB mit Gewinn

Berlin. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die größten Profisportverbände setzen sich für eine kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes ein. DOSB-Präsident Thomas Bach freut sich über ein Bilanzplus.
05.05.2010, 18:10
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Berlin. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die größten Profisportverbände setzen sich für eine kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes ein. DOSB-Präsident Thomas Bach freut sich über ein Bilanzplus.

Bach sprach für 2009 zwar von «einem erfreulichen Ergebnis und einem Bilanzplus von 370 000 Euro» beim Verband, die eingebrochenen Wetteinnahmen treffen den Sport insgesamt aber in erheblichem Maß.

Nach einer DOSB-Präsidiumssitzung am 5. Mai in Berlin kommentierte Bach zumindest zufrieden die Zahlen des Vorjahres. Sie seien «ein ganz wichtiger Schritt, als es erst dreieinhalb Jahre her ist, dass wir in tiefe Löcher schauen mussten». Für 2010 ist laut Bach eine schwarze Null geplant. Damit sei vier Jahre nach der Gründung des neuen deutschen Sport-Dachverbandes die finanzielle Konsolidierung erreicht.

In einer gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Stiftung Deutsche Sporthilfe verabschiedeten 41-seitigen Stellungnahme wird jedoch die «staatlich regulierte kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes» gefordert. Dazu soll das staatliche Veranstaltermonopol im Bereich der Lotterien erhalten bleiben.

Die Zuwendungen aus Lottomitteln sind laut DOSB-Generaldirektor Michael Vesper «die zentrale Säule der Finanzierung des Sports» und stabil. Auf dem Wettmarkt sei allerdings ein enormer Umsatzverlust zu registrieren. Von einer halben Milliarde Umsatz seien die Einnahmen dort auf unter 200 Millionen Euro zurückgegangen. Davon sei der Sport erheblich betroffen. Auch Profiveranstalter und -vereine seien damit einverstanden, dass die entsprechenden Mittel dem gemeinnützigen Sport zugutekommen.

«Dies ist ein Meilenstein in der Debatte um die Zukunft von Glücksspiel und Sportwetten. Der organisierte Sport spricht mit einer Stimme», hob Vesper hervor. Das ermögliche dem Sport, auf die politische Debatte über die künftige Regelung von Lotterien und Sportwetten aktiv Einfluss zu nehmen.

DFL-Chef Christian Seifert betonte in einer Erklärung der Initiative Profisport Deutschland, der auch die obersten Ligen von Handball, Basketball und Eishockey angehören: «Eine Beibehaltung des nicht funktionierenden Sportwettenmonopols erschwert die Prävention von Wettmanipulation, zusätzlich verliert der Sport von der Basis bis zur Spitze wichtige Finanzmittel.»

Die gemeinsame Stellungnahme ist die Antwort auf einen 68 Fragen umfassenden Katalog der Ministerpräsidenten-Konferenz (MPK) «zur Bewertung des Glücksspiel-Staatsvertrages und zu den ab 2012 zu schaffenden Neuregelungen». Der aktuelle, seit Anfang 2008 geltende Vertrag läuft Ende 2011 aus. Eine von der MPK eingesetzte Arbeitsgruppe wird in einer mündlichen Anhörung am 20. und 21. Mai in Berlin alle Vorschläge zur Sache diskutieren. Damit das neue Gesetz ab 2012 in Kraft treten kann, muss es von den 16 Landesregierungen und -parlamenten gebilligt werden. Nur eine Minderheit der Bundesländer hatte sich im vergangenen Dezember für das geltende Gesetz ausgesprochen.

Der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) warnte in erster Reaktion «vor einer Kommerzialisierung des Teilbereichs der Sportwetten». Eine Öffnung würde nicht zu besserem Spielerschutz und zu mehr Einnahmen für den Sport und das Gemeinwohl führen, sondern die Gewinne der kommerziellen Glücksspielindustrie mehren.

«Der Glücksspiel-Staatsvertrag hat sich grundsätzlich bewährt. Darum ist es im Sinne einer ordnungspolitischen Regelung des sensiblen Produkts Glücksspiel richtig, an ihm festzuhalten», betonte Erwin Horak, DLTB-Federführer und Präsident von Lotto Bayern. Es bestehe die Gefahr, dass eine Öffnung des Sportwettenbereichs zur Kommerzialisierung auch der Lotterien führen würde. Damit verbunden wäre laut Horak das Ende der Förderung des Gemeinwohls auf dem heutigen Niveau von jährlich etwa 2,8 Milliarden Euro. (dpa)

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