Basketball-Bundesliga Vorerst keine Lizenz für die Eisbären Bremerhaven

Die kommende Saison der Basketball-Bundesliga könnte ohne die Eisbären Bremerhaven stattfinden. Der Bundesligist hat vorerst keine Lizenz erhalten.
09.05.2019, 18:16
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Die Nachricht kommt zur Unzeit: Einen Tag vor dem entscheidenden Wochenende der Saison hat die Eisbären Bremerhaven die Kunde erreicht, dass ihnen die Lizenz für die kommende Spielzeit in der Basketball-Bundesliga (BBL) verwehrt wird. Die BBL teilte nach einer Entscheidung des Lizenzligaausschusses am Donnerstagnachmittag in Köln mit, dass außer den Eisbären auch der sportliche Aufsteiger Nürnberg Falcons keine Lizenz erhält. „Es ist perfide, so etwas vor dem für viele Vereine wichtigsten Wochenende bekanntzugeben“, sagte Eisbären-Geschäftsführer Wolfgang Grube. Nachdem seine Mannschaft in den vergangenen Wochen im Abstiegskampf viel Boden gutgemacht hat, kämpft es an diesem Freitag bei Alba Berlin und am Sonntag im letzten Spiel der Vorrunde beim Mitteldeutschen BC in Weißenfels plötzlich nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich ums Überleben.

In einer Pressemitteilung der Eisbären am Donnerstag hieß es, dass Wolfgang Grube "entsetzt ist über die Vorgehensweise der Liga". Im Gespräch mit dem WESER-KURIER äußerte der Geschäftsführer den Verdacht, dass die BBL auf diese Weise eine Reduzierung der Anzahl der Bundesliga-Teams durchsetzen wolle. "Wir haben viele Feinde", sagte Grube, der sich erst am vergangenen Sonnabend beim 78:80 der Bremerhavener gegen Frankfurt über das Auftreten der Schiedsrichterin beschwert hatte. In letzter Sekunde hatte Frankfurt die Siegpunkte markiert – nach Ansicht der Eisbären allerdings nach einem klaren, jedoch nicht geahndeten Foulspiel. Hätten die Gastgeber die Partie gewonnen, wäre sportlich ihr Klassenerhalt sicher gewesen. Nun benötigen sie für dieses Ziel noch einen Sieg – zumindest dann, wenn der einzige Abstiegskonkurrent aus Crailsheim seine beiden Begegnungen in Jena und gegen Oldenburg für sich entscheiden sollte.

Grube kündigte an, dass die Eisbären gegen die Entscheidung der BBL Berufung einlegen werden. Es blieben nur drei Tage Zeit, um eine schriftliche Begründung der Berufung einzureichen und insgesamt 1250 Euro zu überweisen – 750 Euro Berufungsgeld und 500 Euro Bearbeitungsgebühr. Grube machte auch aus der Verärgerung über die knappe Fristsetzung keinen Hehl. "Was soll ich zu diesem Zeitpunkt der Mannschaft nur sagen?", fragte er, um auf Nachfrage dann die Antwort zu geben: "Ich werde ihr sagen, dass sie auf dem Spielfeld genauso kämpfen soll wie wir im Umfeld."

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Die BBL, die am frühen Abend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, begründet die Verwehrung der Lizenz für die Eisbären mit einem "unzureichenden Eigenkapitalnachweis" des Vereins. Nach einer Änderung der Statuten greift jetzt erstmals die Bestimmung, dass alle Erstligisten einen erhöhten Mindestetat von drei Millionen Euro und ein positives Eigenkapital in Höhe von 250 000 Euro nachweisen müssen. Laut Mitteilung der BBL auf ihrer eigenen Homepage erhalten neun Klubs die Lizenz ohne Auflage und Bedingungen, fünf mit einer Auflage. Gießen, der Mitteldeutsche BC und Aufsteiger Hamburg Towers "erhalten die Lizenz mit einer auflösenden Bedingung" und müssen Nachweise zu bestimmten Stichtagen erbringen.

Eisbären-Chef Grube bestreitet die der BBL-Entscheidung zu Grunde liegenden Fakten nicht, beurteilt die Entscheidungsgrundlage jedoch ganz anders als die Liga. Fakt sei, so Grube, dass aufgrund von herangezogenen Altschulden der Eisbären seit 2008 ein Eigenkapital in Höhe von 250.000 Euro tatsächlich nicht vorhanden ist. Das heißt: Das den Altschulden entgegengestellte Vermögen der Eisbären ist nicht groß genug, um 250.000 Euro als positives Kapital nachweisen zu können.

Nach Grubes Einschätzung dürften jedoch die Altschulden bei zwei Banken, über deren Tilgung ein Vertrag bis 2032 bestehe, nicht herangezogen werden, weil für diese Schulden die Stadt Bremerhaven bürge. Zur Höhe der Schulden wollte Grube nichts sagen. "Verbürgte Schuld dürfte nicht zu den Verbindlichkeiten zählen", sagte er aber. Nun muss im Zuge der Berufung wohl geklärt werden, welche Sichtweise richtig ist. Laut Grube hätten die Eisbären ihrem Antrag auf Lizenzerteilung das Gutachten eines Steuerbüros beigefügt, demzufolge die Wirtschaftlichkeit der Eisbären gegeben sei. "Wir haben mit unserem Antrag einen schriftlichen Lösungsvorschlag eingereicht", sagte Grube, doch darauf sei die BBL nicht eingegangen.

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