Amateurfußball Vier Wege zum Wunschspieler

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Ein glücklicher Zufall, ein Überraschungsgast beim Training oder ein wertvoller Tipp eines Bekannten - im Amateurfußball bahnen sich Spielerwechsel auf vielfältige und teilweise abenteuerliche Art an.
01.03.2012, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Vier Wege zum Wunschspieler
Von Christoph Bähr

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Ein glücklicher Zufall, ein Überraschungsgast beim Training oder ein wertvoller Tipp eines Bekannten - im Amateurfußball bahnen sich Spielerwechsel auf vielfältige und teilweise abenteuerliche Art an. Dabei gibt es vier Methoden, die bei der Suche nach Verstärkungen besonders häufig zum Erfolg führen. Fünf Trainer erklären, wie sie funktionieren.

Wenn Profivereine nach neuen Spielern suchen, mischen viele mit. Talentspäher, Berater und Vermittler haben ihre Finger im Spiel. Die Jagd nach Verstärkungen ist bei den großen Klubs bis ins Letzte durchorganisiert, und sie rühmen sich gerne ihrer hochprofessionellen Scouting-Abteilungen. Im Amateurbereich hingegen bleibt der Großteil der Arbeit am Trainer hängen. Er sichtet Kandidaten, spricht sie an und beobachtet sie dann im Probetraining.

Mit dem, was in höheren Fußball-Ligen passiere, sei die Spielersuche in den unteren Klassen nicht annähernd zu vergleichen, findet Jürgen Hahn. Der Trainer des VfL Stenum kennt beide Seiten. Vor seinem Engagement beim Bezirksligisten arbeitete er als Torwartcoach für den Drittligisten SSV Jahn Regensburg. "Dort gibt es Datenbanken, die schon Jugendspieler erfassen und von allen Trainern gepflegt werden. Täglich gehen Faxe und E-Mails ein, in denen Spieler angeboten werden", berichtet Hahn. Im Amateurfußball zählen dagegen bei der Spielersuche eher persönliche Kontakte und Gespräche. Wenn die vier Bezirksligisten aus der Region und der Landesligist TuS Heidkrug Zugänge verpflichten, gibt es vier Methoden, nach denen sie in den meisten Fällen vorgehen.

1. Mund-zu-Mund-Propaganda

"Delmenhorst ist ein Dorf", stellt Matthias Kaiser fest. Damit meint der Trainer des Bezirksligisten TV Jahn Delmenhorst, dass man sich eben kennt in der Fußballszene. Das erweist sich bei Neuverpflichtungen oft als hilfreich, denn der Wirkungskreis der hiesigen Vereine ist beschränkt. "Weiter als nach Oldenburg brauchen wir nicht zu gucken. Wenn die Entfernungen zu groß werden, wollen die Spieler die Fahrtkosten erstattet haben", erklärt Jürgen Hahn. Der Übungsleiter des VfL Stenum beschränkt sich daher bei der Spielersuche auf einen Umkreis von rund 40 Kilometern.

Dass sich die Fußballer in solch einem abgesteckten Gebiet untereinander gut kennen, weiß Hahn zu nutzen. Einmal lud er Kapitän Daniel Isenberg und weitere erfahrene Spieler zur Gesprächsrunde ein, um über potenzielle Zugänge zu beraten. Oft sind Hinweise von Spielern für die Trainer wertvoll. Zum Beispiel empfahl Ralf Buß, der Bruder des Stenumer Torhüters Stefan Buß, in der vergangenen Saison seinen Munderloher Teamkollegen Cüneyt Yildiz bei Trainer Hahn. Der schlug zu und bekam einen starken Spielmacher für seine Mannschaft. Kurz darauf trat dann übrigens auch Tippgeber Ralf Buß den Weg vom TV Munderloh nach Stenum an.

Doch nicht nur Spieler können wichtige Hinweise geben. Beim TSV Ganderkesee kam der Kontakt zum griechischen Ex-Profi Apostolos Papakostas über den Fördervereins-Vorsitzenden Uwe Schwager zustande. "Er hat einen griechischen Schwiegersohn, der wusste, dass Apostolos einen Verein sucht", erinnert sich Trainer Raphael Riekers, der die einmalige Gelegenheit ergriff und den früheren Erstliga-Spieler für die Bezirksliga begeisterte. "Vieles läuft im Amateurbereich eben nur über persönliche Kontakte", sagt Riekers.

2. Der Trainingsgast

Bei Bundesligisten undenkbar, im Amateurfußball jedoch gang und gäbe: Interessierte Spieler melden sich beim Trainer und trainieren einfach mal mit. "Trainingsgäste sind willkommen. Man lernt sich kennen und sieht, ob es menschlich sowie sportlich passt", schildert Matthias Kaiser. Wichtig ist dem Jahn-Coach dabei nur eines: "Der Spieler sollte ehrlich sein und den Trainer informieren, wenn er woanders zu Gast ist." In der Winterpause hat sich am Brendelweg zum Beispiel Andre Selke vorgestellt, der für den TSV Grolland II in der Bremer Kreisliga C aktiv war. "Er hat vorher in einer unteren Klasse gespielt, aber beim Training gezeigt, dass er ein guter Typ ist. Wenn es passt, ist es mir egal, wo ein Spieler herkommt", sagt Kaiser, und so gehört Selke nun zum Kader des TV Jahn.

Ganz so einfach geht das bei Klaus Geveshausen nicht. Auch der Landesliga-Trainer des TuS Heidkrug lässt Spieler mittrainieren, bittet jedoch vorher zu einer ausführlichen Unterredung. "Dann läuft es ähnlich ab wie bei einem Vorstellungsgespräch. Wichtig ist, wo derjenige vorher gespielt hat und ob sein Beruf es erlaubt, dass er regelmäßig trainiert. Danach entscheide ich, ob ein Probetraining Sinn macht." Lars Schädler meldete sich beispielsweise vor einiger Zeit bei Geveshausen und hatte die richtigen Antworten parat. Der Defensivspieler wechselte dann von der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst nach Heidkrug.

3. Spielbeobachtungen

Jürgen Gaden ist an jedem Wochenende auf den Fußballplätzen der Region anzutreffen, auch wenn sein Bezirksliga-Team nicht spielt. "Ich bin viel unterwegs und schaue mir Spiele und Spieler aller Klassen an", erzählt der Trainer des VfL Wildeshausen. Sein Heidkruger Kollege Klaus Geveshausen ist ebenfalls Woche für Woche mit Spielbeobachtungen beschäftigt. Dabei sichtet er hauptsächlich die kommenden Gegner, aber auch interessante Spieler.

Manchmal lässt sich beides sogar verbinden. So wollte Raphael Riekers etwa in der vergangenen Saison die damaligen Kreisligarivalen TuS Heidkrug II und KSV Hicretspor unter die Lupe nehmen, als dem Ganderkeseer Trainer der TuS-Torhüter Thorben Riechers positiv auffiel. Es folgte ein Gespräch mit dem Spieler, der allerdings schon beim FC Huchting zugesagt hatte. Trotzdem blieb Riekers mit dem Schlussmann in Kontakt, und in der Winterpause fand dieser kürzlich doch noch den Weg an den Immerweg. Anders als viele Kollegen ist der Ganderkeseer Coach übrigens nicht allein für Spielbeobachtungen zuständig. Seit Saisonbeginn unterstützt ihn Fußball-Koordinator Peter Böschen. "Die Position haben wir neu geschaffen, und er soll nach interessanten Spielern Ausschau halten. Am Ende der Saison werden wir sehen, ob sich das lohnt", sagt Riekers.

4. Der verlorene Sohn kehrt zurück

Im Fußball wie in der Liebe gilt: Den ersten Partner/Verein vergisst man nie. Folglich kehren viele Spieler früher oder später zu ihrem Heimatklub zurück. Aktuellstes Beispiel dafür ist Sven Apostel, der einst in der Jugend des TSV Ganderkesee mit dem Kicken begann und nun nach unzähligen Stationen wieder in der Gantergemeinde angekommen ist. "Sven ist ein alter Ganderkeseer. Das hat uns bei seiner Verpflichtung geholfen", sagt Raphael Riekers.

Dass alte Verbundenheit ein wichtiger Faktor bei Vereinswechseln sein kann, wissen Trainer. Sie bemühen sich daher, den Kontakt zu ihren Spielern zu halten, auch wenn diese dem Klub den Rücken kehren. "Bei Leuten, die schon in Stenum waren, weiß ich genau, was die können. Und sie haben einen Bezug zum Verein", erklärt Jürgen Hahn die Vorzüge von Ex-Spielern.

Die kennt auch Matthias Kaiser, der in der Winterpause Frank Palubitzki vom TuS Heidkrug II zum TV Jahn holte. Der Abwehrspieler war bereits in der Jugend für die Violetten aktiv. "Wir kennen uns schon lange, und jetzt waren die Voraussetzungen für eine Rückkehr günstig", sagt Kaiser. "Die Sympathie war ja immer da."

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