Köln führt schon 3:0 – am Ende jedoch sorgen zwei Petersen-Elfmeter für die 3:4-Niederlage gegen Freiburg

Wahnwitziges Wintermärchen

Köln. Um 15.Den kaum für möglich gehaltenen K.o.Dass die Gastgeber nach Petersens erstem Elfmeter unverdrossen auf Sieg spielten, dafür zeigte ihr Trainer sogar Verständnis. „Wir wussten, dass ein Unentschieden zu wenig für uns ist.
11.12.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Andreas Morbach
Wahnwitziges Wintermärchen

Gewinner und Verlierer: Der Freiburger – und ehemalige Bremer – Stürmer Nils Petersen überwindet Kölns Torwart insgesamt dreimal. Und dreht damit noch in der Nachspielzeit ein lange entschieden geglaubtes Spiel.

Guido Kirchner, dpa

Köln. Um 15.50 Uhr bewiesen die Freiburger Fans echte Siegermentalität. SC-Angreifer Nils Petersen hatte die Partie bei Schlusslicht Köln gerade – in der 90. Minute, nach 0:3-Rückstand – per Strafstoß auf 3:3 gestellt, als sich das Fußballvolk aus dem Breisgau mit dem Erreichten keinesfalls zufrieden gab. Sondern fröhlich skandierte: „Auswärtssieg, Auswärtssieg!“ Sechs Minuten später bekamen sie dann Besuch. Von völlig begeisterten Freiburger Spielern, die das ultimative Kellerduell tatsächlich noch 4:3 gewonnen hatten.

Den kaum für möglich gehaltenen K.o. versetzte den nun hoffnungslos abgeschlagenen Kölnern erneut Petersen, erneut mit einem Elfmeter. Vor dem ersten leistete sich der übereifrige Salih Özcan ein unnötiges Foul an Nicolas Höfler, den zweiten verursachte FC-Angreifer Sehrou Guirassy in der fünften Minute der Nachspielzeit mit einem ungeschickten Handspiel. „Ich habe keine Worte für das, was heute passiert ist. Dass wir so ein Spiel noch aus der Hand geben – das ist nach den schwierigen letzten Wochen der negative Höhepunkt“, schluckte Kölns Abwehrkraft Dominique Heintz.

Dass die Gastgeber nach Petersens erstem Elfmeter unverdrossen auf Sieg spielten, dafür zeigte ihr Trainer sogar Verständnis. „Wir wussten, dass ein Unentschieden zu wenig für uns ist. Und ob es nun 3:3 oder 3:4 ausgeht, ist uns relativ egal“, betonte Interimscoach Stefan Ruthenbeck – an dem Tag, an dem sein Vorgänger Peter Stöger als neuer Chefübungsleiter in Dortmund vorgestellt wurde. Vor den letzten beiden Ligaspielen des Jahres bei den Bayern und gegen den VfL Wolfsburg hat der Vorjahresfünfte mit seiner Horrorbilanz von drei Punkten aus 15 Partien nun zwölf Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz. „So eine Situation, mit so wenigen Punkten – das ist schwer“, zeigte SC-Coach Christian Streich Mitgefühl mit dem Kontrahenten, erklärte aber zugleich: „Wir haben auch schon Europapokal gespielt. Und ich ahnte schon im Juni, dass es Köln mit dieser Zusatzbelastung und mit möglichen Verletzten schwer haben wird.“

Abgesehen davon konnte Streich nur staunen über sein widerstandsfähiges Ensemble. „Meine Mannschaft hat eine Frustrationstoleranz, die liegt über meiner“, lobte der 52-Jährige nach der wahnwitzigen Begegnung, die wegen des dichten Schneetreibens über der Domstadt mit einer halben Stunde Verspätung begann.

Dabei trauten die Zuschauer ihren Augen nicht, als auf dem halbwegs vom Schnee befreiten Rasen zunächst ein kleines Kölner Wintermärchen aufgeführt wurde. Sechs Tore hatten die Rheinländer zuvor zuwege gebracht, nun schossen sie innerhalb von 29 Minuten gleich drei. Der ungewohnte Spaß begann nach acht Minuten mit dem Führungstor durch Lukas Klünter. Weitere acht Minuten später erhöhte Guirassy per Strafstoß auf 2:0, nachdem er zuvor von Julian Schuster von den Beinen geholt worden war. Amüsante Begebenheit am Rande: Ehe der Franzose zur Ausführung antreten konnte, ortete Schiedsrichter Robert Kampka den zugeschneiten Elfmeterpunkt, indem er die Meter wie früher auf dem Bolzplatz mit Schritten abmaß.

Nach einer knappen halben Stunde flankte Konstantin Rausch scharf vors Freiburger Tor – der für den verletzten Philipp Lienhart früh eingewechselte Caleb Stanko lenkte den Ball ins eigene Tor. Nun starteten auch die Gäste in die Partie, kamen durch Mittelstürmer Petersen noch vor der Pause zum 1:3. Ehe es im zweiten Durchgang richtig wild wurde: Erst mit dem Anschlusstreffer durch Janik Haberer. Und schließlich durch Petersens doppelten Elfmeter – der dem Kölner Wintermärchen ein Schocker-Ende verpasste.

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