Ole Siedenburg steht dem VfL Stenum nur noch auf Abruf zur Verfügung – weil er jetzt Motorradrennen fährt Vom Platz auf die Piste

Hude. Im Kalender von Ole Siedenburg gibt es diesen einen Termin, und der ist schon seit längerer Zeit fett angestrichen. Wenn sich der FC Hude und der VfL Stenum am Sonntag in der Fußball-Bezirksliga zum Derby treffen, dann wird sich auch Siedenburg unter den Zuschauern im Waldstadion befinden – schließlich hat der Torhüter früher lange für Hude gespielt und gehört aktuell dem Stenumer Kader an.
16.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Hude. Im Kalender von Ole Siedenburg gibt es diesen einen Termin, und der ist schon seit längerer Zeit fett angestrichen. Wenn sich der FC Hude und der VfL Stenum am Sonntag in der Fußball-Bezirksliga zum Derby treffen, dann wird sich auch Siedenburg unter den Zuschauern im Waldstadion befinden – schließlich hat der Torhüter früher lange für Hude gespielt und gehört aktuell dem Stenumer Kader an. Zum Einsatz kommen wird Siedenburg jedoch nicht. „Ich ziehe mich bis zur Winterpause erstmal vom Fußball zurück“, sagt der 32-Jährige, für dessen Entscheidung es einen ziemlich ungewöhnlichen Grund gibt: Ole Siedenburg hat das Fach gewechselt und fährt nun in der schnellsten Hobby-Serie Deutschlands Motorradrennen.

Mit seiner Yamaha YZF R6 hat der Huder erst kürzlich den sogenannten „Hafeneger-Cup“ auf dem achten Platz beendet, 29 Fahrer waren insgesamt in der Klasse bis 600 Kubikzentimeter angetreten. „Mit dem Ergebnis bin ich wirklich sehr zufrieden“, betont Siedenburg, der es in den elf Rennen der Serie auf insgesamt 72 Punkte gebracht hat. Zum Vergleich: Platz eins sicherte sich Dennis Lippert, der ebenfalls eine Yamaha YZF R6 fährt, mit stolzen 250 Punkten. Für Siedenburg war es bereits die zweite Teilnahme am „Hafeneger-Cup“. Bei seinem Debüt im Vorjahr hatte er den elften Platz in der Gesamtwertung erreicht. „Das Fahrerfeld ist inzwischen deutlich stärker geworden“, berichtet er, „umso schöner ist es, dass ich mich deutlich steigern konnte“.

In der Tat lief es für Siedenburg nahezu optimal. Von den Rennen in Oschersleben, in den tschechischen Städten Most und Brünn sowie auf dem Lausitz-Ring und dem Slovakia-Ring (Slowakei) konnte er fast alle beenden. Nur einmal stoppte ihn ein technischer Defekt, und er blieb ohne Punkte. Beim großen Saisonabschluss in Oschersleben fuhr der Huder mit der Startnummer 384 vor Kurzem vom 14. noch auf den achten Platz vor und freute sich zudem über eine neue Bestzeit.

Seit 2015 hat Siedenburg zudem drei sogenannte „Zwei-Stunden-Rennen“ für sich entschieden, bei denen die Teilnehmer in Zweier-Teams abwechselnd fahren, ehe die Zeit abgelaufen ist. Im Vorjahr siegte der Huder an der Seite von Christian Pohl, 2016 folgten dann erste Plätze mit Pohl und Deniz Sayki. „Diese Rennen gehen zwar nicht in die Gesamtwertung des Hafeneger-Cups ein, aber es waren trotzdem tolle Erfolge.“

Wie es für ihn künftig mit dem Rennsport weitergeht, weiß Ole Siedenburg übrigens noch nicht so genau. Da es sich um ein sehr kostspieliges Hobby handele, „sieht es momentan so aus, als ob ich nächstes Jahr eine Pause machen muss“. Ohne Sponsoren sei der Motorsport ab einem gewissen Level kaum noch zu finanzieren, erklärt der Rennfahrer. „Zudem ist das alles natürlich sehr zeitaufwendig.“

Beim VfL Stenum dürften sie das gerne hören, schließlich war der Torhüter Siedenburg in der Vergangenheit stets eine verlässliche Größe in der Mannschaft von Trainer Thomas Baake. In der Winterpause wollen sich Coach und Keeper zusammensetzen, um zu besprechen, wie es im neuen Jahr weitergeht. „Ich möchte Ole unbedingt wieder einbinden“, stellt Baake bereits jetzt klar. Während der Saison 2015/2016 hatte sich Siedenburg die Rolle als Nummer eins mit Marco Scheffler geteilt, im Zwei-Spiele-Rhythmus wechselten sich die beiden Torleute mit Einsätzen ab. „So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht“, erinnert sich Siedenburg, der an dem von Baake erdachten Modell aber schnell Gefallen fand. „Es hat Spaß gemacht und ist phänomenal gelaufen.“ Auch der Trainer betont: „Die beiden verstehen sich zu 100 Prozent. Ein besseres Gespann kann man sich nicht wünschen.“ In der aktuellen Saison ist der Rennfahrer übrigens schon einmal für Scheffler eingesprungen und stand bei der 0:2-Heimniederlage gegen Frisia Wilhelmshaven im Tor. „Das soll aber die Ausnahme bleiben“, versichert Siedenburg.

Vor dem Derby zwischen seinem Ex-Klub Hude und Stenum erwartet er ein interessantes Spiel. „Ich bin gespannt darauf, zu sehen, wie die Huder nach dem Trainerwechsel auftreten“, sagt Siedenburg. Insgesamt sei die Mannschaft nach dem Aufstieg im Sommer noch nicht richtig in der Bezirksliga angekommen. „Aber auch Stenum ist nicht überragend gestartet.“ Noch so ein Grund, warum Thomas Baake den Torhüter gerne wieder fest in seiner Mannschaft sehen würde. „Ole ist einer, der den Mund aufmacht, und die Sachen, die dann kommen, haben Hand und Fuß.“

Wie auch immer sich Siedenburg im Winter entscheidet – ob nun weiter Motorsport oder doch wieder Fußball oder vielleicht doch etwas ganz anderes – langweilig wird dem 32-Jährigen mit Sicherheit nicht. Er hat da nämlich noch ein Hobby: Seit drei Jahren ist er leidenschaftlicher Kitesurfer.

„Ich möchte Ole unbedingt wieder einbinden.“ Stenums Trainer Thomas Baake
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