Fußball-Bezirksliga VfL Wildeshausen grüßt von der Spitze

Der VfL Wildeshausen hat eine starke Serie hingelegt und führt die Tabelle an. Nur der TuS Obenstrohe konnte mithalten. Aufsteiger FC Hude überzeugte auf ganzer Linie, Stenum, Abdin und Baris nur teilweise.
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VfL Wildeshausen grüßt von der Spitze
Von Michael Kerzel

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Nicht einmal mussten die hiesigen Vereine in der Fußball-Bezirksliga vor der Winterpause witterungsbedingt aussetzen. Das sah in der vergangenen Spielzeit noch ganz anders aus, als ab November jede Woche diverse Spiele ausfielen. Lediglich durch den schon mit dem ersten Spieltag feststehenden Rückzug des Chaosvereins TSV Oldenburg ist die Liga etwas in Schieflage. Dennoch spiegelt die aktuelle Tabelle die Leistungen der Teams sehr gut wider.

Der VfL Wildeshausen thront an der Tabellenspitze, lediglich der TuS Obenstrohe hielt mit. Diese beiden Mannschaften werden aller Wahrscheinlichkeit nach den Meister und damit den Aufsteiger in die Landesliga untereinander ausspielen. Bereits zehn Punkte Rückstand weist der Dritte, Frisia Wilhelmshaven, auf die Krandelkicker auf. Bei noch 13 ausstehenden Partien wohl eine zu große Hypothek.

Das breite Mittelfeld führt der Aufsteiger FC Hude auf Platz vier an. Bis zum elften Rang, auf dem der Jahr für Jahr enttäuschende Dauerfavorit SV Wilhelmshaven rangiert, sind es jedoch lediglich fünf Punkte. Mit dem VfL Stenum (17 Spiele, 27 Punkte), dem SV Baris Delmenhorst (16 Spiele, 27 Punkte) und dem SV Tur Abdin Delmenhorst (17 Spiele, 25 Punkte) tummeln sich die drei weiteren lokalen Mannschaften jenseits von Gut und Böse.

Im Kampf um den Klassenerhalt stecken vier Teams, drei steigen ab. Wobei der Tabellenletzte Eintracht Wiefelstede mit einem Sieg und einem Unentschieden aus 17 Partien schlicht kein Bezirksliga-Niveau hat und höchstwahrscheinlich absteigen wird. Lediglich acht Punkte hat der FC Rastede auf dem vorletzten Platz. Er muss je sechs Punkte auf den TuS Eversten und den ESV Wilhelmshaven aufholen. Diese beiden Mannschaften stehen direkt über beziehungsweise unter dem Strich. Eversten hat allerdings zwei Partien weniger als die Konkurrenz bestritten.

Weiter geht es in der Bezirksliga Mitte Februar (15. bis 17.), so denn die Witterung mitspielt. Die letzten Spiele der Saison sind für den 2. Juni terminiert.

VfL Wildeshausen (Platz 1, 41 Punkte): Die Krandelkicker überzeugten auf nahezu ganzer Linie: Die Mannen von Trainer Marcel Bragula führen die Tabelle an, bekommen die wenigsten Gegentore, haben das beste Torverhältnis, die wenigsten Niederlagen und stellen das fairste Team. Wie im Vorjahr unterlag der VfL auf dem Abbehauser Teppich – dieser Gang liegt also schon hinter dem Team. Gegen den engsten Verfolger aus Obenstrohe siegte der VfL mit 3:2, auch gegen die Teams auf den Rängen drei bis sechs gewannen die Bragula-Mannen. Eine unnötige Pleite setzte es beim Abstiegskandidaten aus Eversten, zudem musste sich Wildeshausen mit torlosen Unentschieden gegen den VfL Stenum und bei BW Bümmerstede begnügen.

Hier lag die große Stärke des VfL: Die gesamte Mannschaft arbeitete defensiv stark. Klappte es vorne mal nicht mit Toren, hielt die Abwehr. So schaffte es beispielsweise die Offensivmaschine des SV Baris Delmenhorst nur gegen die Krandelkicker nicht, ein Tor zu erzielen. Wildeshausen siegte mit 1:0. Ohnehin kam der VfL über das Kollektiv, auch wenn offensiv Sascha Görke und Maximilian Seidel hervorstachen.

Wildeshausen hat ein schweres Restprogramm vor sich, muss bei Obenstrohe, Frisia Wilhelmshaven, Hude und GVO Oldenburg antreten. Auch die Auswärtsfahrten zum SV Baris und VfL Stenum stehen noch an. Diese sechs Teams gehören zu den acht, die in der Hinrunde pro Spiel die meisten Heimpunkte holten. Hinzu kommen hier die Wildeshauser selbst sowie BW Bümmerstede.

FC Hude (Platz 4, 29 Punkte): Der Aufsteiger ist die größte Überraschung in der Liga – zumindest für alle Außenstehenden. Die Elf um Trainer Lars Möhlenbrock hatte vor der Saison nicht etwa nur den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben, sondern direkt einen einstelligen Tabellenplatz ausgelobt. Die 17 Partien vor der Winterpause zeigten, dass der FCH in diese Tabellenregion gehört. Mit 29 Punkten dürfte der Klassenerhalt bereits sicher sein, ohnehin hat Möhlenbrock mehrfach verkündet, dass er sich von Ergebnissen lösen und auf das Spiel als solches blicken will.

Die Huder spielten sehr konstant, Ausreißer nach unten gab es kaum. Für die Topteams der Liga reichte es (noch) nicht, das zeigten Niederlagen gegen Wildeshausen und Obenstrohe. Doch mit allen anderen Mannschaften hielt Hude mindestens mit oder war gar überlegen. Gegen den Tabellendritten Frisia Wilhelmshaven spielte Hude bereits zweimal, jeweils endete die Begegnung mit einem 2:2-Unentschieden.

Die Möhlenbrock-Elf stellte sich defensiv meistens geschickt an, agierte je nach Situation gerne mit einer Dreier- oder Fünferkette. Absoluter Führungsspieler war der Zentralverteidiger Torben Hellemann. Er gab nahezu durchgehend Anweisungen an seine Mitspieler, stand jede Sekunde der 17 Spiele auf dem Rasen und markierte sogar noch zwei Treffer. Ein weiterer sehr wichtiger Akteur war Stürmer Mohamed Alawie. Immer an der Grenze des Erlaubten agierend, brachte er Feuer und Emotionen auf das Feld. Das ging den meisten anderen Hudern noch etwas ab. Zudem traf Alawie achtmal. Er gehört technisch zu den stärksten Spielern der Liga und verfügt über einen guten Abschluss – in der Hinrunde übersah oder ignorierte er jedoch regelmäßig besser postierte Mitspieler.

VfL Stenum (Platz 7, 27 Punkte): Die bisherige Spielzeit der Kirchwegkicker war ein stetes Auf und Ab. Zwischendurch legte der VfL eine Serie von vier Siegen und zwei Unentschieden hin, die ihn bis auf Platz drei katapultierte. Es folgten jedoch vier Partien mit nur einem Punkt, bevor der letzte Spieltag vor der Winterpause drei Zähler brachte. Damit hat sich der VfL im gesicherten Mittelfeld positioniert.

Die beiden Routiniers Maximilian Klatte und Julian Dienstmaier trugen das Team. Beide standen in jedem Spiel auf dem Rasen, Klatte jeweils über die volle Distanz, Dienstmaier nur 20 Minuten weniger. Die beiden Mittelfeldspieler, die auch immer mal wieder als Außenverteidiger aushalfen, kamen zusammen auf 13 Tore. Den Stenumern fehlte in dieser Spielzeit bislang ein Torjäger. Regelmäßig vergaben die Stürmer zu viele Torchancen. Ole Braun steht bei drei Treffern, Lennart Höpker bei einem. Bastian Morche absolvierte noch kein Spiel.

Ohnehin haben die Stenumer in dieser Saison großes Verletzungspech. Immer wieder musste Trainer Thomas Baake improvisieren. So kamen auch mehrere Spieler aus der A-Jugend sowie der Zweit- und Drittvertretung des VfL zum Einsatz. Rekordverdächtige 35 Spieler standen in den 17 Spielen auf dem Rasen, wenn auch einige nur für wenige Minuten.

SV Baris Delmenhorst (Platz 8, 27 Punkte): Die Elf von Trainer Önder Caki stand auch in ihrer zweiten Bezirksliga-Saison für Spektakel: Bereits 84 Tore fielen in den 16 Begegnungen mit Beteiligung des SV Baris. Das war der ligaweit höchste Toreschnitt. Nur einmal blieben die Delmenhorster ohne eigenen Treffer (beim 0:1 in Wildeshausen), ohne Gegentreffer schafften sie es noch gar nicht. Mit neun Siegen bei sieben Niederlagen fällt die Bilanz positiv aus. Unentschieden hat die Truppe von der Lerchenstraße noch überhaupt nicht gespielt.

Baris legte mit einem Blitzstart los: Die ersten fünf Partien gewann der SV und schoss dabei 25 Tore. Kurz darauf folgte eine Serie von fünf Niederlagen mit 18 Gegentoren. Doch pünktlich zum auch emotional wichtigen Derby gegen den SV Tur Abdin gelang Baris die Trendwende: Die Caki-Elf siegte hier mit 2:1 und zeigte trotz 50-minütiger Unterzahl die beste Defensivleistung der Saison. Es folgten noch zwei Siege aus drei Spielen, sodass die Elf auf einem sicheren Mittelfeldplatz überwintert.

Die Delmestädter haben sogar noch eine Partie weniger als die meisten Konkurrenten absolviert. Mit einem Dreier könnte die Caki-Elf so auf Platz vier springen. In der vergangenen Saison holte die Elf in der Rückrunde nur noch wenige Punkte, geriet trotz einer starken Hinserie in – wenn auch nicht allzu ernste – Abstiegsnot.

Das soll dieses Jahr vermieden werden. Dafür sollen vor allem die überragenden Offensivspieler sorgen: Mit Devin Isik steht der zweitbeste Torjäger (16 Treffer) in Reihen des SV Baris. Zudem gehört Mikael Blümel (sechs Tore) zu den kreativsten Akteuren der Liga. Eine bessere Bilanz verhinderte bis dato die häufig nicht vorhandene Balance zwischen Offensive und Defensive.

SV Tur Abdin Delmenhorst (Platz 10, 25 Punkte): Die Aramäer hatten sich vor der Saison mehr versprochen als lediglich einen Platz im grauen Mittelfeld. Der Kader gehört nach übereinstimmender Meinung zu den besten der Liga. Doch die Delmenhorster riefen ihr Potenzial nur selten ab. Immer wieder blitzte es auf, doch konstante Leistungen brachten die Abdiner nicht zustande.

Bemerkenswert ist, dass die Delmenhorster sowohl das Stadtderby gegen den SV Baris als auch die drei Nachbarschaftsduelle gegen den VfL Wildeshausen, den FC Hude und auch den VfL Stenum verloren. Gegen Obenstrohe verspielte die Elf eine Führung in der Nachspielzeit, gegen Frisia Wilhelmshaven gab es bereits zwei Niederlagen.

Und nun müssen die Delmestädter auch noch ohne ihren Trainer Christian Kaya auskommen. Dieser schafft es berufsbedingt nicht mehr, das Amt des Coaches auszuüben. Die Sportliche Leitung ist nun gefragt, einen Nachfolger zu finden. Allzu große Sorgen, doch noch in den Abstiegsstrudel gerissen zu werden, müssen sich die Abdiner aber nicht machen. Dafür sind Punktepolster und Qualität zu groß. Zu lässig sollten die Aramäer aber nicht werden: Sie haben nur noch fünf Heimspiele im Kalender.

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