Nach Abstieg aus Basketball-Bundesliga

Warum den Eisbären Bremerhaven das wirtschaftliche Aus droht

Nach dem Abstieg in die Pro A ringen die Eisbären Bremerhaven um Lösungen für einen Neuanfang. Sie benötigen Gelder, um den Spielbetrieb organisieren zu können – und sie müssen den Schuldenberg loswerden.
14.05.2019, 21:33
Lesedauer: 4 Min
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Warum den Eisbären Bremerhaven das wirtschaftliche Aus droht
Von Frank Büter
Warum den Eisbären Bremerhaven das wirtschaftliche Aus droht

Die Spielerverträge sind aufgelöst: Eisbär Elston Turner (rechts) ist jetzt ein Ex-Eisbär – und Spiele in der Bremer ÖVB-Arena wird es vorerst auch nicht mehr geben.

Frank Thomas Koch

Gibt es einen Neuanfang in der Pro A? Oder droht den Eisbären Bremerhaven nach dem Bundesliga-Abstieg aus wirtschaftlichen Gründen gar das Aus? Beide Szenarien sind denkbar, bestätigt Geschäftsführer Marc Bergmann, er sagt aber auch: „Unser Bestreben ist es weiterzumachen. Wir setzen alles daran, den Basketball-Standort Bremerhaven aufrechtzuerhalten.“ Doch dazu Bedarf es Lösungen. Der finanzielle Druck ist immens. Und der zeitliche auch. Eine Richtungsentscheidung, sagt Marc Bergmann gegenüber dem WESER-KURIER, könnte bis Ende nächster Woche fallen.

Die Liste der Aufgaben, die es zeitnah zu bearbeiten gilt, ist lang. Und letztlich geht es dabei nur um eins: ums Geld. Am Dienstagvormittag haben sich Bergmann und der geschäftsführende Eisbären-Gesellschafter Wolfgang Grube mit Vertretern der Stadt Bremerhaven getroffen. Mit am Tisch saß auch Bremerhavens Bürgermeister und Stadtkämmerer Torsten Neuhoff.

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Die Stadt ist ein großer, ein wichtiger Partner im Pool der Förderer und Sponsoren. Immerhin wurden die Eisbären im Rahmen einer Leistungsvereinbarung mit der Tourismusgesellschaft „Erlebnis Bremerhaven“ als Bundesligist bisher pro Saison mit 450 000 Euro unterstützt. Bei diesem Treffen sollte nun ausgelotet werden, wie hoch diese Zuwendungen in Zukunft ausfallen könnten.

Ein Treffen, das zwar positive Signale, aber noch kein konkretes Ergebnis gebracht hat, schildert Marc Bergmann. „Beide Parteien haben sich gegenseitig Hausaufgaben mitgegeben, es wird ein weiteres Treffen geben.“ Die Eisbären etwa sind aufgefordert, ein Angebot über den Leistungsumfang hinsichtlich wirtschaftlicher Faktoren für die Stadt auszuarbeiten. Auf welchen Plattformen werden Heimspiele beworben? Wie viele auswärtige Zuschauer und Übernachtungsgäste lockt der Klub? Das sind unter anderem Kriterien, nach denen dann eine vom Stadtmarketing beauftragte Agentur den Werbewert der Eisbären bewerten wird. Je höher dabei der Werbewert für die Stadt ist, desto höher fällt womöglich die finanzielle Unterstützung aus.

Viele Bausteine im Etatpuzzle

Die Leistungsvereinbarung mit der Stadt ist derweil nur einer von vielen Bausteinen im Etatpuzzle. Die Eisbären sind überdies auf die Unterstützung aus der heimischen Wirtschaft angewiesen – allerdings hatten mehrere Sponsoren ihr künftiges Engagement von der Bundesligazugehörigkeit abhängig gemacht. Immerhin ist die Vertragsverlängerung mit Haupt- und ­Trikotsponsor BLG Logistiks unter Dach und Fach; das in Bremen ansässige Unternehmen steht den Eisbären zwei weitere Jahre zur Seite. „Die BLG ist unser Zugpferd, das könnte ein positives Signal an andere Sponsoren sein“, sagt Marc Bergmann.

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Sponsoren, mit denen vonseiten der Klub-Verantwortlichen sehr zeitnah persönlich gesprochen werden soll, besser: gesprochen werden muss. Denn wenn man den Ausführungen von Marc Bergmann aufmerksam folgt, geht es tatsächlich um das große Ganze: um die Zukunft des Basketball-Leistungssports in Bremerhaven. Einen Mindestetat müssen die Eisbären in der Pro A nicht aufbringen, sie müssen aber den eingereichten Finanzplan einhalten und – so lautet die Auflage des Lizenzausschusses – bis zum Stichtag 15. Juli zumindest 80 Prozent der im Lizenzantrag angegebenen Sponsorenverträge nachweisen.

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Fassungslos: Nach dem Bundesligaabstieg kämpft Eisbären-Geschäftsführer Marc Bergmann (Bildmitte) um Lösungen, die dem Verein einen Neustart mit Perspektive ermöglichen.

Foto: Hartmut Boesener/Imago

Verträge, hinter denen sich Beträge verbergen. Und die Summe dieser Beträge wird letztlich darüber entscheiden, ob es weitergehen kann. Das benötigte Volumen ist dabei abhängig von den Rahmenbedingungen. Da die Walter-Kolb-Halle die von der Liga geforderte Mindestkapazität von 1500 Zuschauern nicht erfüllt, ist eine Rückkehr in die frühere Spielstätte nicht möglich. Die Eisbären werden also weiter in der Stadthalle ihre Heimspiele austragen und dafür entsprechend Miete bezahlen müssen. Angesichts der stark gesunkenen Zuschauerzahlen hatte sich dabei zuletzt so manches Heimspiel zu einem Zuschussgeschäft entwickelt.

„Am Ende des Tages gab es einige Male keine positiven Zahlen“, sagt Marc Bergmann. Fehlbeträge, die von den vier Gesellschaftern ausgeglichen worden seien. Und da die Veranstaltungskosten für die „Hanse-­Games“ in der ÖVB-Arena im Vergleich sogar doppelt so hoch seien, schließt Bergmann in diesem Zusammenhang künftige Auftritte der Eisbären in Bremen als Pro-A-Ligist aus. „Das tut uns sehr weh, denn es hat allen sehr viel Spaß gemacht, vor großer Kulisse zu spielen“, sagt Bergmann. Die Gegner in der Pro A wären allerdings nicht so attraktiv wie Oldenburg oder Bayern, „deshalb ist das wirtschaftlich nicht mehr lukrativ“, sagt der Geschäftsführer und ergänzt: „In unserer Situation müssen wir eben alles hinterfragen.“

Klub prüft Personalabbau

Dazu gehört auch der Mitarbeiterstamm des Klubs mit Vollzeitkräften bis hin zu den Minijobbern. In der BBL wird von den Vereinen beispielsweise verlangt, dass sie einen hauptamtlichen Geschäftsführer stellen, einen PR-Manager, einen Kaufmännischen Leiter und einiges mehr. Derartige Auflagen gibt es in der Pro A nicht – „also gucken wir, was man braucht und was man finanzieren kann“, sagt Marc Bergmann. „Das Grundbudget muss einiges abdecken – und einen Spielerkader benötigen wir ja auch noch.“

Besagtes Budget auf die Beine zu stellen, um all diese Posten und damit überhaupt einen Spielbetrieb in der Pro A abzusichern, ist indes nur die eine Seite der Medaille. Solange die Eisbären noch die Schuldenlast in Höhe von rund 800 000 Euro drückt, wäre es nämlich ein Spielbetrieb ohne Aussicht auf Rückkehr in die Bundesliga. „Diese Kredite müssen weg, sonst haben wir keine Chance auf einen Wiederaufstieg“, sagt Marc Bergmann. „Wir brauchen einen kompletten Neuanfang und eine echte Perspektive.“ Die Zeit läuft.

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