Blumenthaler SV trennt sich von Regionalliga-Trainern Verwirrspiel um Loay Mohammed

Erst zu Saisonbeginn war Loay Mohammed gemeinsam mit mit Daniel Prause und Tammo Neubauer an den Burgwall gekommen. Nun hat der Verein das Trainertrio mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.
17.10.2013, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Verwirrspiel um Loay Mohammed
Von Tobias Dohr

Erst zu Saisonbeginn war Loay Mohammed an den Burgwall gekommen. Der 24-Jährige übernahm gemeinsam mit Daniel Prause und Tammo Neubauer die U15 des Blumenthaler SV, die erstmals in der C-Junioren-Regionalliga-Nord spielt. Nun hat der Verein das Trainertrio mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.

Die Meldung auf der Internetseite des Blumenthaler SV ist sachlich nüchtern formuliert: Am Sonntag gab der Verein bekannt, dass er sich von einem Trainertrio getrennt habe. Loay Mohammed, Daniel Prause und Tammo Neubauer wären ab sofort nicht mehr für die U15, die bekanntermaßen erstmals in der Fußball-Regionalliga Nord kickt, verantwortlich. „Im Guten“, so steht es auf der Homepage geschrieben, habe man die Zusammenarbeit beendet. Es folgt eine kurze Vorstellung des neuen Trainers sowie der Dank des Vereins an das scheidende Trio. Das war’s.

Für viele Außenstehende kam diese Nachricht überraschend. Bis auf das 0:6 beim VfL Wolfsburg hat sich die U15 in der höchsten deutschen C-Jugend-Spielklasse bisher immerhin teuer verkauft. 0:3 gegen den SV Werder, 1:2 gegen Lübeck, 0:1 gegen den VfL Osnabrück – allesamt respektable Resultate gegen die ersten Mannschaften aus den Leistungszentren der Profiklubs. Und sogar ein Sieg steht schon auf der Habenseite. 1:0 gewannen die Blumenthaler bei Concordia Hamburg, haben deshalb auf einen Nichtabstiegsrang nach dem fünften Spieltag auch nur drei Punkte Rückstand.

„Es hat auch absolut nichts mit dem Tabellenplatz zu tun“, sagt Andreas Petersen. „Aber natürlich gab es Gründe für diese Entscheidung.“ Die allerdings wollte der Blumenthaler Jugendleiter auf gar keinen Fall in der Öffentlichkeit breittreten. Deshalb auch die eher zurückhaltende Formulierung auf der vereinseigenen Internetseite.

Im Gespräch mit Loay Mohammed wird jedoch schnell klar, dass von einer Trennung im beiderseitigen Einvernehmen wohl keine Rede sein kann. Vielmehr sind es schwere Vorwürfe, die der 24-Jährige Richtung Verein sendet. Er habe von Petersen bis heute keinen Anruf geschweige denn einen Grund genannt bekommen. Vielmehr wurde er von seinem Trainerkollegen Tammo Neubauer und – man staunt – von seinem Nachfolger über das Ende seiner Trainertätigkeit informiert. „Während ich in London war, über Facebook“, sagt Mohammed kopfschüttelnd. Und damit geht das Verwirrspiel erst so richtig los.

Loay Mohammed berichtet unter anderem davon, wie er von Andreas Petersen nach einem geeigneten Trainer für die kommende B-Jugend-Saison gefragt worden sei. „Ich wusste ja nicht, dass er Ersatz für mich sucht.“ Er habe einen ehemaligen Kollegen vom VfL Oldenburg ins Spiel gebracht, für den er ohnehin die Augen und Ohren offen halten wollte: Daniel Nolan. Der 32-Jährige war zuletzt für die U17 des BV Cloppenburg zuständig, dort aber nach Unstimmigkeiten mit dem Verein zurückgetreten. Erst in der vergangenen Woche hatte Petersen Kontakt zu Nolan aufgenommen. Nach kurzer Bedenkzeit sagte Nolan zu: „Es ist ja schließlich eine extrem attraktive und spannende Aufgabe.“

Genau dieses Wissen um die Bedeutung und Größe der Herausforderung in Deutschlands höchster C-Jugend-Klasse, hatte Jugendleiter Andreas Petersen und seinem Stellvertreter Markus Wegner beim alten Trainertrio offenbar gefehlt. Ohne weiter ins Detail gehen zu wollen berichtet Wegner von unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie eine C-Jugend-Regionalligatruppe zu führen sei. Zudem hätte es durch Mohammeds Arbeit bei der Fußballschule Millerntor immer wieder terminliche Überschneidungen und sogar Interessenskonflikte gegeben. So soll während der Herbstferien über einen längeren Zeitraum überhaupt kein Training stattgefunden haben.

Mohammeds Vorwürfe will Petersen nicht weiter kommentieren, einfach so im Raum stehen lassen will und kann er sie aber auch nicht: „Ich habe fünf-, sechsmal versucht, Loay anzurufen, aber er ist nicht rangegangen. Dann habe ich ihm eine SMS geschrieben, wollte mich noch mal mit ihm persönlich treffen.“ Dazu sei es aber nicht mehr gekommen. Der Name Daniel Nolan sei zudem keinesfalls von Mohammed, sondern vielmehr über einen anderen Kontakt ins Spiel gebracht worden.

Und auch den Einwand der schlechten Trainingsbedingungen, den der Ex-Coach anbringt (Mohammed: „Eine Regionalligamannschaft kann doch nicht auf Schlacke trainieren“), lässt Petersen nicht gelten. „Das war überhaupt nie ein Thema. Die Trainingspläne wurden im Sommer gemacht, Loay kannte sie. Und bisher mussten die Jungs nur bei schlechtem Wetter auf den Lüssumer Schlackeplatz ausweichen.“

Daniel Nolan hat am Sonntag zum ersten Mal das Training geleitet. „Ich weiß natürlich, dass das keine einfache Situation ist“, sagt er. Viele Spieler hatte Loay Mohammed, der gute Kontakte in den Oldenburger Jugendfußball hat, zu Saisonbeginn überhaupt erst mitgebracht.

Nun ist der Ex-Coach nach eigener Aussage offenbar bemüht, weiteren Schaden abzuwenden: „Die Jungs kontaktieren mich immer noch, sind sauer. Einige wollten aufhören. Das versuche ich ihnen auszureden. “

Von derlei Strömungen hat Andreas Petersen wenig bis gar nichts gemerkt. In einem kurzfristig angesetzten Gespräch mit den Eltern hätte er vielmehr breites Verständnis gespürt: „90 Prozent der Eltern stehen hinter dieser Entscheidung.“ Zudem seien 21 Spieler des 25er-Kaders beim ersten Training mit Daniel Nolan gewesen. „Es war keine einfache Entscheidung. Aber sie war unumgänglich. Und ich persönlich habe das Gefühl, richtig gehandelt zu haben“, fasst Andreas Petersen seine Gemütslage zusammen. So oder so, am Ende des Tages bleiben in dieser Angelegenheit viele Ungereimtheiten und offene Fragen. Klar ist nur eins: Echte Gewinner kennt diese Geschichte keine.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+