VSK-Trainer Hermann hat aus der Vergangenheit gelernt und bei der Kaderzusammenstellung genau aufgepasst Von alten Hasen und jungen Wilden

Der VSK Osterholz-Scharmbeck wird von etlichen Landesliga-Konkurrenten als ein potenziellen Titelfavorit genannt. Trainer Günter Hermann hält den Ball nach der äußerst durchwachsen verlaufenen letzten Saison jedoch flach – noch. Denn eine Platzierung im Spitzenbereich der Liga traut er seiner Mannschaft allemal zu.
03.08.2013, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Von alten Hasen und jungen Wilden
Von Tobias Dohr

Der VSK Osterholz-Scharmbeck wird von etlichen Landesliga-Konkurrenten als ein potenziellen Titelfavorit genannt. Trainer Günter Hermann hält den Ball nach der äußerst durchwachsen verlaufenen letzten Saison jedoch flach – noch. Denn eine Platzierung im Spitzenbereich der Liga traut er seiner Mannschaft allemal zu.

Osterholz-Scharmbeck. Es gibt da dieses Foto auf der Facebook-Seite der Landesliga-Fußballer des VSK Osterholz-Scharmbeck, entstanden im Trainingslager in Barsinghausen. Die VSK-Spieler samt Trainer Günter Hermann stehen um einen riesigen Rasenmäher-Roboter herum, der wie von Geisterhand auf den Platz gefahren kommt, um dort sein Werk zu verrichten. 14500 Euro kostet dieses Hightech-Gerät, um das herum sich schnell eine staunende Menge in grünen Shirts und schwarzen Hosen versammelte – allesamt verblüffte Fußballer, die demnächst selbst wieder erstaunen wollen. Im positiven Sinne.

Nach einer katastrophalen Hinserie in der vergangenen Saison konnte der GAU, sprich der Abstieg in die Bezirksliga, wohl nur durch die personellen Korrekturen im Winter abgewendet werden. So etwas wollte Günter Hermann nicht noch einmal erleben. Deshalb hat er sich einen Kader zusammengestellt, der nicht nur quantitativ höheren Anforderungen genügt. Der Anspruch, den Hermann an seine Spieler hat, ist vor allem ein charakterlicher: Ehrgeizig sollen sie sein, trainingsfleißig, als Team harmonisch. Nach intensiven Wochen der Vorbereitung ist sich der VSK-Coach sicher: Dieses Jahr müsste es passen.

"Wenn die Jungs die Dinge weiter so annehmen wie im Trainingslager und in den Testspielen, müssen wir uns vor keinem Gegner verstecken." Das Minimalziel ist Platz fünf. "Wir haben keinen schlechten Kader, aber ein Kader alleine reicht nicht", sagt Hermann mit Blick auf die vergangene Hinrunde, in der man deutlich gesehen hat, dass "überhaupt nichts stimmte".

Damit genau das nicht noch einmal passiert, holte Hermann mit Remigius Wild und Christian Holldorf zwei Spieler nach Osterholz-Scharmbeck, die beide früher schon mal für den VSK aktiv waren – und die nicht nur sportliche, sondern auch menschliche Qualität garantieren sollen. "Es ist super, wie sie die Jungs anpacken. Sie tun der Truppe richtig gut", sagt Hermann, dem bewusst war, dass er mit Wild einen Akteur geholt hat, dem noch immer ein schwieriger Ruf vorauseilt. "Ein kleiner Wilder", nennt Hermann den Neuzugang, der zusammen mit Kapitän Julian Stroppel auf der Sechs starten und Spielmacher Holldorf den Rücken freihalten soll.

Dieses Trio soll zur neuen VSK-Schaltzentrale werden. In der Viererkette dürften Patrick Hermann (rechts), Niklas Sabas, Baris Kocademir (innen) sowie Marc-Patrick Tietjen (links) zu Saisonbeginn das Vertrauen genießen. Doch Alternativen gibt es hier mit Gerrit Kubin, Dominic Ponty und Manuel Broekmann ebenso vielfältige, wie auch im Offensivbereich, wo sich Marco Ordenewitz und Yasin Bilgin den Herausforderern Marius Bosse, Michael Thöne, Mehmet Polat, Marvin Eberhardts oder Machmoud Manah stellen müssen. Und dann ist da ja auch noch ein Mann wie Sven Meinecke, der erst vor kurzem aus dem Urlaub zurückkam und noch einen Trainingsrückstand aufweist. "Die Qualität ist von der Nummer eins bis zur 22 richtig gut", freut sich Hermann über die neue Qualität der Quantität.

Lediglich im Sturm hätte Hermann gerne noch einen neuen Mann gesehen. Doch da könnte sich Bilal Matar als Rohdiamant entpuppen. Der 17-Jährige steht, genau wie die gleichaltrigen Dominic Ponty und Lukas Hansen, für die herausragende Jugendarbeit des VSK. Allen drei könnten noch ein Jahr bei den A-Junioren spielen, allen drei attestiert Hermann allerdings schon jetzt Landesligaformat. Im Tor scheint Marc-Philip Reck im Duell mit Neuzugang Lukas Albracht die Nase vorn zu haben.

Matthias Ruländer, Hermanns Trainerkollege von Ligakonkurrent Blau-Weiß Bornreihe, hat den VSK angesichts des neuen Kaders gleich mal in den Stand eines Top-Titelkandidaten erhoben. Günter Hermann sagt: "Die anderen haben sich auch verstärkt. Aber mein Ziel ist es, jedes Spiel zu gewinnen." Es sind keine hellseherischen Fähigkeiten von Nöten, um vorauszusagen, dass das nicht gelingen wird. Viele Niederlagen braucht der neue VSK Osterholz-Scharmbeck, sofern er seine Qualitäten konstant abruft, allerdings wohl auch nicht einzukalkulieren.

Nur Marius Bosse fehlt zum Auftakt

In der vergangenen Saison hatte die Eintracht aus Cuxhaven Günter Hermann noch mächtig überrascht: "Für mich waren sie fußballerisch beinahe das beste Team", sagt der VSK-Coach über den ersten Punktspielgegner der neuen Landesliga-Saison am Sonntag um 15 Uhr. Dann sollten alle gewarnt sein, wenngleich Hermann prophezeit: "Punkt- und Pokalspiele sind zwei verschiedene Dinge." Am Donnerstagabend verpatzte eine B-Elf zwar die Generalprobe im Testspiel beim Bremen-Ligisten Union 60 (0:1), dennoch: Die letzten Auftritte des VSK waren von einer überzeugenden Souveränität geprägt. Das Team scheint auf den Punkt fit, kann mit einem 4-4-2 oder dem 4-2-3-1 verschiedene Systeme spielen. Auch personell kann Hermann aus dem Vollen schöpfen. Lediglich Marius Bosse fehlt beruflich bedingt. Von den 19 Feldspielern werden also gleich sechs überhaupt nicht zum Einsatz kommen. "Die Saison ist lang, wir werden alle brauchen", sagt Hermann, für den es in diesem Jahr keinen Topfavoriten gibt.

„Wir haben einiges gutzumachen“

Marc-Philip Reck geht nach dem Abgang von Ole Pasbrig zu Ligakonkurrent Bornreihe beim VSK Osterholz-Scharmbeck als neue nominelle Nummer eins in die Landesliga-Saison. Der Sohn von Ex-Bundesligaprofi Oliver Reck traut seiner Mannschaft einiges zu, wie er Tobias Dohr verriet.

Mit welchen Zielen geht die Mannschaft in die neue Saison?Marc-Philip Reck:

Wir haben intern eigentlich gar kein konkretes Ziel ausgesprochen. Wir haben eine hungrige Mannschaft, die sich einiges vorgenommen hat.

Das heißt?

Wir wollen oben angreifen.

Wird es ein Team geben, das vorneweg marschiert, so wie Uphusen letztes Jahr?

Das kann man vor der Saison schlecht sagen. Heeslingen wird sicher stark sein, Ahlerstedt und Uelzen natürlich auch. Und dann gibt es da ja auch noch Bornreihe. Und vielleicht kommt ein Überraschungsteam dazu.

In Bornreihe gibt es einen ziemlich offenen Torwart-Zweikampf zwischen Tobias Wülpern und Ihrem letztjährigen Konkurrenten Ole Pasbrig. Wie schätzen Sie die Situation beim VSK ein?

Dazu möchte ich eigentlich gar nichts sagen. Ich kann diesbezüglich nur mein Bestes geben und am Ende entscheidet dann ohnehin der Trainer, wer spielt.

Aber Sie wären doch enttäuscht, wenn Sie nur auf der Bank sitzen würden?

Jeder Fußballer möchte spielen, das ist doch klar.

Ole Pasbrig sagte auch, dass ihm das Drumherum in Bornreihe besser gefallen würde. Das wurde in der Vergangenheit immer mal wieder betont, von Spielern die vom VSK zu den Blau-Weißen gewechselt sind, dass dort das Familiäre ausgeprägter sei.

Dann war es vielleicht die falsche Familie für ihn. Ich kann nur sagen, dass ich mich wirklich sehr wohl fühle beim VSK. Wir haben eine richtig gute Mischung im Team und die Stimmung ist klasse.

Diese Stimmung war in der letzten Saison nicht so gut, oder?

Na ja, das war nach dem Zwangsabstieg und der sportlichen Talfahrt auch schwer. Das war eine schwierige Situation für alle, die Mannschaft musste sich erst einmal finden. Aber das wurde dann schon in der Rückrunde besser, und jetzt haben wir den Stamm im Großen und Ganzen zusammengehalten und sogar noch gut verstärkt.

Am vierten Spieltag steigt das Derby gegen Bornreihe. Wird darüber eigentlich schon innerhalb der Mannschaft geredet?

Ein bisschen geredet wird ja immer. Aber klar ist: Wir haben nach der Niederlage im letzten Derby einiges gutzumachen, erst Recht vor heimischem Publikum.

„Wir haben einiges gutzumachen“

VSK Osterholz-Scharmbeck

Neuzugänge: Christian Holldorf (MTV Bokel), Gerrit Kubin (Frisia Loga), Lukas Hansen, Dominic Ponty, Bilal Matar (alle eigene A-Junioren), Lukas Albracht (Rot-Weiß Cuxhaven), Remigius Wild (TB Uphusen)

Abgänge: Christopher Taylor (TSV Ottersberg), Sören Fehrmann, Ole Pasbrig (beide BW Bornreihe), Ovidiu-Catalin Varga, Sawie Peewee, Isaac Donyina (alle Ziel unbekannt)

Restkader: Marc-Philip Reck, Aaron Globisch, Patrick Hermann, Niklas Sabas, Baris Kocademir, Sven Meinecke, Manuel Broekmann, Mehmet Polat, Julian Stroppel, Mark-Patrick Tietjen, Marius Bosse, Michael Thöne, Marvin Eberhardts, Machmoud Manah, Marco Ordenewitz, Yasin Bilgin

Trainer: Günter Hermann

Co-Trainer: Andreas Grote, Torwarttrainer: Edgar Meier

Betreuer: Wolfgang Stöhr, Physiotherapeut: Elias Emme

Manager: Markus Friedrichs

Saisonziel: Platz unter den ersten fünf Mannschaften

Favoriten: Heeslinger SC, SV Ahlerstedt/Ottendorf, SV Teutonia Uelzen (td)

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