Interview mit Ulrich Mäurer

„Von Brüchen bin ich zum Glück verschont geblieben“

Innensenator Ulrich Mäurer ist ein begeisterter Radfahrer und nahm schon an mehreren Rennen teil. Im Interview erzählt er vom Trainingslager in Italien und seinen Erfahrungen mit der Sixdays-Rennbahn.
12.01.2019, 20:32
Lesedauer: 5 Min
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„Von Brüchen bin ich zum Glück verschont geblieben“
Von Jörg Niemeyer
„Von Brüchen bin ich zum Glück verschont geblieben“

Innensenator Ulrich Mäurer ist ein begeisterter Radfahrer.

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Herr Mäurer, es ist bekannt, dass Sie sehr gerne Radfahren. Besitzen Sie überhaupt ein Auto?

Ulrich Mäurer: Ich nutze das Auto meiner Frau. Ich selbst besitze vier Räder.

Welchem Typ Autofahrer entsprechen Sie am ehesten: Vielfahrer, Gelegenheitsfahrer oder Sonntagsfahrer?

Ich fahre im Alltag wenig. Im Dienst werde ich gefahren, in der Freizeit fahre ich gelegentlich Auto. Aber längere Fahrten sind mir ein Gräuel.

Fahren Sie viel mit dem Rad?

Wenn es irgendwie geht, dann ja.

Schildern Sie doch bitte, wann und wie Ihre Leidenschaft fürs Radfahren entstanden ist.

Zur Wahrheit gehört, dass ich eigentlich die ersten 50 Jahre meines Lebens gänzlich auf Sport verzichtet habe.

Ich staune – aber lieber spät als nie.

Mein Vater war ein großer Fußballer. Er hätte es wohl gern gesehen, dass ich in seine Fußstapfen trete. Fußballschuhe hatte ich daher schon mit vier Jahren, aber das war nicht meine Welt. Ich saß lieber zu Hause und habe jeden Tag ein Buch gelesen als irgendwo herumzurennen. Das änderte sich mit meinem 50. Lebensjahr.

Was passierte da?

Nach einer schweren Erkrankung habe ich mich entschlossen, Sport zu machen. Ich hab mir dann vorgenommen, wenn ich wieder gesund bin, im Jahr darauf in Hamburg bei den Cyclassics mitzufahren. Das war der Anfang, und daraus haben sich viele Jahre entwickelt, in denen wir auch mit einer Mannschaft, gebildet aus Kollegen aus dem Justizbereich und dem Rathaus, gefahren sind. In den Anfängen war auch Henning Scherf (Bremens ehemaliger Bürgermeister; Anm. der Red.) dabei.

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Sind Sie damals auch in einen Verein gegangen?

Nein. Das war und ist immer diese private Gruppe geblieben. Wir gehen auch jedes Jahr einmal zusammen ins Trainingslager nach Italien...

... in die Berge?

Die gehören natürlich mit dazu. Ansonsten treffen wir uns regelmäßig sonntags zum Ausfahren.

Gehören auch Frauen zu Ihrer Gruppe?

Eine Frau ist auf unserer Italien-Reise regelmäßig dabei und als Ärztin zusätzlich sehr willkommen.

Das heißt, dass Sie für mehrere Tage nach Italien fahren?

Das Training in Italien dauert immer eine Woche lang. Wenn es bergauf geht, merkt man, ob man vorher schon trainiert hat oder nicht. Hier in Bremen ist es leichter zu fahren.

Wo fahren Sie hier vorwiegend?

Zum Beispiel im Blockland oder rüber zur Moorlosen Kirche oder die Strecke Hexenberg und weiter nach Fischerhude.

Fahren Sie dann auch auf der Straße?

Wenig. Lieber auf den Deichen. Im Blockland gibt es wunderschöne Strecken fast ohne Autoverkehr. Man muss allerdings auch zur richtigen Zeit unterwegs sein. Sonntags um zehn würde ich nicht empfehlen, eher um acht Uhr. Dann macht das richtig Spaß.

In welchem Tempo fahren Sie?

Gemächlich, eher gemütlich. Die Zeiten, dass wir 100 Kilometer in 2 Stunden und 40 Minuten fahren, sind vorbei.

Das ist ja ein Durchschnitt von mehr als 37 Stundenkilometern – in der Gruppe gefahren?

Nein, da war ich sogar allein unterwegs.

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Wo wären Sie sportlich gelandet, wenn Sie schon als Jugendlicher angefangen hätten?

(lacht) Es muss nicht unbedingt schlecht sein, wenn man nicht zu früh begonnen hat. Bis zum 50. Lebensjahr wusste ich nicht, was ein Orthopäde war. Insofern habe ich jetzt eine gute Grundlage, noch lange weiter fahren zu können.

Haben Sie sich darüber geärgert, dass Sie nicht früher mit dem Rad angefangen haben?

Nein. Ich war ja nicht unglücklich darüber. Der Vorteil heute ist, dass ich noch halbwegs gute, unbeschädigte Knochen habe.

Nehmen Sie noch regelmäßig an Touren oder Rennen teil?

Das ist deutlich weniger geworden. Bei Massenveranstaltungen ist die Gefahr beträchtlich, als Unbeteiligter in eine Karambolage hineinzugeraten. Das muss ich nicht mehr haben – zumal ich weiß, dass ich auch nicht mehr schneller werde. Aber es macht immer noch Spaß.

Das ist die Hauptsache.

Ja. Und parallel zum Radfahren habe ich mit 60 dann angefangen zu laufen.

Trainieren Sie für den Duathlon oder sogar für den Triathlon?

Nein, das nicht. Aber ich bin der Vergangenheit häufiger in gemischten Staffeln angetreten. Da musste ich zwischen einer guten Schwimmerin und einer starken Läuferin von der Polizei mit dem Rad nur die Lücke schließen. Das Laufen ist vor allem im Herbst und Winter eine schöne Alternative zum Radfahren.

Haben Sie noch genügend Zeit zum Trainieren?

Das ist gerade jetzt, da die Bürgerschaftswahlen Ende Mai bevorstehen, wirklich nicht ganz leicht.

Wie oft sitzen Sie auf dem Rad, wenn die Witterungsbedingungen besser sind?

Zwei bis drei Mal pro Woche –
meistens morgens früh.

Wie lange fahren Sie?

Eine Blocklandrunde dauert etwa
45 Minuten.

Wie lang war Ihre bisher längste Strecke am Stück?

150 Kilometer.

Wow!

Selbst wenn man moderat fährt, kann man das mit ein bisschen Training in sechs Stunden schaffen.

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Ich nicht. Nutzen Sie Ihr Fahrrad auch in der Freizeit viel?

Nein, wie gesagt, dazu gibt es kaum Möglichkeiten.

Also nicht so wie Henning Scherf, der ja als Radvielfahrer galt.

(lacht) Naja, Henning Scherf hatte auch einen Dienstwagen. Den hat er nur nie gezeigt. Auch er war nicht immer nur mit dem Rad unterwegs.

Wenn Sie auf der Landstraße fahren, stelle ich mir das angesichts des Verkehrs ziemlich gefährlich vor. Ist das so?

Ja, manchmal sind Schnellfahrer, die ohne Rücksicht an einem vorbeifahren, schon ein Ärgernis.

Haben Sie selbst schon heikle Situationen erlebt?

Zum Glück nicht mit Fahrzeugen, aber dass man auch mal stürzt, ist nicht zu vermeiden.

Warum nicht?

Es gibt so viele Varianten – zum Beispiel wenn der Vorderreifen platzt oder der Hinterreifen wegrutscht.

Mit welchen Folgen für Sie?

Teils mit erheblichen Blessuren. Wenn man so über die Straße rutscht, ist die Haut meistens weg. Aber von Brüchen bin ich zum Glück verschont geblieben.

Und Sie fahren wahrscheinlich immer mit Helm?

Ja – und zwei habe ich auch schon zerlegt. Ich kann nur an alle appellieren, mit Helm zu fahren. Wenn man auf die Straße knallt, ist das hochgefährlich.

Derzeit laufen in Bremen die Sixdays, bei denen Sie als Zuschauer Stammgast sind. Haben Sie Bahnerfahrung?

Ja, ich bin schon mal auf der Bahn gewesen, aber das muss ich nicht wiederholen. Seitdem habe ich höchsten Respekt vor den sportlichen Fähigkeiten der Profis.

Haben Sie sich getraut, in den Steilkurven mal hoch zu fahren?

Ja, so ein bisschen. Man muss ja fahren, das Rad hat keine Bremse.

Hätten Sie Lust, noch mal zu fahren? Soll ich den Kontakt herstellen?

(lacht) Ich guck mir das lieber an, man soll es nicht übertreiben.

Und wahrscheinlich fahren Sie sowieso lieber an der frischen Luft, oder?

Das ist richtig.

Können Sie sich ein Leben ohne Radfahren noch vorstellen?

Nein, zumindest nicht, wenn man nicht gerade im Urlaub in der Wüste macht.

Teilt Ihre Frau Ihre Leidenschaft?

Ja, wir fahren gemeinsam. Sie hat ein E-Bike – und das passt auch. Das einzige Problem dabei: Mit E-Bike kommt man schneller die Berge rauf als ohne. Das ist für mich teilweise frustrierend.

Welcher Akku hält denn länger – Ihrer oder der Ihrer Frau?

Meine Frau ist meist schon oben und ruft: Wo bleibst du denn?

Aber für Sie ist ein E-Bike doch keine Alternative, oder?

Nein, ich möchte mich ja ein bisschen quälen. Und das schaffe ich nur ohne Motor.

Die Fragen stellte Jörg Niemeyer.

Info

Zur Person

Ulrich Mäurer (67) ist seit Mai 2008 Innensenator und damit Nachfolger von Willi Lemke. Zuvor war der Jurist Staatsrat beim Senator für Justiz und Verfassung. Seit 1970 ist er Mitglied in der SPD. Mäurer ist ein begeisterter Radfahrer und nahm schon an mehreren Rennen teil. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Ehefrau Brigitte Wohner-Mäurer ist Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins.

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